Animals in Love – Kritik

Ist Liebe ein rein menschliches Phänomen? Die französische Natur-Dokumentation Animals in Love schaut sich in der Tierwelt nach Antworten um.

Animals in Love

Vögel sind spätestens seit Alfred Hitchcocks gleichnamigem Horror-Klassiker von 1963 fester Bestandteil der Filmgeschichte. Doch Vögel können weit mehr als nur Tippi Hedren angreifen. Sie sind die Hauptdarsteller in Animals in Love (Les Animaux amoureux) von Laurent Charbonnier, der bereits als Kameramann von Nomaden der Lüfte (Le Peuple migrateur, 2001) so manchen Ornithologen beglückte.

Vögel zählen – was das Paarungsverhalten betrifft – zu den spannendsten Vertretern der Fauna. Sie plustern ihren reichen Federschmuck auf, stellen farbig schillernde Füße und Hautsäcke zur Schau, singen Tag und Nacht ihr Lied – und alles, um einen Partner anzulocken. Vor allem aber führen sie während der Balz die seltsamsten Tänze auf, die geradezu professionell choreographiert wirken, zumal sie oft von Paaren in nahezu perfekter Symmetrie präsentiert werden.

Animals in Love

Der Mensch jedoch ist ein Tier, das sich in Natur-Dokumentationen für gewöhnlich lieber Säugetiere anschaut – vorzugsweise mit viel Fell und großen Augen. Nackte Vogelbabys, denen die Mutter eine hervorgewürgte Raupe mehrfach ein- und ausführt, passen nicht in das ästhetische Beuteschema des herkömmlichen Jägers und Sammlers von niedlichen Tierbildern. Zwar entlocken die amüsanten Bemühungen des Federviehs dem Publikum so manchen Lacher. Doch auf die Dauer ermüden die zahllosen Variationen sich ähnelnder Aufnahmen selbst den geneigten Betrachter.

Angesichts des spärlichen Anteils von Säugetier-Darstellungen sind die Filmplakate geradezu irreführend, mit sich scheinbar küssenden Kängurus oder kuschelnden Giraffen und Elefanten locken sie den Zuschauer ins Kino, wo dann fast ausschließlich Vögel gezeigt werden. Auch der Titel des Films wirkt etwas unpassend: Schließlich findet (glücklicherweise) keine Anthropomorphisierung animalischen Verhaltens statt. In die Triebe der Tiere wird nicht das menschliche Phänomen der Liebe projiziert. Auf jegliche verkitschende Romantisierung der natürlichen Arterhaltung wird verzichtet. Allerdings macht es dann keinen Sinn, von „verliebten“ Tieren zu sprechen.

Animals in Love

Warum dieser Film auf die große Leinwand soll, bleibt größtenteils ein Rätsel. Monumentale Bilder, die nur im Kino ihre ganze Wirkung entfalten, gibt es – anders als in Deep Blue (2003) oder Unsere Erde (Earth, 2007) – kaum. Auch inhaltlich unterscheidet sich Animals in Love wenig von TV-Dokus: Zur Abwechslung von den zahlreichen Vogelschwärmen gibt es maximal ein paar Löwen und Elefanten zu sehen – das bietet aber eben auch jede Reportage im Nachmittagsprogramm der öffentlich-rechtlichen Sender. Ein wenig mehr Mut zu Überraschungen hätte dem Schauwert von Animals in Love gut getan.

Doch das größte Problem des Films ist weniger die Unterrepräsentation der natürlichen Artenvielfalt zugunsten der Vogelkunde als die Art der gewählten Inszenierung. Neben wenigen verstreuten und zudem wolkig-lyrischen Worten gibt es keinerlei Kommentar. Kaum einmal weiß der Zuschauer, welches Tier er sieht, wo dieses vorkommt – und vor allem: was es einzigartig macht, was an seinem (Paarungs-)Verhalten besonders ist. Animals in Love verzichtet ganz bewusst genau auf das, was die meisten Tierdokumentation erst spannend macht: Informationen. Ohne solche kontextuellen Einordnungen sind einige Szenen in ihrer Bedeutung nur zu erschließen, wenn man sich schon vor dem Film mit Verhaltensweisen von Tieren auskennt. Ansonsten bleibt dem Zuschauer hier nur das reine Betrachten – sehen ohne zu verstehen, ohne Neues zu erfahren.

Animals in Love

Stattdessen gibt es nur einige Melodien des Star-Komponisten Philip Glass zu hören, die aber arg konventionell an die Dramaturgie angepasst sind und uneinprägsam vor sich hin plätschern. Und selbst der mögliche Vorzug dieser an Fakten armen, rein sinnlichen Darstellungsweise wird verschenkt. Die Freude am Betrachten mag sich nicht so recht einstellen, denn Charbonnier setzt auf Quantität anstelle von Qualität: Statt sich einzelnen Tieren ausführlich zu widmen, scheint der Film vom Ehrgeiz beseelt, möglichst viele Vogelarten zu zeigen. Daher wird alle paar Sekunden geschnitten, ungewöhnlich oft und rasch für eine Dokumentation. So wirken die hastig zwischen den Kontinenten hin und her springenden Einstellungen oft beliebig aneinander montiert – und bestärken den bereits vom Mangel an Informationen genährten Eindruck der Oberflächlichkeit. Einzig die in unterschiedliche Blöcke eingeteilten Verhaltensmuster (Partner-Werbung, Rivalitätskämpfe, Paarung, Jungen-Aufzucht) stiften Sinneinheiten.

Im Gegensatz etwa zu Unsere Erde, der sich bemühte mit wissenschaftlichen Argumenten von der Notwendigkeit des Naturschutzes zu überzeugen, will Animals in Love „mit dem Herzen“ sehen (Saint-Exupéry). Wenn wir zwei Orang-Utans beobachten, die zärtlich mit den Fingern des jeweils anderen spielen, gelingt einmal ein atmosphärisch stimmiges Bild, das seine Wirkung auf den Zuschauer nicht verfehlen dürfte. Diese Emotionalisierung ist es denn auch, die der Film offensichtlich anstrebt – aber nur selten erreicht.

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