World Invasion: Battle Los Angeles

Die Erde wird von einer außerirdischen Armee angegriffen. Schon wieder.

World Invasion Battle Los Angeles 01

In Independence Day (1996) gibt es eine Szene, in der Will Smith einen tentakeltragenden Außerirdischen mit einem beherzten Fausthieb K.O. schlägt, um sich danach eine Zigarre anzuzünden und zufrieden in die Wüste zu blicken. In World Invasion: Battle Los Angeles gibt es auch einen Moment der ersten Begegnung zwischen Mann und Monster. Der von Aaron Eckhart gespielte Staff Sgt. Nantz geht dabei aber anders vor: Mit bloßen Händen bricht er den Brustkorb des verletzten, quiekenden Aliens auf und wühlt in seinen Eingeweiden, auf der Suche nach der verwundbaren Stelle. Als er sie, unter vielen Schichten Schleim, endlich gefunden und zertrümmert hat, erstirbt auch der extraterrestrische Schmerzensschrei. Für eine Zigarre und einen zufriedenen Blick irgendwohin bleibt aber keine Zeit (geraucht wird in diesem Film ohnehin nicht), denn die Invasion ist in vollem Gange.

Zwischen 1996 und 2011 liegt bekanntlich 2001, und die fantasielose Grimmigkeit von World Invasion: Battle Los Angeles mag dem Eindruck geschuldet sein, dass die USA heute keinen Spaß mehr verstehen, wenn sie angegriffen werden. Patriotisch war Independence Day natürlich ebenfalls, aber außerdem eben auch vergnüglich. Die Schlacht um Los Angeles jedoch wird mit so viel Pathos, Durchhalteparolen, Soldatenehre, Wackelkamera und Schlachtenlärm bestritten, dass man Mühe hat, darunter überhaupt eine Geschichte zu finden.

World Invasion Battle Los Angeles 03

Immerhin so viel: Besagter Staff Sgt. Nantz steht wenige Stunden vor seinem Abschied aus der Army, als ein Haufen auf die Erde zufliegender Meteoriten sich als Flotte außerirdischer Kampftruppen entpuppt, die ins Meer plumpsen, an Land gehen und damit beginnen, alles wegzubomben, was in Kalifornien so herumsteht. Prompt wird der erfahrene Soldat reaktiviert und muss in die Schlacht ziehen, gemeinsam mit einem Trupp Marines sowie später dazustoßenden Zivilisten, die es zu retten gilt.

Die Außerirdischen sind an Feuerkraft recht deutlich überlegen, aber offenbar etwas schwach auf der taktischen Seite, anders ist kaum zu erklären, dass sie zwar ganz Los Angeles in einen mit digitalen Feuerbällen gespickten Trümmerhaufen verwandeln, sich am Ende aber von einer Handvoll Männern und Frauen überrumpeln lassen (darunter so gute Schauspieler wie Michael Peña und Michelle Rodriguez in ihrer immer gleichen Rolle als ganzer Kerl), die danach ohne Frühstück in den nächsten Einsatz ziehen. „Retreat? Hell, we just got here!“, ist das Motto dieser Soldaten, ein berühmtes Zitat aus dem Ersten Weltkrieg.

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Im Kern seiner Erzählung funktioniert Battle Los Angeles durchaus als Rekrutierungsvideo, mit seinen aufs technisch-militärisch Notwendige beschränkten Dialogen (direkt aus der Schublade mit den seit 30 Jahren nicht veränderten Marine-Sprüchen, zu der offenbar wirklich jeder Drehbuchautor in Hollywood den Schlüssel hat), den ständigen Schießereien und Explosionen streng aus der Sicht der Soldaten, dem Blick auf die Helden im Gegenlicht nach dem entscheidenden Treffer. Und Spaß macht der Job ja auch hin und wieder. Allerdings ist damit keine spaßige Perspektive des Films auf sein zu Tode durchgespieltes Sujet gemeint, sondern der Spaß am Töten, den Soldaten manchmal empfinden. Da fährt man dann mit einem gepanzerten Fahrzeug durch die Feinde hindurch, dass die Schleimbeutel spritzen, und hat dabei einen kessen Spruch auf den Lippen.

