Bandidas

Nicholas Ray (Johnny Guitar, 1954) und Sam Fuller (Vierzig Gewehre, Forty Guns, 1957) haben zwei wunderbare Frauenwestern geschaffen. Nun treten die Bandidas Penélope Cruz und Salma Hayek in die Fußstapfen von Joan Crawford und Barbara Stanwyck.

Bandidas

Amy Fowler hat eine Lanze für die Frauen des Wilden Westens gebrochen. Sie ist die einzige in einem von Feigheit dominierten Dorf, die Zivilcourage beweist und ihrem Verlobten Will Kane zur Hilfe eilt – wobei sie, ganz in Weiß gehüllt, ihre Unschuld verliert und den größtmöglichen Liebesbeweis liefert. Western, das ist in der klassischen Anordnung immer eine romantische Erzählung. Frauen sind dabei häufig das eigentliche Zentrum der vermeintlichen Männerdomäne Western, sei es in der paradoxen Konstruktion ihrer Abwesenheit.

Maria und Sara sehen sich und ihr mexikanisches Dorf einer großen Bedrohung ausgesetzt: amerikanische Bankiers wollen nicht nur Kontrolle über das Finanzsystem erlangen, sondern auch die Eisenbahn mitten durch der Menschen Lebensraum ziehen. Wie in oben beschriebenem Zwölf Uhr mittags (High Noon, 1952) sind auch hier die Grundkoordinaten vertraut: das Dorf sieht sich mit der Gefahr von außen konfrontiert, hier personifiziert von dem üblen Tyler Jackson (Dwight Yoakam).

Bandidas

In Fred Zinnemanns Meilenstein war es Grace Kelly, die Amy Fowler ihr strahlendes Gesicht lieh. Der klingende Name gewann später noch an Strahlkraft, als monegassische Königin nannte sie sich Gracia Patricia. In Bandidas sind es Penélope Cruz und Salma Hayek, die Glanz in der Prärie verströmen sollen. Ihr Aussehen und Outfit scheinen das eigentliche Thema des Films. Mal verstaubt, mal durchnässt, stets tief dekolletiert, so werden die Stars von der Kamera präsentiert. Eines Nachts wärmen sich die beiden gegenseitig im Licht des Lagerfeuers. Dieser Moment könnte auf eine weibliche Variante von Ang Lees Brokeback Mountain hindeuten – wäre sie nicht ins Lächerliche gezogen. In Bandidas wird Sexualität grundsätzlich gerne ins Komische verzerrt, wie es bei vorpubertären Kindern häufig der Fall ist. Dieser Western wirkt an vielen Stellen in seiner simplen Konstruktion, seinen abgedroschenen Metaphern und seinem Bad-Segeberg-Look an Kinder adressiert, wäre da nicht die immer wieder aufflackernde graphische Gewalt. Vielen Momenten sind große Emotionen eingeschrieben, doch nur als Behauptung.

Bandidas

Die Sexualität, bei Bandidas, das ist vor allem Verkleiden, gerne als Prostituierte, und Frauenwrestling in Form von Schlammcatchen - Andy Kaufman hätte sich wohl dafür begeistern können. Die Erotik ist allerdings wieder kindgerecht – selbstredend dürfen die Stars in allerlei mehr oder minder aufreizenden Kleidern laszive Posen einnehmen – Wesentliches gezeigt wird nicht. Auch in dieser Hinsicht bleibt Bandidas bei Behauptungen.

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