Atash - Durst – Kritik

Durst nach Wasser, Freiheit und Begierde hat eine palästinensische Familie im selbst auferlegten Exil. Für sein beeindruckendes Familiendrama hat Tawfik Abu Wael 2004 in Cannes den Preis der Kritiker erhalten.

Atash - Durst

Seit Jahren lebt eine palästinensische Familie im Niemandsland auf einem verlassenen israelischen Truppenübungsplatz. Luxus ist ihnen fremd, durch die Einschusslöcher in den bröckelnden Mauern der Betonbaracken weht Wind. Die Familie überlebt durch Holzkohle, die sie in der Einöde herstellt und an die Dörfer verkauft. Vor elf Jahren hat die älteste Tochter die Familie entehrt – sie wurde vergewaltigt. Anstatt seine Tochter zu töten, wie es die Tradition verlangt, ist der Vater mit der Familie ins Exil gegangen. Seither verbietet der Patriarch seiner Frau und den beiden Töchtern jeglichen Kontakt zur Außenwelt. Nur der jüngste Sohn darf ins Dorf, um zur Schule zu gehen. Das Exil versucht der Vater mit dem Bau einer Wasserleitung zu festigen, die aber von mysteriösen Kräften zerstört wird. In der Familie erwacht unterdessen der Durst nach Freiheit und eine Revolte bahnt sich an.

In langen Einstellungen und beeindruckenden Cinemascope-Bildern erzählt der Regisseur sein Familiendrama, das 2004 in Cannes den Kritikerpreis erhielt. Die intensive Bildsprache bildet einen Kontrast zu der Enge und Gefangenheit der Familie in der trostlosen Landschaft. Tawfik Abu Wael ist Teil einer neuen Generation palästinensischer Kulturschaffender, die in ihren Werken nicht vordergründig den Nahostkonflikt behandeln wollen, sondern einen innerperspektivischen Blick auf die Gesellschaft bevorzugen. In seinem Film Atash spürt man die Anwesenheit des Konfliktes, thematisiert wird er allerdings nicht. Die typischen Symbole fehlen. Doch gerade der genaue Blick auf aufbrechende, patriarchale Familienstrukturen macht diesen Film zu einem nachdenklich stimmenden und unsentimentalen Erlebnis.

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