Filmisch gibt es ebenso wenig Perspektiven wie inhaltlich. Es existiert nur die halbnahe bis ganz nahe Aufnahme und die Totale. Die eine Einstellung, die den weitaus größten Teil des Films beherrscht, wackelt gehörig und soll die Energie und die Orientierungslosigkeit der Schlacht vermitteln. Irgendwo am Rand tauchen dann die Außerirdischen auf, merkwürdig gebeugte Figuren mit schlaksigen Bewegungen, wie Ziele eines Videospiels. Die Totale dagegen ist die Erkennungsmarke des Films, die Panorama-Ansicht des zerstörten Los Angeles, ein absurd leeres Inferno, das nie ins Verhältnis zu den Intimitäten der Combat Zone gesetzt wird.

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Battle Los Angeles versucht weder, ironisch zu sein, noch seine Alien-Geschichte zu einer Metapher zu entwickeln (District 9, 2009). Er versucht noch nicht einmal zu unterhalten. Die außerirdische Bedrohung steht für nichts bestimmtes, nur für irgendeine unverschuldete Aggression. Und außer dem Willen zum Kampf, zum Durchhalten, hat dieser Film nichts zu sagen.

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Kommentare


Schnorchel

Sehr gut geschriebene Kritik. Leute, spart Euch das Geld und gebt es nicht für diesen Mist aus.


Arnold

gut geschriebene Kritik, besser alls bei Wiki, naja was soll man zum Film sagen. Es ist eben ein Schießfilm, wem´es gefällt ok, ihn zu zereißen ist nicht notwendig, mal sehn wie die Vortsetzung wird...


Tuko

Sehr gute Kritik, drückt genau mein Empfinden aus als ich diesen Werbefilm für die US-Truppen gesehen habe. Was anderes ist es auch nicht, ein 2 Stunden Rekrutierungsvideo für Kanonenfutter. Die Handlung, sofern man in dem Film eine Handlung erkennen kann, ist beliebig austauschbar.


Domina

Jepp einer der schlechtesten Filme die ich je gesehen hab!Schade für die Zeit!!


Nobbi

Immerhin, Häuserkampf gegen Aliens ist neu, jedenfalls für mich. Auch die kurz zu sehenden menschlichen Eigenschaften der Invasoren (Bergung eines verletzten Kameraden / Autsch, mein Arm) waren originell. Ein Marine fragt sich ja auch, ob die wohl auch Angst haben. Nur hat die Konzentration auf die Rettung der Zivilisten enttäuschend von der grade losgehenden Invasion abgelenkt. Dadurch kam keine richtige Invasionsstimmung auf.


Peter

Ich dachte immer, schlimmer als in "skyline" kanns nicht kommen, aber siehe da, schlimmer geht offensichtlich immer. So ein dummer, langweiliger Film.


Grannystalker

Oh man Leute diese Kritik trotzt nur von eigener Meinung. Der Film ist meiner Meinung nach sehr gut, ich habe ihn heute im Kino geguckt und wünsche mir ne Fortsetzung aber jedem das seine der eine mag es der andere steht auf Blümchenfilme was solls


sven

Also ich fand den Film sehr gut! Da Filme in diesem Genre ja meist sehr kitschig und bunt sind, ist dieser Kriegsfilmstil von WI mal was Neues und durch die hektische Kameraführung fühlt man sich sehr gut ins Geschehen versetzt! Nur die Außerirdischen die eine Mischung zwischen Quallen und Kampfroboter sind gefielen mir von Optik her nicht so gut. Wie auch immer eine Fortsetzung würde ich mir sofort ansehen!!!!!!!!!!!!!!!


Hajo

Wir haben uns zu Tode gelangweilt! In diesem Film geht es um nichts! Wirklich nichts! Die Kritik teile ich zu 100%! Und bin umso überraschter, daß es sich hierbei nicht um ein verfilmtes Videospiel handelt. Da sind selbst die Filme von Uwe Boll spannender.


123Max

gott dieser Film war zum Heulen - solche filmen ziehen doch ein ganzes Genre in den Dreck - das muss doch nicht sein - einfach nur wasted time...


Kirkoloftian

Typisch Amies...ich freue mich und warte lieber auf Jackssparow :)


Johnny Wasert

Propagandascheiß, und nichtmal deswegen Rotz. So übertrieben dämlich, sagenhaft.
Sa-gen-haft.
Goldene Himbeere


8ball

ausgezeichnete Kritik! Dieser Film ist einfach nur schlecht und vor allem unnötig. Schließlich gibt es bereits andere Filme, die aus dem Alien-Szenario viel mehr herausholen (siehe District 9). Genausogut hätte man die Soldaten in einem x-beliebigen realen Konflikt zeigen können


Frank G.

