Bad Santa
Aus Scrooge und Grinch mache Bad Santa. Was sich wie ein todsicheres Weihnachtsrezept liest, hätte leicht zu einer stillosen Parodie oder einem pathetischen Machwerk werden können, wenn nicht Terry Zwigoff (Crumb, 1994 und Ghost World, 2000) die Regie übernommen hätte. Mit einem tollen Ensemble und treffsicheren Pointen rettet er Weihnachten.

Der versoffene Willie T. Stokes (Billy Bob Thornton) und sein kleinwüchsiger Kompagnon Marcus (Tony Cox) haben zur Weihnachtszeit nur eines im Sinn: Kaufhäuser ausrauben. Seit Jahren spielen sie zur heiligen Zeit Santa Claus und seinen Elf, um sich Zugang zu den Shopping Malls zu verschaffen. Doch als Willie den zurückgebliebenen übergewichtigen Jungen Thurman (Brett Kelly) und die gleichwohl lüsterne wie lebensbejahende Bardame Sue (Lauren Graham) kennen lernt, verändert sich sein Leben dramatisch. Auf seine ganz eigene Art und um keinen Fluch verlegen beginnt er langsam, seine Rolle ernst zu nehmen. Aus dem Ausbeuter wird zusehends ein Weihnachtsengel.
Der Off-Erzähler ist ein klassisches Element von Märchen und Weihnachtsgeschichten. In Bad Santa gibt die Titelfigur selbst den Ton an: zynisch, nihilistisch und mit belegter Stimme konterkariert Billy Bob Thornton den gewohnten Erzählerkommentar. Das Vexierspiel von Altbekanntem in neuem Gewand ist eine der Stärken dieser eigentlich banalen Weihnachtsgeschichte. Kultregisseur Terry Zwigoff (Crumb, 1994 und Ghost World, 2000) erzählt sie in atemberaubendem Tempo und mit einem phänomenalen Gespür für Timing. Die Pointen aus den Federn von Glenn Ficarra und John Requa sitzen, vorgetragen vom brillant harmonierenden Ensemble, dem neben den Hauptdarstellern noch Bernie Mac und der vor einem Jahr verstorbene John Ritter angehören. Dank dieser Zutaten entwickelt sich der Film zur kurzweiligsten Weihnachtsgeschichte seit Menschengedenken.
Filmkritik von Sascha Keilholz
Veröffentlicht am 12.11.2004
Kommentare zu Bad Santa
Martin Z. 03.12.2011 17:24
Wenn sie mit dem ganzen Gefühlsrummel um Weihnachten nichts anfangen können, werden sie wahrscheinlich diesen Film lieben. Es ist der Anti-Weihnachtsfilm schlechthin. Der Weihnachtsmann hier ist ein Gangster, der sein Kostüm nutzt um einen Bruch zu machen. Damit verdient er seinen Lebensunterhalt. Er säuft und flucht und treibt es mit Frauen. (Hier besonders mit Gilmore Girl Lauren Graham). Er hat keine Manieren und keine Disziplin. Außer der Deko im Kaufhaus und der Musik (Dean Martin, Bing Crosby) erinnert nur das rote Kostüm des Titelhelden (Billy Bob Thornton wie immer mit reglosem Gesichtsausdruck) an die besondere Jahresendzeit. Es kommt keine Feststimmung auf, sondern ein humorvoller Plot bietet lockere Unterhaltung. Die Wortwahl des Weihnachtsmannes ist nicht immer jugendfrei: er redet schon mal von seinem ’Saftschwengel’, nennt die Bedienung eine ’Arschgöttin’ oder wirft seinem Kumpel vor ’Er stinke, wie ein Penner am Sack.’ Beim Teilen der Beute stellt sich bei den Gangstern die Frage ’Klunker oder Bunker?’
Gerade als der anfängliche Schwung etwas zu erlahmen droht, gibt es einige makabre Scherze und das Ganze steuert dann auf ein nicht ganz ernst zu nehmendes groteskes Ende zu, das man aber durchaus akzeptieren kann. Alles ist ja schließlich nur ein Scherz, der dazu dienen soll dieses ganze emotionale Gulasch aus Lichterglanz, Tannenbaumromantik und Konsumzwang durch den Kakao zu ziehen. Und das ist gelungen!
Hinterlassen Sie hier Ihre Meinung oder Anmerkungen zu Bad Santa. Kommentare werden in der Regel innerhalb eines Tages freigeschaltet.
Kommentar schreiben
Blog: Berlinale im Dialog

