Assault on Precinct 13 – Anschlag bei Nacht – Kritik

Ein abgeschiedenes East-Los-Angeles-Polizeirevier im Bezirk 13 wird Schauplatz eines an Rio Bravo (1959) angelehnten Showdowns zwischen dem absolut Bösen und dem zwiespältigen Rest.

Assault on Precinct 13

Der Eisverkäufer hat dem Mädchen die falsche Vanillesorte verkauft. Sie kehrt mit ihrer Kugel zurück zum Eiswagen, wo sie den Tod findet. Ihr Vater richtet den Mörder und flüchtet vor dessen Kumpanen in ein abgelegenes Polizeirevier, das kurz vor seiner Schließung steht. Völlig apathisch und traumatisiert kann er sich den wenigen Menschen im Innern des Gebäudes nicht mitteilen. Doch es dauert nicht lange, bis die brutale Gang vor den Türen auftaucht. Sie fordert nicht nur den Kopf des Mannes, sie will ein Blutbad an allen Leuten im Revier 13 anrichten. Lieutnant Bishop entlässt die Gefangenen Wilson und Wells aus ihren Zellen, um gemeinsam mit ihnen und drei weiteren Beamten den Kampf aufzunehmen.

Hitchcock hatte gegenüber Truffaut geäußert, er würde kein Kind mehr in einem Film umkommen lassen, wie er es in Sabotage (1936) tat. Die amerikanische Zensur hätte so etwas lange Zeit auch nicht zugelassen, ehe Arthur Penns Bonny and Clyde (1967) und die Filme Sam Peckinpahs die visuellen Codes änderten. In William Friedkins French Connection (1971) stirbt eine unschuldige Passantin mit Kinderwagen anstelle des beschossenen Popeye Doyle. Collateral Damage. Als John Carpenter fünf Jahre später Assault on Precinct 13 in die amerikanischen Kinos bringen wollte, drohte ihm wegen des Kindstodes am Eisstand das kommerziell vernichtende X-Rating. Es ist vermutlich diese Szene, die den Film besonders populär gemacht hat, die aber vor allem Ausdruck seiner erstaunlichen Rigorosität ist. Assault steht vor allem für zwei Dinge: Minimalismus und Kompromisslosigkeit. Die Dialoge, die Beleuchtung, die Settings, das Personal, die Musik – alles ist sparsam eingesetzt.

Carpenter orientiert sich an den Western Howard Hawks’ und Sergio Leones. Die Ausgangssituation ist simpel: Polizisten töten im Einsatz ein Gangmitglied. Dessen Kameraden schwören Rache, töten skrupellos. Bishop ist für alle im Polizeirevier Befindlichen verantwortlich, muss sie auf Leben und Tod gegen die Aggressoren verteidigen. Dabei braucht er tatkräftige Unterstützung und findet diese ausgerechnet in dem abgebrühten Schwerverbrecher Napoleon Wilson.

John Carpenter: Assault – Anschlag bei Nacht

Der dunkelhäutige Staatsbeamte und der hellhäutige Staatsfeind müssen sich zusammenraufen wie Sidney Poitier und Tony Curtis in Stanley Kramers The Defiant Ones (1958). Ethische Gegensätze lösen sich genauso auf, wie die klaren Trennlinien zwischen Gut und Böse. Auch die Gangmitglieder setzen sich aus Süd-, Mittel- und Nordamerikanern zusammen. Sie agieren nicht wie eine moralisch zu richtende Größe, vielmehr wirken sie wie Zombies, die sich in stetig anwachsender Masse vor dem Gebäude zusammenfinden und blutdürstig töten. Sie sind die entindividualisierte Masse und sterben als solche. Während der Schießereien in der Polizeistation sieht man nicht einmal das Gesicht eines sterbenden Verbrechers. Sie haben keine persönliche Geschichte. Anders bei ihren Opponenten, deren Tod jeweils individuell in Szene gesetzt ist. Allerdings spielt auch ihre Genese keine Rolle. Bishop wird an diesem Tag ins Revier beordert, mehr erfährt man nicht über ihn. Auch Wilsons Vorgeschichte, die Hintergründe seines legendären Rufes und das Geheimnis seines Spitznamens Napoleon bleiben im Dunkeln. All dies ist nicht nötig im existentiellen Kampf. Andeutungen während der Feuerpausen genügen.

Nach seinem Kinodebüt Dark Star aus dem Jahr 1974 legte John Carpenter mit Assault den Auftakt einer Reihe beeindruckender Filme nach, die sich allesamt auf die Wirkungsweisen des klassischen Hollywoodkinos bezogen, in unterschiedlichsten Genres jedoch eine ganz eigene, raue Handschrift erkennen ließen. Nach dem ebenfalls für seinen Musikeinsatz und die Scream-Queen Jamie Lee Curtis berüchtigten Halloween (1978), lernte der Regisseur bei seiner TV-Version der Elvis-Biographie den Schauspieler Kurt Russel kennen, mit dem er die Klassiker Die Klapperschlange (Escape from New York, 1980) und Das Ding von einer anderen Welt (The Thing, 1982), erneut das Remake eines Hawksschen Werkes, realisierte. Mittlerweile wurde sein eigener Film zur Vorlage eines Remakes gewählt. Doch gerade im direkten Vergleich mit der schnöden Kopie verfestigt sich der Eindruck des zeitlosen individuellen Klassikers.

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Kommentare


Mucksi

Assault Anschlag bei Nacht ist ein spitzen Film
von John Carpenter, nicht nur die gelungene
Filmmusik begeistern, sondern auch die bewusst
düstere Atmosphäre machen den Film noch spannender packender als erohnehin schon ist!






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