Man man, typisch Deutsch.
"Da steht eine Mauer, find mal raus was dahinter ist, ich such inzwischen eine Initiative dagegen ...*kopfschüttel."
Was war noch mal der Sinn eines Filmes ? Achja, Unterhaltung und Zeitvertreib.
Es ist klar, das die Amerikaner immer alles aus ihrer Sicht zeigen und wie toll doch ihre Soldaten sind. Die Realität zeigt ja was anderes. Aber die Amis haben wenigstens noch einen Zusammenhalt und Stolz, was man von den Deutschen nicht behaupten kann. Lieber den Nachbarn verklagen, anstatt ihm zu helfen. Aber darum geht es nicht. Da sind Schauspieler die ihr Bestes geben und versuche ihren Job zu machen. Mal sehen wie lange Ihr noch arbeiten würdet, wenn man jedes Mal Eure Arbeit in den Dreck zieht.
In einem Film geht es um Ablenkung vom Alltag, der schon hart genug ist. Da muss ich mich nicht noch über das Freizeit-Angebot beschweren. Also geht hin und macht es besser. Nicht die Klappe aufreißen, selber machen !!
PS : Ich persönlich würde es begrüßen wenn Aliens auf die Erde kämen und den Menschen mal zeigen wie klein sie eigentlich sind.......


Fenris

Also unterhalten hat mich der Film. Tiefgründig... wahrscheinlich weniger und ich warte sehnsüchtig, dass das Ganze als Spiel für den PC erscheint... natürlich in "Call of Duty"-Qualität.
Aber muss denn alles Hintersinnig sein? Ami-Film - Ami-Soldaten! In Deutschland würde man sich so einen Film nicht trauen: kein Etat und vor allem hätte man Angst vor genau dieser Kritik.
Ich fand den Stoff genial als Ego-Shooter-Vorlage:-)
OK, das mit dem Hurra Amerika nervt sicher, aber mir gefiel, dass es nicht viel zum Lachen gab. Die Zwischensequenz mit den Gags beim Aliens-Überfahren war inkonsequent.


Isarworx

Ehrlich gesagt fand ich den Film recht gelungen. Typisches Popcorn-Kino, was mich gut unterhalten hat. Das einzige Dilemma, was ich dem Film ankreiden kann, ist der nervige Score, der sich süffisant durch das Movie zieht und die markigen Durchhhalteparolen, die dem ganzen zeitweise einen lächerlichen Anstrich verliehen. Möglicherweise war diese Überzeichnung zum Heldepos vom Director gewollt inzeniert und niemand hat es gemerkt. Für mich vom Unterhaltungswert auf einer Stufe mit Starship Troopers und District 9. Man muss bei solchen Filmen nicht zwangsläufig immer nach einem tieferen Sinn suchen...


Fabi

Bester Film den ich je gesehen habe. Wenn das jemand nicht so sieht ist er entweder eine Frau oder hat einen kleinen Penis....jetzt nachmessen !!!


sapperlot

@Frank G. , Fenris, Isarworx
Es ist doch so: Jeder kann Spagetti Bolognese kochen. Aber nur ein guter Koch kann sie so kochen das wir noch überrascht sind und Geld däfür bezahlen.

Im Film verhält es sich ähnlich. Es gibt bestimmte Regeln (ein Rezept); Teschnische, Handwerkliche, Emotionale, usw., mit deren Hilfe man einen tollen, unterhaltsamen Popcorn-Blockbuster zaubern kann, wie zum Beispiel der vom Kritiker genannte Film Independence Day.
Die wichtigste wurde in diesem Film nicht beachtet: Herz, Vibe, Inspiration oder wie auch immer man sie nennen möchte.
Diese plumpe Zusammenstellung einer "Alien-Story", Effekten und viel Pathos könnte der Autor dieser Rezension wahrscheinlich tatsächlich selbst inszenieren.
Man erwartet doch mehr von den "Profis" aus Übersee. Und damit ist kein Überintellektualisierter Gesellschaftsfilm gemeint.
Wenn die gleichen Geschichten schon immer wieder erzählt werden müssen, dann doch bitte mit etwas mehr Herzblut.






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