American Splendor – Kritik

American Splendor ist die Verfilmung des Lebens von Harvey Pekar, der durch seine autobiografischen Comics zum amerikanischen Antihelden und zur Kultfigur der Undergroundszene wurde. Dem Regieduo Shari Springer Berman und Robert Pulcini ist dabei eine mehrfach ausgezeichnete Mischung aus interessantem Spielfilm und informativer Dokumentation über den neurotischen Comic-Autor gelungen.

American Splendor

„That’s my perspective: gloom and doom.“ so rechtfertigt sich der echte Harvey Pekar in einem der eingearbeiteten Interviews für seine pessimistische Weltsicht, denen er in den Siebziger und Achtziger Jahren mittels Comic-Heften Ausdruck verlieh. Harvey (gespielt von Paul Giamatti) arbeitet als Archivar in einem Krankenhaus in Cleveland und kann sich nach seiner zweiten Scheidung nur noch am fanatischen Sammeln von alten Jazzplatten und Comics erfreuen. Sein Leben gleicht seit Jahren einer täglichen Wiederholung und gerade daher rührt die zynische Art des cholerischen Neurotikers. Beherrscht von dem Gedanken, eines Tages zu sterben, ohne dass sich jemand an ihn erinnern wird, versucht Pekar die kleinen Katastrophen, die sein Dasein begleiten, zu meistern, bis er eines Tages auf den Comic-Zeichner Robert Crumb (James Urbiniak) trifft, der vor allem durch seine Fritz the Cat-Comics berühmt wurde.

Der echte Pekar, der den Film auch als Off-Stimme begleitet, beginnt die scheinbar belanglosen Episoden seines Lebens schonungslos aufzuzeichnen. Gepaart mit den Illustrationen von Crumb bilden diese die Basis der American Splendor-Comics. Dabei setzt sich der von realistischer Literatur begeisterte Harvey in den Mittelpunkt einer scheinbar banalen und gerade dadurch so komischen Welt von sich stapelndem Abwasch, Supermarktschlangen und merkwürdigen Arbeitskollegen (großartig: Judah Friedlander als autistischer Grenzfall Toby Radloff).

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Durch sein Doppelleben als Comicfigur lernt er Joyce Brabner (Hope Davis) kennen, die ihm als Fan schreibt, und ihn um eine vergriffene Ausgabe bittet. Sie heiraten in kürzester Zeit und obwohl der unattraktive Anti-Held zu einer kleinen Berühmtheit avanciert, bleibt der große Reichtum aus. Dieser Umstand zwingt ihn weiterhin im Krankenhaus Akten zu sortieren, was ihn zu neuen Geschichten inspiriert. Und so befindet sich der verbitterte Angestellte wieder in einer Schleife, die erst durchbrochen wird, als Harvey an Krebs erkrankt und soweit ist, sich aufzugeben. Seine Frau überzeugt ihn, mit ihr ein Comic-Buch über sich und seine Therapie zu machen. Der Cartoonist Fred (James McCaffrey), der in einer zerrütteten Ehe lebt und deshalb öfters seine Tochter Danielle (Madylin Sweeten) in die Obhut des Paares gibt, unterstützt das Projekt mit seinen Zeichnungen. Pekar besiegt den Krebs und das in dieser Zeit entstandene Buch Our Cancer Year wird zu einem von Kritikern gelobten Erfolg. Danielle gefällt es bei ihrer neu gewonnen Familie so gut, dass Joyce und Harvey sich entscheiden, sie zu adoptieren, wodurch endlich Joyces Kinderwunsch in Erfüllung geht, welcher ihr bisher durch die Vasektomie ihres Mannes verwehrt blieb. Der Film begleitet das Leben des Harvey Pekar bis zu dem Tag seiner Pensionierung im Jahr 2001.

American Splendor

Dem verheirateten Regiepaar, das bisher nur für seine Dokumentationen (Off the Menu: The last Days of Chasen´s, 1998) bekannt war, gelang eine intime Aufzeichnung der Höhen und Tiefen einer ungewöhnlichen Biografie, welche durch die Spielfilmszenen, Interviews und vor allem den gut integrierten Original-Aufnahmen, die aus Archivmaterial und neuen Aufnahmen der Haupt-Charaktere bestehen, zu einem überzeugenden Film zusammensetzen. So sieht sich Joyce zum Beispiel die echten Ausschnitte der David Letterman Show, bei der ihr Mann zu Gast war, im Fernsehen an. Immer wieder werden der echte Pekar und seine Spielfilm-Kopie mit dem aus den Comic-Heften geschickt zusammen- und in einander geschnitten. Dadurch wirkt der Film selbst oft wie ein Comic, jedoch nie überzogen, oder gar überzeichnet.

Harvey Pekar, der echte, sowie die nahe Verkörperung von Paul Giamatti, der in Betty Thomas Verfilmung des Lebens von Radio-Moderator Howard Stern Private Parts (1997) und als Bob Zmuda in Milos Formans Man on the Moon (Der Mondmann, 2000) schon Erfahrung mit der Darstellung nicht-fiktiver Charaktere sammeln konnte, schafft es schnell, mit seiner merkwürdigen Art zu begeistern und zu unterhalten.

American Splendor ist ein witziger, teils tragischer Film, der in keinster Weise nur ein Comic-begeistertes Publikum anspricht, da er eine außergewöhnliche Lebensgeschichte in filmisch überzeugender Form erzählt. Bemerkenswert ist dabei vor allem die gelungene Verschmelzung der dokumentarischen und filmischen Elemente, die den beim Sundance Festival mit dem Preis der Grand Jury ausgezeichneten Film so sehenswert macht.

 

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