Auf halbem Weg zum Himmel – Kritik

Ein Dorf in Guatemala trotzt allen Schikanen und kämpft ums Recht.

Auf halbem Weg zum Himmel

„Wenn ich die Idee und den Sinn meines Kampfes verliere, war der Kampf umsonst“, so begründet ein Guatemalteke die Rückkehr aus Mexiko 1993 in sein zerstörtes Dorf in Guatemala. Doch nichts ist vorbei, nichts ist vergessen. Als die heimgekehrten Exilanten sich aufmachen, ein neues Dorf zu errichten, für einen Neuanfang, für eine neue Heimat in der alten Heimat, bekommen sie Besuch. Ungeladene Gäste bewaffnet mit Gewehren am Tag der Einweihungsfeier: wieder Soldaten.

Der Dokumentarfilm Auf halbem Weg zum Himmel beschönigt nichts. Die Kamera hält drauf: Aufgeschossene Schädel, Gliedmaßen, die Farben des Schreckens: grau, rot, schwarz; Knochen, Blut, verbrannte Haut. Die Kamera hält drauf: Bewohner erzählen von ihrem Kampf, von ihrer Verzweiflung, Tränen fließen.

Auf halbem Weg zum Himmel

Diesmal beschließen die Bewohner zu bleiben, sie klagen ihr Recht ein. Sie ziehen vor Gericht und von den, laut Film, 651 Massakern, die die Guatemalteken in 36 Jahren Bürgerkrieg erleiden mussten, wird dieses das erste, dem gerichtlich nachgegangen wird. Die Guatemalteken bestehen auf ihr Recht. Sie bestehen darauf, dass man die Leichen zur Autopsie bringt, als man ihnen sagt, sie sollen sie einfach verscharren, sie bestehen darauf, dass alles protokolliert wird, um klagen zu können. Im Exil haben sie sich geschult, so erzählt einer der Bewohner, haben Kurse besucht, jetzt kannten sie ihre Rechte. Darauf, dass die Befunde und Protokolle aus den Akten fallen und verschwinden, haben sie leider keinen Einfluss.

Auf halbem Weg zum Himmel

Auf halbem Weg zum Himmel nutzt alle gegebenen Mittel: Fernsehaufnahmen, Interviewmaterial, Handkameras, um der Geschichte auf den Grund zu gehen. Dass darunter die Bildqualität teilweise leiden muss, ist verständlich und stört keineswegs. Wünschenswert wären Hinweise auf die globalen Bezüge, auf die signifikante Rolle der USA in der guatemaltekischen Geschichte. Das Leid dieser Menschen kann nicht losgelöst von diesem Kontext erzählt werden. Dem Film allerdings geht es nur peripher um ihr Leid. Es geht um ihren Erfolg und ihre Entschlossenheit, um ihren Kampf und Trotz – das ist das Besondere an Auf halbem Weg zum Himmel. Diesen Kampf führt das Dorf mit dem Namen „Die Morgenröte des 8. Oktober“ in der Tat allein und losgelöst vom globalen Kontext. Der Kampf ums Recht ist auch hier asymmetrisch.

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