Astronaut Farmer – Kritik

Ein Mann muss tun, was ein Mann tun muss: Im Fall von Charles Farmer heißt das, in einer selbstgebauten Rakete einmal die Erde zu umrunden. Über die Tatsache, dass so etwas nur mit Unterstützung der Familie gelingen kann, haben Michael und Mark Polish einen holprigen Wohlfühlfilm gedreht.

Astronaut Farmer

Der amerikanische Traum in Form einer naiven, in gutem und menschenfreundlichem Sinne vorangetriebenen Idee ist nirgendwo so wirksam auf Zelluloid gebannt worden wie in den Filmen von Frank Capra. Stets verfolgen die Helden darin ein Vorhaben von einiger Relevanz. In Ist das Leben nicht schön? (It’s a Wonderful Life, 1946) zum Beispiel den Traum günstiger Hausbau-Kredite für Arbeiterfamilien, in Mr. Smith geht nach Washington (Mr. Smith goes to Washington, 1939) den einer idealen Demokratie. In Astronaut Farmer, dem neuen Film der Zwillingsbrüder Michael und Mark Polish, verfolgt der Protagonist auch einen Traum. Leider einen vollkommen bescheuerten.

Charles Farmer (Billy Bob Thornton), dessen Name auch gleichzeitig sein Beruf ist, hat es sich in den Kopf gesetzt, eine Rakete zu bauen und ins Weltall zu fliegen. Dafür wird seine gesamte Familie eingespannt. Die kleinen Töchter bekommen ihre Pfannkuchen in Planetenform serviert, der halbwüchsige Sohn managt Ground Control in einem alten Wohnwagen, und die Ehefrau (Virginia Madsen) hält alles irgendwie zusammen.

Astronaut Farmer

Das erste Bild des Films zeigt Farmer im Raumanzug auf einem Pferd, seine Viehherden begutachtend. Es ist ein schönes Bild, das auf einige genresprengende Momente hoffen lässt, auf einen Film voller stutzig machender Merkwürdigkeiten. Es stellt sich aber heraus, dass der reitende Astronaut in einem Wes-Anderson-Film (siehe  Wes-Anderson-Special) besser aufgehoben wäre. Nur in einer leicht neben der Realität angelegten Welt könnte die Geschichte des Raketen bauenden Landwirtes funktionieren. Die Polish-Brüder scheinen jedoch nicht daran interessiert zu sein, liebevoll skurrile und detailliert ausgearbeitete Charaktere zu kreieren. Stattdessen wird nur eine Botschaft transportiert, die da heißt: Gemeinsam schaffen wir alles! Oder so ähnlich.

Die hoch gehaltenen Familienwerte sind aber nicht - und da liegt der entscheidende Unterschied zu Capra - in den Handlungen zu erkennen. Im Gegenteil, was Farmer da treibt, hat längst die Grenze zur Psychose überschritten, auch wenn Thornton der Figur mit seinem charismatischen Phlegma eine gewisse Würde verleiht. In Wahrheit jedoch bringt er seine Angehörigen in finanzielle und physische Gefahr, ohne mit der Wimper zu zucken. Das alles, wie gesagt, um einmal die Erde von oben sehen zu können. Virginia Madsen muss fürchterlich oft das Wort „family“ aussprechen, damit klar ist, wie sehr hier alle zusammenhalten.

Astronaut Farmer

„If we don’t have our dreams, we have nothing”, lautet der zentrale Satz. Farmer sagt ihn, als die Behörden die Rakete in seiner Scheune entdecken und ihm tatsächlich - man stelle sich diese staatliche Bevormundung vor - verbieten wollen, sie zu benutzen. Die Konfrontation mit der Staatsmacht ist in ihrer forcierten Komik vielleicht noch das Beste an dem ansonsten traurig schlecht ausgearbeiteten Drehbuch.

Man kann Astronaut Farmer gutwillig als Märchen betrachten und ihm seine fast schon pornographisch zur Schau gestellte Naivität verzeihen. Aber es fällt schwer, das zu tun, weil der Film mehr und mehr zu einer Karikatur - wohlgemerkt: keiner Satire - des klassischen amerikanischen Du-kannst-es-schaffen-Dramas wird. Selbstironie gibt es darin nicht, dafür aber viel Geigenmusik und eine Veranda in der Abendsonne.

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Kommentare


Sabine

Liebevoll: Billy Bob Thornton glaubt an das Unmögliche und macht es möglich. Der Film zeigt, wie essentiell Träume besonders in unserer heutigen Gesellschaft sind. Und darüber hinaus wird nicht ohne einige Spitzen die derzeitige Politik der USA aufs Korn genommen. Unterhaltsames Kino mit sympathischer Besetzung! Nicht nur für Visionäre...






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