Angry Monk - Eine Reise durch Tibet – Kritik

Der Schweizer Luc Schaedler sucht in seiner Dokumentation die wichtigsten Lebensstationen des tibetanischen Mönchs und Querdenkers Gendun Choeppel auf.

Angry Monk - Eine Reise durch Tibet

Immer wieder versuchen sich Filme dem Mythos Tibet anzunähern. Besonders in den neunziger Jahren kam es mit Werken wie Little Buddha (1993), Kundun (1997) und Sieben Jahre in Tibet (Seven Years in Tibet, 1997) im Westen zu einer regelrechten Modewelle des tibetanischen Buddhismus. Während sich amerikanische Stars wie Madonna und Richard Gere als Buddhisten outeten, wurde Tibet zunehmend als Synonym für Ursprünglichkeit und Frieden vermarktet. Dass diese Sichtweise auf einem verkitschten Mythos beruht, der mit der Realität wenig zu tun hat, schien dabei unerheblich.

Der schweizerische Filmemacher Luc Schaedler bedient sich in Angry Monk - Eine Reise durch Tibet (Angry Monk - Reflections on Tibet) ganz bewusst nicht dieser Romantisierung und konzentriert sich stattdessen auf die im Westen noch unbekannteren Facetten des Landes. Im Mittelpunkt seines Films steht die Biografie des 1903 geborenen Mönchs Gendun Choephel, der sich im Laufe seines Lebens immer mehr vom eisernen Traditionalismus seines Glaubens distanzierte und sich für eine Öffnung gegenüber anderen Ländern und modernen Entwicklungen aussprach. Der auch als Schriftsteller und Maler tätige Choephel war durch seinen Kontakt mit Ausländern, seine Reisen und seinen ausufernden Lebensstil bei Zeitgenossen natürlich umstritten.

Angry Monk - Eine Reise durch Tibet

Angry Monk folgt den wichtigsten Stationen in Choephels Leben und zeichnet mithilfe von Archivaufnahmen, Interviews mit Historikern, Freunden und Verwandten, Tagebucheintragungen sowie Bildern aus dem heutigen Tibet die Lebensgeschichte eines Außenseiters nach. Zwar unterscheidet sich die Zusammenfügung dieser verschiedenen Ebenen formal nur unwesentlich von thematisch vergleichbaren Fernsehdokumentationen, jedoch gelingt dem Film über weite Strecken die Dekonstruktion im Westen verbreiteter Klischees. Die bemerkenswertesten Bilder sind dabei beiläufige Momentaufnahmen aus dem heutigen Tibet. Bilder, die zeigen wie sich Tibeter bei der Fußballweltmeisterschaft über die Niederlage der Chinesen freuen oder Szenen des nächtlichen Treibens in Lhasa nehmen zwar nur geringen Raum ein, besitzen aber eine Note des Unverbrauchten.

Dass Angry Monk durchaus auch Längen hat, liegt sowohl an seinem enormen Informationsgehalt, als auch an der strikt linearen Erzählstruktur, die dem Ganzen eine allzu didaktische Note verleiht. Vielleicht ist der Film trotz seines ambitionierten Vorhabens damit im Fernsehen besser aufgehoben. Eine vierzig Minuten kürzere Fassung ist jedenfalls bereits in Planung.

 

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