Alien: Covenant

Im zweiten Prequel zur Alien-Reihe lässt Ridley Scott Männer gebären und erteilt Kolonialisten einen Denkzettel. Die überraschendste Entscheidung ist aber wohl, dass er einen Maschinen-Herrenmensch ins Zentrum der Erzählung rückt. 

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Ohne Sigourney Weaver als Officer Ripley wäre die Alien-Reihe undenkbar. Dafür hat diese ernste, immer etwas maulfaule und unerschrocken kämpferische Figur das Franchise zu sehr geprägt – und ist ihren Widersachern dabei nicht nur physisch so nahe gekommen, dass die Filme weit über einen bloßen Kampf zwischen Gut und Böse hinausgehen. Als Ridley Scott 2012 mit Prometheus im gleichen Erzähluniversum eine neue, früher angesiedelte Geschichte begann, stellte sich sofort die Frage, welcher Schauspieler diese Lücke schließen könnte. Da gab es zwar Noomi Rapace, die durchaus eine gute Figur machte und in der spektakulärsten Szene des Films eine Abtreibung an sich selbst durchführte, aber allein gelang es ihr nicht, das Prequel zu tragen. Und auch Michael Fassbender als Android David, der schon aufgrund seiner Natur nur ein sehr begrenztes Repertoire an menschlichen Regungen zur Verfügung hat, wollte mit seiner distinguierten Art irgendwie nicht so recht in diese Welt passen. Zu sehr drängte sich die Tatsache auf, dass er mit früheren Artgenossen wie Ian Holm und Winona Ryder nicht mithalten konnte – und kaum Potenzial hatte, den Film mit Leben zu füllen.

Ein Wagnis von einem Film

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Wenn in Alien: Covenant nun die Geschichte von Prometheus weitergesponnen wird, haben wir es zunächst wieder mit einer Heldin zu tun, die Ripleys Erbe antreten muss. Doch Katherine Waterston wirkt ein bisschen zu sehr auf ihre Rolle als Witwe reduziert und verschwindet während des Mittelteils dann auch noch fast vollständig von der Bildfläche. Scott geht also zweifellos ein Wagnis ein, wenn er seinen neuen Film fast komplett auf Fassbender zuschneidet – und zu den Klängen von Richard Wagners „Einzug der Götter in Walhall“ in eine neue, ungeahnte Richtung schickt.

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Wenn Fassbender gerade nicht auf der Leinwand zu sehen ist, wirkt Covenant wie eine routinierte, dabei aber durchaus effektive Variation auf das Erfolgsrezept des Franchises. An Deck des titelgebenden Raumschiffs befindet sich ein wild durcheinander gewürfelter Haufen, der mit tausenden eingefrorenen Embryonen im Gepäck einen neuen Planeten kolonialisieren will. Dabei sind zwar nicht alle Figuren so markant wie der Komiker Danny McBride, aber es entsteht innerhalb der Crew doch ein produktives Spannungsverhältnis zwischen Glaubensfragen, Machtspielen und persönlichem Verlust. Als das Raumschiff auf einen scheinbar lebenstauglichen Planeten trifft, der abgesehen von seiner schwarzen Wolkendecke wie ein unberührtes Naturparadies aussieht, glauben die Mitglieder, eine neue Heimat gefunden zu haben. Dass dieser Planet von Aliens verseucht ist, merken sie erst, als es schon zu spät ist. Dabei setzt Scott immer wieder auf schnell getaktete Actionszenen, in denen es stets darum geht, sich entweder nicht mit dem tödlichen Virus anzustecken, den Aliens zu entkommen oder sie irgendwie aus dem Raumschiff zu bekommen.

