Badland – Kritik

Nach einer schrecklichen Tat versucht ein Veteran, ein neues Leben zu beginnen. Mit dem überlangen Badland setzt Francesco Lucente die Reihe von kürzlich erschienenen Filmen über den Irakkrieg fort.

Badland

Die ersten Minuten von Badland sind ein Dreiklang der Trostlosigkeit: erstens die Schikanen des Chefs, zweitens das ärmliche Leben im Wohncontainer, in dem - drittens - die gehässige Ehefrau ohne Unterbrechung vor sich hin nörgelt. Jerry (Jamie Draven), ein unehrenhaft entlassener Veteran des Irakkriegs, der unter posttraumatischem Stress-Syndrom leidet, hat seinen Wiedereinstieg ins zivile Leben gründlich verfehlt. Am Küchentisch, mehr oder weniger überraschend, läuft er Amok und macht sich zusammen mit seiner jüngsten Tochter (Grace Fulton) auf die Flucht in die Wildnis. 

Badland

Auch wenn Titel, Teile der Handlung und das Motiv des Filmplakats (zwei Menschen unter einem Baum) etwas anderes nahelegen: Badland hat nichts mit Badlands (1973) von Terrence Malick zu tun. Wenngleich man Regisseur und Drehbuchautor Francesco Lucente durchaus unterstellen kann, vorsätzlich eine gewisse Nähe zu dem Klassiker gesucht, aber nicht gefunden zu haben. Zum Beispiel die Musik: Wo Malick seine Naturaufnahmen mit natürlichen Geräuschen und sanfter Symphonik zu unterlegen pflegte, greift Badland tief in die Empathie-Effektkiste. Die epische Musik, komponiert von Ludek Drizhal, klingt in jedem Moment so bedeutungsvoll, so schiwagohaft, dass sie die Auseinandersetzung mit den Bildern übertönt. Einmal überquert Jerry einfach nur eine Straße, um auf der gegenüberliegenden Seite einen Diner zu betreten, aber selbst in einer so simplen Szene versucht die Tonspur mit Geigen, Gitarren, Chören und Hörnern große Gefühle hervorzurufen. 

Badland

Man muss Badland zugute halten, dass er nicht den einfachsten Weg gegangen ist. Andere Geschichten von Irak-Heimkehrern, etwa Im Tal von Elah, in dem in einer Nebenhandlung ebenfalls ein Ex-Soldat seine Frau umbringt, konnten sich bestimmte Schwierigkeiten vom Leib halten, weil sie sich an einem Gerüst aus Genre-Regeln festhielten. Der von Tommy Lee Jones gespielte Ex-Militär auf der Suche nach den Mördern seines Sohnes agiert wie in einem Kriminalfilm. Der unabhängig produzierte Badland aber findet in seiner Arthouse-Form keinen Halt. 

Das liegt zu ungefähr gleichen Teilen an einem unausgegorenen Drehbuch, der bereits erwähnten unpassenden Musik und einem völligen Versagen im Schneideraum. Es ist kein Grund zu erkennen, warum Badland 160 Minuten dauern muss. Der Film steckt voller Redundanzen, immer wieder werden dieselben Dinge gezeigt und ausgesprochen. Die nörgelnde Ehefrau ist als Charakter so eindimensional angelegt, dass Vinessa Shaw kaum etwas anderes übrig bleibt, als sie als die Karikatur zu spielen, die sie ist. Die elfjährige Grace Fulton als Tochter Celina verfügt zwar über eine beeindruckende Leinwandpräsenz, bleibt aber von der Tat des Vaters, die sie mit angesehen hat, seltsam unberührt. Und Joe Morton, der einen ebenfalls traumatisiert aus dem Krieg zurückgekehrten Polizeichef in einer Kleinstadt spielt, muss immer dieselben verzweifelten Monologe zum Besten geben. Mehrere Verweise auf My Lai, das berüchtigte Massaker an einer Dorfbevölkerung in Vietnam, sollen zudem den für den Film viel zu weiten Bogen vom einen Krieg zum anderen schlagen. 

Badland

Um noch einmal auf Malick und Badlands zurückzukommen: Obwohl er in den fünfziger Jahren spielt, Vietnam darin also kein einziges Mal erwähnt wird, ist der Krieg in Südostasien in beinah jeder Einstellung spürbar. Nicht als Ursache für die Gewalteruptionen im Film, sondern als Spiegel einer von Grund auf gewalttätigen Gesellschaft. Auch weil Lucente ein solch analytischer Ansatz völlig fehlt, ruft es Befremden hervor, wenn der neue Film sich so deutlich auf den alten bezieht. Was am Ende von Badland übrig bleibt, ist ungefähr so originell wie die - wesentlich kürzeren - Anti-Kriegs-Statements, die das Presseheft schmücken.

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Kommentare


Harald

Mag ja stimmen, dass der Film Schwächen hat, aber was an keiner Stelle erwähnt wird, ist das der Film in seiner Aussage und Erzählweise schon mutig ist. Und spätestens das Ende ist auf jeden Fall originell.
Bei der Musik wird unterschlagen, dass Bruce Springsteen einen Song zur Verfügung gestellt hat, der überhaupt nicht unpassend ist.
Der Film ist unbequem auch für den Zuschauer und daher wahrscheinlich bei der Kritik nicht so gut weggekommen, wie er es verdient hätte...






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