Arschkalt

Herbert Knaup als frustrierter Ex-Unternehmer, der unter der Vergletscherung seiner Gefühle leidet: André Erkaus Komödie über die moderne Arbeitswelt hält kaum, was der Titel verspricht.

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„Manchmal wünschte ich mir, ich wäre ein Fischstäbchen. Früher oder später würde ich in der Pfanne landen, aber bis dahin hätte ich wenigstens meine Ruhe.“ Tiefkühlkost-Lieferant Berg ist fertig mit seinem Leben. Eigene Firma weg, Frau weg, ein erniedrigender Job. Und dem todkranken Papa im Altenheim muss er auch noch ständig die Komödie vorspielen, dass alles in Ordnung sei.

Wie schon in seinem Debüt Selbstgespräche (2007) siedelt Regisseur André Erkau die Geschichte von Arschkalt in der für Arbeitnehmer zunehmend absurder werdenden Welt des Dienstleistungsgewerbes an. Das ist in Zeiten von Burnout, Generation Praktikum und Globalisierung sicher ein ehrenwertes Thema. Wenn man wirklich etwas dazu zu sagen hat und es nicht komplett verschenkt wie hier. Denn Arschkalt ist alles andere als mit „eisig trockenem Humor“ inszeniert, wie der Verleih den Film bewirbt.

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Im Gegenteil: Betont gefühlig geht es zu. Berg wird mit Moerer ein Kollege ins Führerhaus des Kältetransporters gesetzt, dessen einzige dramaturgische Aufgabe es ist, den Stinkstiefel aus seiner Lethargie zu reißen. Gespielt wird die Figur von Johannes Allmayer aus Vincent will meer (2010), und an ihr manifestiert sich das große Problem von Arschkalt: das ungenau geschriebene Drehbuch, das nur auf Effekt aus ist, ohne wenigstens den Versuch zu unternehmen, etwas Substanzielles zu erzählen. Moerers Figur bleibt völlig schwammig. Sie muss nur niedlich wirken, lebensbejahend sein, ohne Kontext Dinge sagen wie: „Die Welt ist so geilo! Alles ist möglich!“. Auch Bergs neue Chefin – gespielt von der Niederländerin Elke Winkens – entpuppt sich als süßes Meisje, das nur darauf wartet, sein großes Herz zu zeigen. Und so lösen sich alle vom Drehbuch aufgeworfenen Probleme in einer Harmoniesuppe auf, deren Genuss offenbar als Medizin für alle von den Härten des Berufslebens gebeutelten Zuschauer dienen soll. Gegen diese Verlogenheit kann selbst ein in der Porträtierung von Misanthropen so versierter Darsteller wie Herbert Knaup nicht anspielen.

Hinzu kommt, dass Arschkalt einfach nichts im Kino zu suchen hat. Hier ist nichts genuin filmisch erzählt, sondern orientiert sich allein an den Präsentationsmodi einschlägiger TV-Filme. Jedes Gefühl, jede Handlung wird in Dialogen ausbuchstabiert, bis zum letzten erklärt und ausgewalzt. Und Bergs immer wieder eingeschobene, anfangs noch leidlich witzige philosophische Kommentare werden zum Zeichen der Unzulänglichkeit: Was die Kamera nicht in der Lage ist zu zeigen, wird ins Off ausgelagert.

Trailer zu „Arschkalt“


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Kommentare


Mo

Bravo! Perfekt auf den Punkt ausformulierte Kritik an diesem so langweiligen und uninspirierten Film, den ich mir nie angeschaut hätte, wenn er mir nicht in einer Sneak vorgesetzt worden wäre.


Claudia Willich

Das Thema des Filmes und die Darstellung (z.b. keine Gewalt- keine Sexszenen usw)haben mich zum Nachdenken über alltägliche Begebenheiten,angeregt und viele menschliche Regungen gezeigt, die von den Kritikern nach meiner Meinung, aus welchen Gründen auch immer, verdrängt werden müssen.


Tobias

der film hat mehr tiefe als der kritiker je in seinem leben erfahren wird. so leid es mir tut. die kritik ist völlig am film vorbei.

man sollte ihn gesehen haben und sich sein eigenes bild machen. in meinen augen eine ganz große schauspielerische leistung von allen beteiligten. super besetzung. sehr humorvoll und immer wieder kurze denkpausen, die zum nachdenken anregen. einer der besten deutschen filme, der trotz augenscheinlich trister handlung sehr zu überzeugen weiß.


Fusion

Danke für die Kritik - sehr treffend :-) Ich habe die Kritiken der größeren Pbublizisten zu diesem Film betrachtet. Dabei ist mir immer wieder derselbe Gedanke durch den Kopf gegangen: Von was bitteschön erzählen die meisten da? Da wird dem Film eine nicht vorhandene Tiefe zugeschrieben und typisch deutscher TV-Humor und Klischee-Aneinandereihungen werden in höchsten Tönen gelobt..

Sind die alle bestochen??????????

Weiter so!!






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