Aloha – Die Chance auf Glück – Kritik

Empfindsam wie ein Viereck: Cameron Crowe verwechselt die Romantik mit bloßer Geometrie.

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Liebesgeschichten im Kino müssen mit Sicherheit nicht auf Glaubwürdigkeit setzen, aber sie sollten glaubwürdig sein. Die romantischen Investitionen der Figuren müssen sich irgendwie lohnen, nicht für die Beziehung, die sie anvisieren, sondern für das Affektgeschehen bis dahin: Die Affekte sind das Kapital der investierenden Akteure. Die x-beliebige Schnulze weiß das und weiß das vor allem umzusetzen. Amors Pfeile, um das einmal ganz romantisch zu denken, werden im Kino sichtbar: Sie schießen vom einen Gesicht ins andere; der Mund verzieht sich ins Lächeln, der Blick wandert auf den Boden – ganz egal: Der Pfeil muss sitzen! Dass in Aloha derart viel daneben geschossen wird, verwundert angesichts der doch eigentlich sehr talentierten Schützen Emma Stone, Rachel McAdams und Bradley Cooper. Sicher gibt es hier ein Problem mit der Schauspielführung Cameron Crowes, denn er hat kein Konzept und er hat – viel schlimmer noch – kein wirkliches Interesse an seinen eigenen Figuren; aber im Wesentlichen hat er ein Problem mit der Glaubwürdigkeit, und damit ist nicht gemeint, dass der reichste Mann der Welt (Bill Murray) eine mit Bomben bestückte Rakete ins All schießen lässt (was dieser seltsame Einfall soll, versteht kein Mensch – aber das ist auch egal).

Super, super good!

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Da sind nun zwei Frauen und zwei Männer: Brian (Cooper) und Tracy (McAdams) waren früher mal ein Paar, Woody (John Krasinski) ist Tracys Neuer und Allison (Stone) findet Brian gut. Das Drama dieses Vierecks besteht darin, dass in ihm nicht das geringste Chaos waltet. Crowe ist im Grunde den gesamten Film über damit beschäftigt, diese Eckpunkte auszuloten, sein eigenes Viereck zu verstehen, anstatt darin mal die Bombe platzen zu lassen und das Kreuzfeuer der Affekte loszulassen. Am Ende rückt er dann die Dinge nur an ihrem eigenen Platz zurecht. Nichts ist aus der Ordnung gebrochen, was man wieder zurücksortieren könnte: Zwischen Tracy und Brian herrscht die ganze Zeit über nur fade Distanz und traurige Keuschheit, Allison kann gerade so ihre Exaltiertheit ablegen, wenn es mal ernst wird, und Woody lernt ein bisschen mehr zu sprechen. Alles ist und war und wird – in den Worten Brians – „super, super good“. Zwischen den beiden Frauen besteht im Grunde gar nichts, erst recht kein Konflikt (wären sie nur wenigstens nur BFFs geworden – aber auch das nicht) und zwischen den Männern herrscht ein wortloses Einverständnis darüber, dass man Buddy ist, und darüber, wie sich die Frauen sinnvollerweise aufteilen lassen. Eine Szene gegen Ende des Films zeigt die beiden, wie sie über Schulterklopfer kommunizieren; die Untertitel liefern den begrifflichen Inhalt zu ihren äffischen Gesten: Das ist nicht nur altbackener Humor, das ist im Kern schon unwitzig.

Geometrie der Romantik

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Aloha ist angesichts dieser Statik, dieser Unlust am Krach und der Bewegung überhaupt, nicht nur konservativer als viele andere Filme, deren romantisches Tohuwabohu schlicht und einfach nach der Ehe giert, er ist vor allem gerade wegen dieser Nicht-Dynamik ein Liebesfilm, der an die Liebe gar nicht glaubt. Dass alle Beteiligten das, was sie am Ende untereinander aufteilen und womit sie glücklich in die Ewigkeit steuern, schon sehr viel früher haben hätten können, ist kein Problem für den romantischen Film. Im Gegenteil: Viele Filme funktionieren so und sie funktionieren wunderbar. Dass dieses Problem aber zum Problem wird, ist das Problem: das Problem der Glaubwürdigkeit. Es geht nicht um Psychologie, nicht darum, ob es glaubhaft ist, dass Tracy jemanden liebt, den sie gar nicht liebt; es geht darum, dass Crowe der Liebe die Eigengesetzlichkeit, die Eigenzeit, den Eigensinn aberkennt. Sie überfällt nicht, sie trifft nicht, sie schiebt sich nicht dazwischen, sie macht sich nicht breit, bei ihm wird sie ausgesprochen, durchdiskutiert, sie wird in die Struktur gepresst, in den Verlaufsplan, wird gedeckelt, sie bekommt einen externen Sinn (den Sinn der Familie etwa), ja, sie macht am Ende so wunderbar einschläfernd Sinn. Crowe verwechselt die Romantik mit der Geometrie, oder positiv formuliert: Aloha ist so romantisch wie ein Viereck.

Ein gescheitertes Musical

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Unglaubwürdig ist Aloha aber zusätzlich noch als Musical. Singer-Songwriter säuseln zwar pausenlos ihre Weisheiten auf die Leinwand, und Hawaii – der Ort im Übrigen, an dem dieses ganze Gestolper stattfindet und an dem irgendwann auch Alec Baldwin ins Bild stolpert, ganz als hätte er seit Pearl Harbor (2001) sein Büro nicht verlassen – ist im Grunde eine einzige harmonisch orchestrierte Idylle. Getanzt wird aber dann doch nur wieder Richtung Bodenhaftung, wie es Allison einmal mit geschmeidigen Handbewegungen vorführen wird. In ihrem adretten Matrosenoutfit (Marineuniform) sieht sie zudem so aus, als würde sie gleich auf ein Pappmaché-Schlachtschiff steigen und von dort aus trällernd herunter salutieren – sie tut es aber leider doch nie. Aloha als gescheitertes Musical zu sehen, führt vielleicht am deutlichsten vor Augen, was diesem Film am meisten fehlt: Elan, Dynamik, Bewegung überhaupt. Immerhin gibt es einmal eine schöne Szene, sie führt ganz weit weg, ins All, die Musik spielt völlig verrückt und es macht endlich mal Boom!

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