Beast of the Yellow Night

Eddie Romeros seltsamer Hybrid aus Werwolf-, Besessenheits- und Liebesfilm war der Startschuss für Roger Cormans philippinische Koproduktionen in den 1970er Jahren.

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Philippinen, 1946: Kurz nach Kriegsende werden in einer ländlichen Gegend mehrere Leichen gefunden. Der Mörder, ein verloren in den Wäldern hausender US-Soldat namens Langdon (John Ashley), entgeht in letzter Sekunde dem Hungertod, als ihm der Leibhaftige (Vic Diaz) erscheint. Der fordert als Gegenleistung für seine Rettung die ewige Dienerschaft, in der es seine Aufgabe ist, andere Menschen zu verderben. Zwanzig Jahre später fährt Langdon in den Leib eines vermeintlich Toten, der sehr zur Verwunderung seiner Gattin Julia (Mary Wilcox) plötzlich mit anderem Gesicht ins Leben zurückkehrt. Das folgende Eheleben lässt den Teufelsdiener zunehmend an der „Richtigkeit“ seines Handelns zweifeln…

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Über den cineastischen Wert dieses Films mag man kaum streiten. Er wurde billigst für die Verwertung in Bahnhofs- und Autokinos heruntergekurbelt und ist heute als Public-Domain-Film in meist hundsmiserabler Qualität auf minderwertigen DVDs (oder via YouTube-Stream) zu begutachten. Der nachsynchronisierte Ton steht nie ganz im Einklang mit dem vermatschten, kontrastarmen Bild, alle Innenszenen wurden in fensterlosen Studioräumen unter Zuhilfenahme von viel Kunstlicht abgedreht. Die Geschichte besteht aus etlichen behelfsmäßig zusammengeklebten Versatzstücken und schwankt recht unentschlossen zwischen grellem Horror- und Monsterfilm und plüschigem Melodram. Da schütten sich die beiden Protagonisten in ihrer mit barockem Kitsch zugestellten Wohnung gegenseitig die Herzen aus und leiden, leiden, leiden an ihrem Schicksal, bevor sie eine mit psychedelischen Bildeffekten aufgepeppte Sexszene absolvieren. Dann verwandelt sich Langdon unter Krämpfen plötzlich in einen Tiermenschen, der des Nachts auf Mordtour geht und alten Männern die Milz aus dem Wanst reißt. („Maximal drei Schläge mit der Kraft eines Vorschlaghammers“, weiß der Gerichtsmediziner genau zu diagnostizieren.) Und während er von der Polizei verfolgt wird, findet er, wie einst Frankensteins Monster, Unterschlupf bei einem Blinden, der sich nur zu gut in die geschundene Seele hineinversetzen kann.

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Für Aufmerksamkeit sorgen vor allem die Auftritte des Teufels: Wer Vic Diaz, einen dickleibigen Filipino mit Glubschaugen, kennt, der ahnt schon, hier in den Genuss einer der ungewöhnlicheren Luziferverkörperungen der Filmgeschichte zu kommen. The Beast of the Yellow Night ist von spannender Unterhaltung oder gar von transgressiver Schockwirkung zwar meilenweit entfernt, aber in seiner seltsamen Melange aus mondänem Kitsch, bleischwerer Melancholie und augenrollendem Unfug entfaltet er eine sehr eigene Wirkung. Seine Billigkeit wirkt nie in dem Maße unbeholfen, wie das dieser Art Film sonst zugeschrieben wird, und in seinen budgetbedingten Limitierungen mag man gar eine spezifische Ästhetik erkennen. Mit den dunklen Bildern und dem gelähmten Spiel der Akteure, dem getragenen Tempo und den grell aus dem Rest hervorstechenden Teufelsszenen mit ihrem Tongue-in-Cheek-Humor beschreitet der Film ganz eigene Pfade.

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The Beast of the Yellow Night gehört zu einer Reihe von Schlockfilmen, die Eddie Romero von den späten 1960ern bis in die mittleren 1970er Jahre zusammen mit dem US-Schauspieler John Ashley inszenierte (die anderen sind Brides of Blood (1968), Mad Doctor of Blood Island (1968), Drakapa, das Monster mit der Krallenhand (Beast of Blood, 1971), Beyond Atlantis (1973) und The Woman Hunt (1973)). Ashley war durch Zufall ins Filmgeschäft geraten und hatte in den 1950er Jahren in einigen Juvenile-Delinquents-Filmen der AIP mitgewirkt. Ende der 1960er Jahre folgte er dem Ruf Romeros auf die Philippinen, drehte mit diesem Brides of Blood und kehrte nach diesem ersten Erfolg für einige weitere Filme zurück. The Beast of the Yellow Night scheint historisch etwas bedeutsamer als die anderen: Die Finanzierung des Films drohte nach dem Erkranken ihres Stammproduzenten zu kippen. Auf der Suche nach einem potenten Finanzier landeten Romero und Ashley bei Roger Corman, der ihnen weitere Geldmittel zur Verfügung stellte. Der Erfolg von des Films überzeugte Corman davon, sein Philippinen-Engagement auszuweiten und ebnete den Weg für weitere Koproduktionen, mit denen Cormans New World Pictures in den frühen Siebzigerjahren den Markt versorgte. Der erste davon sollte der WIP-Film The Big Doll House (1971) werden.

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