Basic Instinct: Neues Spiel für Catherine Tramell
Ein gewiefter Polizist (David Thewlis), ein erfolgreicher männlicher Psychologe (David Morrissey) und eine erfahrene weibliche Psychologin (Charlotte Rampling) stellen sich der Psychopathin Catherine Tramell (Sharon Stone) – und sind ihr natürlich nicht gewachsen.

Dr. Michael Glass (David Morrissey) hat ein Problem: Wem soll er eher vertrauen – dem zwielichtigen Polizisten mit schlechtem Ruf oder der rattenscharfen Blondine, die ihn mittels Strangulation zu phantastischen Orgasmen befördert? Wie wird er sich wohl entscheiden?
Mario F. Kassar ist Mitbegründer der Carolco-Produktionsfirma, die Anfang der Achtziger Jahre aufsehenerregende Actionfilme wie Rambo (First Blood, 1982) und Terminator (1984) auf die Leinwand brachte. Arnold Schwarzenegger und Sylvester Stallone, die Darsteller beider Titelfiguren, band man mit langfristigen Verträgen und etablierte sie als größte Stars des Genres. Teil dieses Weges waren bereits damals Fortsetzungen der Erfolgsfilme. 1992 gelang der unabhängigen Produktionsfirma mit Basic Instinct der vorletzte ganz große Erfolg. Euphorisiert sicherte man dessen Regisseur Paul Verhoeven für sein nächstes Projekt völlig freie Hand zu, wieder sollte „Sex sellen“. Ein Fehler – Showgirls (1995) floppte und läutete das Ende von Carolco ein. Schließlich tat sich Kassar wieder mit seinem alten Mitarbeiter Andrew G. Vajna zusammen und gründete C2 Pictures. Um dieser Firma ein ähnliches Schicksal wie Carolco zu ersparen, entsannen sich beide ihrer erfolgreichen Wiederholungstaktik. Ihre beiden ersten Produktionen waren Terminator 3 - Rebellion der Maschinen (Terminator 3 – Rise of the Machines, 2003) und Basic Instinct: Neues Spiel für Catherine Tramell (Basic Instinct 2) – diesmal vorsichtshalber ohne Paul Verhoeven. Für den holländischen Regisseur sprang der minder talentierte, aber für massenkompatible Ware mit einem gewissen Quasi-Chic bekannte Schotte Michael Caton-Jones ein.

Das amerikanische Fernsehen hat mit Serien wie Sex and the City (1998-2004), Desperate Housewifes (seit 2004) und Weeds (seit 2005) zum Ausdruck gebracht, dass auch oder gerade bei Frauen jenseits der 40 Sex noch ein ganz entscheidendes Thema sein kann. Das kann man auch von Catherine Tramell behaupten. Das Leben der Schriftstellerin hat viel mit Körperflüssigkeiten zu tun – Mord und Geschlechtsverkehr gehen dabei durchaus Hand in Hand. So kennen wir es aus Teil 1. Der Nachfolgefilm hat dem nichts hinzuzufügen. Wieder ist es Sharon Stone, die das mordende Weibsstück mit dem Eispickel gibt. Den Film nutzt sie als ausgiebige Modenschau, der Film nutzt sie zur Ausschlachtung, nein, Leichenfledderung an ihrer Figur. In dröhnenden Dialogen, meist zwischen Tramell und dem Psychologen Glass, wird alles ausposaunt, was man sich im ersten Teil noch denken durfte: Die hübsche Frau ist cool, manipulativ, und man weiß nie, was von dem von ihr Gesagten auch der Wahrheit entspricht. Die Auseinandersetzung zwischen Tramell und Glass ist als erotisches Psychoduell gedacht, weiß aber nur durch unbeabsichtigte Lacher zu amüsieren. Die Ambivalenz von Verhoevens zitierfreudigem Film ist flöten gegangen. Erst am Ende mühen sich Kassar, Vajna und Caton-Jones in Erinnerung an Teil 1, die psychopathische Schriftstellerin noch ein Alternativende fabulieren zu lassen, in Rückblenden gehalten und an die Auflösung des Carolco-Films Angel Heart (1987) erinnernd.

Im Grunde genommen funktioniert Basic Instinct 2 also wie so manch weniger gute Western: Er beruft sich auf einen Mythos, in diesem Fall den der pickelwütigen Femme Fatale, ohne ihn allerdings zum Leben zu erwecken, geschweige denn, ihm eine übergeordnete oder auch nur zeitgenössische Bezüglichkeit zu verleihen. In Dialogen wird der Mythos erst hochgehalten, dann aus- und schließlich plattgewalzt. Einzig: Man sieht ihn nicht mehr. Der Film beruft sich auf eine schöne Frau namens Sharon Stone und zeigt eine operierte noch immer schöne Sharon Stone – deren Brüste den größten Unterschied ihrer Filmfigur zwischen Teil 1 und 2 ausmachen. Basic Instinct 2 erzählt von einer mysteriösen Catherine Tramell, deren Abgründe wir jedoch schon seit Teil 1 kennen. Insofern ist er eine Reproduktion des im Original aufgebauten Mythos, ein schlecht illustrierter Zeugenbericht, der seine vergangene Thematik in der Gegenwart platziert.
Bleibt die Frage: Hätte sich Dr. Glass anders entschieden, wenn er schon mal den Begriff Femme Fatale gehört hätte? Oder hätte er sich einfach Teil 1 anschauen sollen?
Filmkritik von Sascha Keilholz
Veröffentlicht am 30.03.2006
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Film-Angaben
Titel: Basic Instinct: Neues Spiel für Catherine Tramell
Originaltitel: Basic Instinct 2
Deutschland, Spanien, Großbritannien, USA 2006
Laufzeit: 114 Minuten
Regie: Michael Caton-Jones
Drehbuch: Leora Barish, Henry Bean
Produktion: Mario Kassar, Andrew G. Vajna, Joel B. Michaels, Moritz Bormann
Darsteller: Sharon Stone, David Morrissey, David Thewlis, Charlotte Rampling, Hugh Dancy
Kinostart: 30.03.2006
DVD-Angaben
Titel: Basic Instinct 2: Neues Spiel für Catherine Tramell
Vertrieb: Paramount Home Entertainment
Bild: 2,40:1, 16:9
Sprache(n): Deutsch (DD 5.1, DTS 5.1), Englisch (DD 5.1)
Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte
Altersfreigabe: ab 16 Jahren
Spieldauer: 111 Minuten
Extras: Making of; Sharon Stone Special; Blick hinter die Kulissen; Darstellerinfos
Verleih ab: 01.09.2006
Verkauf ab: 21.09.2006
Copyright Basic Instinct: Neues Spiel für Catherine Tramell
Fotos: © Constantin
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