Verjüngungskur im B-Movie-Modus

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Und dann ist da eben Fassbender, beziehungsweise sogar zwei Fassbender. Einer von ihnen heißt Walter, wirkt für einen Androiden ungewöhnlich menschlich und dient der Crew. Der andere – David aus dem ersten Teil – wohnt auf dem Alien-Planeten, gibt sich hilfsbereit und verständnisvoll, ist tatsächlich aber das genaue Gegenteil davon. Bereits die antike Ruine, in der er haust, ist eine Hochburg des Camps. Zurückgezogen in einer Höhle lebt er zwischen Tierzeichnungen, spielt versunken auf einer Keramikflöte oder zitiert mit reichlich Pathos in der Stimme Percy Bysshe Shelley. Schon früher hat es die Reihe zu großen Themen (Mutterschaft, Fortpflanzung) hingezogen, nun darf aber alles noch ein paar Nummern größer sein (Schöpfung, Evolution). Schon der Prolog, der von Davids Genesis und den existenziellen Fragen des Lebens erzählt, ist so dick aufgetragen, dass es unvermeidbar scheint: Scott muss mit seinem populärphilosophischen Frontalangriff eine Bauchladung hinlegen. Letztlich ist es aber gerade das Krude und unverhohlen B-Moviehafte an Alien: Covenant, mit dem sich die Reihe einer Verjüngungskur unterzieht.

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In feministischen Kreisen erfreuen sich die Alien-Filme bekanntlich großer Beliebtheit. Das hat vor allem damit zu tun, dass darin eine Frau auf Augenhöhe mit Männern kämpft, aber auch mit einer Symbolik, die eng mit dem weiblichen Körper verknüpft ist. Covenant geht nun noch einen Schritt weiter und stellt die binäre Geschlechterordnung auf den Kopf. Während er die Heldin und das gefräßige Alien-Muttertier aus dem Zentrum rückt, widmet er sich einem zwitterhaften Androiden, der zugleich größenwahnsinniger Faschist und fürsorgliche Mutter ist. Vereint werden diese gegensätzlichen Bestrebungen in der Schöpfung einer neuen Alien-Rasse. So wie die Menschen David einst nach ihrem eigenen Bild erschaffen haben, nähert er die mörderischen Kreaturen dem Menschen an – nicht, in dem er sie etwa empathischer werden lässt, sondern indem er sie aufrecht laufen lässt.

Dr. Mengele im Wilden Westen

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Dass es für die Entstehung von neuem Leben nicht zwangsläufig eine Mutter braucht, verwundert im Zeitalter von künstlicher Befruchtung und Embryonenforschung kaum. Doch Covenant sträubt sich noch radikaler als das restliche Franchise gegen biologische Gesetze. Diesmal sind es fast nur Männer, die von den Aliens penetriert, infiziert und somit auch befruchtet werden, um schließlich in einem tödlichen Prozess die kleinen Monster auf die Welt zu bringen. Und dort, wo die Geburt nicht nur ein schöpferischer, sondern mindestens genauso ein zerstörerischer Akt ist, muss man sich nicht wundern, wenn ein blondierter, ordentlich gescheitelter Maschinen-Herrenmensch eine Evolution beschleunigt, die die Vernichtung der Menschheit zum Ziel hat.

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So gut Covenant als Genrefilm funktioniert, so reich sind auch die Subtexte, die in ihm schlummern. Da werden nicht nur heteronormative Regeln ausgehebelt, sondern auch noch ein bisschen Kolonialismuskritik betrieben. So gibt es auf der einen Seite Siedler, die sich wie im Wilden Westen Hoffnung auf ein neues Leben machen – und dann ironischerweise auf einem unbewohnbaren Planeten landen –, und auf der anderen einen Dr.-Mengele-Verschnitt, der mit seiner Horde Aliens selbst koloniale Bestrebungen verfolgt. Gerade im Hinblick auf solche Gedankenspiele ist es interessant zu sehen, wie es Ridley Scott gelingt, mit einer Filmreihe, die schon längst in die Formelhaftigkeit abgerutscht sein könnte, noch einmal neues Terrain zu betreten.

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