Alles erlaubt - Eine Woche ohne Regeln – Kritik

Von spätpubertären Ehemännern: In ihrem neuesten Komödien-Streich ergründen die Farelly-Brüder das Ego amerikanischer Ehemänner um die vierzig – mit den üblichen derben Zoten und einer erstaunlich konservativen Moral.

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Rick (Owen Wilson) ist glücklich verheiratet und lebt mit seiner wunderbaren Frau Maggie (Jenna Fisher) und seinen Kindern im amerikanischen Wohlstandsidyll. Es fehlt ihm eigentlich an nichts. Grund genug, den Blick verklärend in die Vergangenheit zu richten, als er noch ungebunden war, jung und muskulös und natürlich der ganz große Frauenheld. Selbstverständlich liebt er seine Frau und seine Kinder, aber spätestens bei den juvenilen Prahlereien beim Kartenspiel mit seinen Kumpels zeigt sich, dass er sich nach einer Freiheit zu sehnen glaubt, die ihm die Ehe vermeintlich nimmt? Auch Ricks Kumpel Fred (Jason Sudeikis) leidet an dieser Art Vergangenheitsverklärung.

So haben die beiden zum Beispiel zunehmend ausgefeilte Techniken entwickelt, anderen Frauen unbemerkt hinterherzuschauen, ohne dass die eigene etwas merkt. Wie häufig im wahren Eheleben sind jedoch auch im Farelly-Film die Frauen ihren Männern haushoch überlegen: Maggie und Freds Frau Grace sind das spätpubertäre Gehabe leid, zumal sie befürchten, dass die unausgelebten Fantasien ihrer Männer das eheliche Miteinander auf Dauer stören könnten. Und so folgen sie dem höchst unkonventionellen Rat einer befreundeten Starpsychologin und erteilen ihren Männern einen Freibrief, für eine Woche zu tun und zu lassen, was und mit wem sie wollen: eine totale Auszeit von der Ehe.

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Für sich genommen könnte dies der Ausgangsplot für eine großartige, temporeiche Komödie sein, denn Peter und Bob Farelly sind bekannt dafür, grenzwertig derben Ekelhumor erfolgreich mit romantischen Elementen zu verbinden. Schon in ihrer ersten gemeinsamen Regiearbeit für die große Leinwand, dem genrefesten Idioten-Klamauk Dumm und Dümmer (Dumb and Dumber, 1994), zeigten sie einen Hang zur temporeichen Low-Level-Komik an der Schmerzgrenze. Das spätere, nicht minder erfolgreiche Ben-Stiller- und Cameron-Diaz-Vehikel Verrückt nach Mary (There’s Something About Mary, 1998) gilt heute als ein Höhepunkt im Schaffen des Regie-Duos.

In ihrer mittlerweile zehnten gemeinsamen Leinwandarbeit liegen die Dinge etwas anders – der Anspruch in den zugrunde liegenden Konflikten ist ernster geworden. Schon in ihrer letzten Komödie Nach 7 Tagen – Ausgeflittert (The Heartbreak Kid, 2007) versuchten sich die Farellys am Thema Ehe – dort lieferte die Angst vor der dauerhaften Bindung den Treibstoff des Films. In Alles erlaubt – Eine Woche ohne Regeln gilt der Blick der umgekehrten Versuchsanordnung: Wie steht es um die Reife eines Familienvaters, wenn er von der Leine gelassen wird, wenn er einen Dispens von Treue, Verantwortung und ehelichen Pflichten erhält?

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Doch für eine rasante Komödie zum Thema gehören nicht nur Tempo und Irrwitz, sondern auch eine mächtige Portion Respektlosigkeit im Umgang mit der Institution Ehe selbst. Und gerade hier fehlt Alles erlaubt jeglicher Biss. Als ob den Autoren der Mut zum Hinterfragen bürgerlicher Konventionen fehlte, gerät die Versuchsanordnung zur bloßen Nummernrevue, an der jede peinliche Situation in erprobter Manier – derb, zotig und klamaukig – abgearbeitet wird: Mann ist hier vor allem zunächst nur großspuriger Maulheld, dem in Wahrheit bereits der Mut zum Konventionsbruch fehlt. So wird das groß angekündigte Die-Sau-Rauslassen größtenteils zum Desaster. Erst als sich die Strohwitwer professionelle Hilfe von Oberaufreißer, Frauenchecker und Partylöwen Coakley (großartig gespielt von Richard Jenkins) einholen, bieten sich reale Chancen zur Verwirklichung ihrer Fantasien, die jedoch schlicht an der Feigheit der Möchtegernaufreißer scheitern. Ganz einer traditionellen Werteordnung verhaftet, wird diese Feigheit zudem in moralische Tugendhaftigkeit umgedeutet, wodurch der Film im Fazit zu einer wertkonservativen Fürsprache für die Ehe gerät.

Ein wenig mehr Spielraum gewährt der Film den Ehefrauen: Auch sie sind in ihrem selbstgewählten Pseudo-Singledasein nicht gefeit vor Avancen diverser attraktiver Männer, denen sie zum Teil allein schon aus dem Umstand erliegen, sich wieder begehrt zu fühlen. So gibt sich Grace (Christina Applegate) durchaus – wenn auch sofort reumütig – dem außerehelichen Sex mit einem jugendlichen Baseballspieler hin, und Maggie ertappt sich bei dem Gedanken, dass der Freibrief eigentlich nicht für ihren Mann, sondern für sie selbst bestimmt sein könnte. Bemerkenswert ist hier, dass im postulierten Wertekanon den Ehefrauen offensichtlich mehr Ausbruch aus dem Alltag zugedacht und zugetraut wird als den damit völlig überforderten Männern. Mit dieser Reverenz an das weibliche Publikum ist jedoch das Reservoir an Konventionsbrüchen bereits erschöpft.

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Fast im Gegensatz zu dieser betulichen Familienfilmattitüde steht der Humor der Farellys. Denn dieser ist erwartungsgemäß gewöhnungsbedürftig und grenzwertig und wird hier nach dem Motto „je heftiger, desto besser“ auch schonungslos eingesetzt: Der Hang zum Fäkalwitz füllt hier bildlich ganze Wände und will sich nicht so recht zur wertkonservativen Aussage des Film fügen, wodurch das dramaturgische Konzept von Alles erlaubt schlichtweg aus den Fugen gerät. Regelmäßig ließ sich das in früheren Filmen der Farellys ertragen, sofern Gagdichte, Spaß am Destruktiven, Schadenfreude und Geschwindigkeit kaum Zeit für Kontemplation gleich welcher Art beim Zuschauer zuließen. Doch in diesem Fall sind die derben Zoten recht übersichtlich angeordnet, und die Erzählung schreitet derart dynamikfrei vor sich hin, dass sich der Zuschauer den nächsten Gag geradezu herbeiwünscht, egal wie geschmacklos er sein mag.

Sicherlich, in Alles erlaubt kann – je nach Humorverständnis – auch herzhaft gelacht werden. Von der Hochform früherer Komödien sind die Farelly-Brüder jedoch weit, weit entfernt.

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