Verfolgen Sie das Festivalgeschehen der Berlinale auch im deutsch-französischen Berlinale-Blog des DFJW auf critic.de/berlinale-im-dialog
Film-Angaben
Titel: Bad Santa
USA 2004
Laufzeit: 92 Minuten
Regie: Terry Zwigoff
Drehbuch: Glenn Ficarra, John Requa
Produktion: John Cameron, Sarah Aubrey, Bob Weinstein, Lloyd Levin
Darsteller: Billy Bob Thornton, Tony Cox, Lauren Graham, Brett Kelly, Bernie Mac, John Ritter
Kinostart: 18.11.2004
DVD-Angaben
Titel: Bad Santa
Vertrieb: Columbia Tristar Home Entertainment
Bild: 1,85:1, 16:9
Sprache(n): Deutsch (DD 5.1), Englisch (DD 5.1)
Untertitel: Deutsch, Englisch, Englisch für Hörgeschädigte, Hindi, Türkisch
Altersfreigabe: ab 12 Jahren
Spieldauer: 95 Minuten
Extras: Zusätzliche Tonspur: Englisch für Sehbehinderte; Die besten Versprecher; Entfallene Szenen; Filmdokumentation; Trailer
Verleih ab: 10.05.2005
Verkauf ab: 07.06.2005
Copyright Bad Santa
Fotos: © Columbia Tristar
BERLINALE 2012

Unser Special zur Berlinale 2012 - mit Kritiken, Empfehlungen und Trailern. www.critic.de/berlinale/
Berlinale 2012: Empfehlungen
Filmempfehlungen für Forum, Forum Expanded und Panorama der 62. Internationalen Filmfestspiele Berlin. weiter
Berlinale: Kritiken
Barbara
R: Christian Petzold
Revision
R: Philip Scheffner
Caesar Must Die
R: Paolo Taviani, Vittorio Taviani
Death for Sale
R: Faouzi Bensaïdi
Aujourd'hui
R: Alain Gomis
Extrem laut und unglaublich nah
R: Stephen Daldry
Leb wohl, meine Königin!
R: Benoît Jacquot
Neu im Kino
09.02.2012
Die Unsichtbare
R: Christian Schwochow
Der Junge mit dem Fahrrad
R: Jean-Pierre Dardenne, Luc Dardenne
Hugo Cabret
R: Martin Scorsese
In Darkness - Eine wahre Geschichte
R: Agnieszka Holland
Black Gold
R: Jean-Jacques Annaud
02.02.2012
Moneyball
R: Bennett Miller
Die Summe meiner einzelnen Teile
R: Hans Weingartner
Underworld Awakening
R: Måns Mårlind, Björn Stein
Dame, König, As, Spion
R: Tomas Alfredson
Demnächst im Kino
Gefährten
R: Steven Spielberg
Extrem laut und unglaublich nah
R: Stephen Daldry
Don 2
R: Farhan Akhtar
Take Shelter - Ein Sturm zieht auf
R: Jeff Nichols
Shame
R: Steve McQueen
Beauty
R: Oliver Hermanus
Barbara
R: Christian Petzold
Das Turiner Pferd
R: Béla Tarr
Der Schnee am Kilimandscharo
R: Robert Guédiguian
Viva Riva
R: Djo Munga
Kaddisch für einen Freund
R: Leo Khasin
Der Preis
R: Elke Hauck
Young Adult
R: Jason Reitman
Der perfekte Ex
R: Mark Mylod
Der König von Bastøy
R: Marius Holst
Kill Me Please
R: Olias Barco
Martha Marcy May Marlene
R: Sean Durkin
Das Leben gehört uns
R: Valérie Donzelli
UFO in Her Eyes
R: Xiaolu Guo
Beloved
R: Christophe Honoré
The Yellow Sea
R: Na Hong-jin
Leb wohl, meine Königin!
R: Benoît Jacquot
Neu auf DVD
Crazy, Stupid, Love.
R: Glenn Ficarra, John Requa
Sieben Tage Sonntag
R: Niels Laupert
Boardwalk Empire Season 1
R: Timothy Van Patten, Allen Coulter ...
Aktuell im TV
Cincinnati Kid
So 12.02, 20:15 Uhr, arte
Neandertal
So 12.02, 20:15 Uhr, kultur (ZDF digital)
L.A. Confidential
Nacht von Mo auf Di, 13.02-14.02., 02:00 Uhr, arte
Im Schatten
Di 14.02, 20:25 Uhr, 3Sat
Hotel Ruanda
Nacht von Di auf Mi, 14.02-15.02., 00:15 Uhr, BR








1 Kommentar