Armored

Mit seinem dritten Film erweist sich Nimród Antal als Klassizist und setzt dem Jungskino Hollywoods einen dezidierten Männerfilm entgegen.

Armored

„Es gibt keine bösen Jungs. Nur uns.“ Dieser Satz fällt früh in Nimród Antals drittem Film Armored, und spätestens zu diesem Zeitpunkt ist der weitere Verlauf des Geschehens eigentlich klar. Ein Verbrechen ohne Opfer soll es wieder einmal sein, eine Clique von Freunden, die das perfekte Ding drehen will. Sie arbeiten als Wachmänner für bewaffnete Geldtransporte und planen, mittels eines vorgetäuschten Überfalls eine besonders große Beute von gut 42 Millionen Dollar verschwinden zu lassen. Bis zu einem gewissen Punkt läuft alles wie geplant, doch natürlich gibt es einen Zeugen, natürlich kommt Gewalt ins Spiel, natürlich entzweit sich die Gruppe daran. Es ist nicht das Was, das zählt in Armored, es ist eher das Wie.

Es gibt einen klar zu benennenden Moment, in dem sich herauskristallisiert, dass dies ein guter Genrefilm ist: Nach einem gut halbstündigen, äußerst bedächtig – um nicht zu sagen: ein wenig langatmig – arrangierten Auftakt geht plötzlich alles ganz schnell: Die Zeit, die Antal braucht, um vom scheinbar reibungslosen Ablauf zur vollständigen Eskalation zu gelangen und eine Frontlinie durch die Clique seiner Protagonisten zu ziehen, ist in Sekunden zu bemessen, und angesichts des gemächlichen Auftakts wirkt diese rapide Beschleunigung umso nachdrücklicher. Der Rest des in 88 Minuten angenehm knapp gehaltenen Thrillers wirkt dann absolut ökonomisch.

Armored

Freilich wäre eine Rezension von Armored schon allein mit einer Aufzählung der zahllosen Vorbilder von Antals heist movie zu füllen. Schon die Grundidee des Films, einen blutig scheiternden Überfall als Kammerspiel in Scope-Bildern zu erzählen, greift überdeutlich auf Quentin Tarantinos Reservoir Dogs (1992) zurück. Im Gegensatz zu diesem enthält sich Antal jedoch erfreulicherweise jeglicher Selbstreflexivität und sucht somit eher Anschluss an eine Genretradition vor den in der letzten Dekade endgültig über Gebühr strapazierten postmodernen Genrespielereien.

Damit wird er dann eher einem anderen, weitaus weniger beachteten Werk der Früh-90er verwandt: Walter Hill erzählte in Trespass eine ähnlich aus Momenten des Belauerns und Belagerns gespeiste Geschichte als Pastiche aus Motiven von Howard Hawks und John Huston. Wo Hill diese klassischen Motive allerdings mit einer überaus gegenwärtigen Ästhetik zwischen Hip-Hop und Handkamera zusammenführte und im Ergebnis seiner Zeit eher voraus war, ist Antal im Grunde durch und durch Klassizist.

Armored

Bereits sein erster großer Film, der irgendwo zwischen Richard Kelly und Aki Kaurismäki irrlichternde Budapester U-Bahn-Thriller Kontroll, legte nahe, dass Antal zuvorderst in der gekonnten, manchmal genialischen Variation bekannten Materials reüssieren könnte, und sein Hollywood-Debüt Motel (Vacancy, 2007) erwies sich dann endgültig als vollkommen uneigenständiges, aber von Meisterhand inszeniertes Genrekino.

Armored

Einen Schritt nach vorn stellt Armored, im Vergleich zu Motel, für Antal nicht dar: Die schlüssige Inszenierung des Raumes, das Verschieben seiner Protagonisten und das Durchspielen unterschiedlicher Konstellationen im Raum, all das gelang ihm im früheren Film doch um einiges glaubwürdiger. Die Eleganz in der Inszenierung ist eher einer gröberen Herangehensweise gewichen, die zu den hier verhandelten Themen auch ganz gut passt. Wo schließlich Motel die Geschichte eines Paares erzählte, ist dies hier eindeutig schwitzendes, ölverschmiertes Männerkino. Und da es derlei kleine, toughe, unprätentiöse Genrethriller im Hollywood des postspielbergianischen Jungskinos eigentlich gar nicht mehr gibt, gebühren ihm für diesen konsequenten formalen Minimalismus bereits Respekt und Sympathie.

Trailer zu „Armored“


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Kommentare


unHOLYdoNUTS

Leider kann ein noch so schöner Genrefilm trotz aller gelunger stilistischer Meistergriffe nicht gut sein, sollte die Logik abhanden kommen:
Das endlose Jagen des Verräters ergibt schon nach der Materialschlacht mit den beiden Panzerwagen abhanden, weil spätestens ab da nachprüfbar wäre, dass es kein wirklicher Überfall war. Der Film steigert sich in eine wilde Hetzjagdt hinein bei der leider die Grundidee eines guten Plans verkommt.

Wer nur Wert auf Action legt, viel Spaß, aber nicht nachdenken bitte.


music non stop

@unHOLYdoNUTS
absolut richtig und der Faktor Zeit spielt, nach der anfänglichen Hektik, plötzlich eine untergeordnete Rolle.....abgesehen davon, so ein hochdotierten Transport, muß sich erst nach einer Stunde in der Zentrale melden und jene Kontrolleinrichtung hat an diesem so eminent wichtigen Tag offensichtlich besseres zutun, als die Transporte permanent mittels Gps, das trotz des Funklochs natürlich immer noch funktioniert, zu überwachen etc.etc.

Mein persönliches Fazit

Zeitverschwendung!!






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