Alfie

  • Kritik

  • Trailer
  • Bilder
  • Kinoprogramm
  • TV

Als ein Europäer in New York tritt Jude Law in die Fußstapfen von Michael Caine und spielt die Titelrolle des modernen Casanova Alfie. Der Regisseur Charles Shyer machte für sein Remake Konzessionen an das Unterhaltungskino, dennoch scheiterte der Film an den US-Kassen.

Alfie

Mit der Titelrolle in Alfie stellt sich Jude Law der Herausforderung einen Schuft zu spielen, der sich mit zynischen Kommentaren, in einer direkten Adressierung, dem Zuschauer schonungslos öffnet. Alfie weiß, worauf es bei Frauen ankommt: „face, boobs, bum“. Mit seinem Lebensstil offenkundig zufrieden, scheint Alfie aber bisweilen eine innere Leere zu spüren, die er mit immerneuen Abenteuern zu verdrängen sucht. Am Ende wird ihm der Selbstbetrug bewusst und er zieht ein bitteres Resümee: „I don’t have peace of mind. And if you don’t have that, you’ve got nothing.“

Diese Zeilen wurden nicht von den Drehbuchautoren Elaine Pope und Charles Shyer verfasst, sondern stammen aus der Feder des Bühnenautors Bill Naughton, der auch das Drehbuch für die 1966er Verfilmung seines Stückes schrieb. Michael Caine spielte die Titelfigur in dieser Filmversion, die in deutschen Kinos als Der Verführer läßt schön grüßen lief. Der Remake erfahrene Regisseur Shyer (Vater der Braut, Father of the Bride, 1991), verlegt den Stoff aus dem London der swinging sixties in das hippe Manhattan der Gegenwart.

Alfie

Wo sich das Original noch die notwendige Erzählzeit nahm, Afies Entwicklung vom blinden Egoisten zum selbstreflektierten Pessimisten zu zeichnen, passen Pope und Shyer die Figur einem schnelllebigeren Erzählfluss an. So werden Alfies Schicksalsschläge abgemildert oder gänzlich entfernt: Im Remake hat Alfie weder eine langwierige Krankheit noch kennt er den nachhaltigen Schmerz der Trennung von seinem Sohn, den er in Naughtons Fassung über einen längeren Zeitraum mit aufgezogen hat. Der Verzicht auf den gewagten, weil gänzlich undramatischen, dramatischen Höhepunkt des Originals, eine illegale Abtreibung in Alfies Apartment, ist hingegen der Verlegung des Stoffes in die Gegenwart geschuldet.

Shyers Alfie erscheint weniger tragisch, was letztlich dazu führt, dass Jude Laws Version des Resümees, trotz seiner bemerkenswerten schauspielerischen Leistung, einen moralinsaueren Beigeschmack bekommt.

Filmkritik von David Gaertner

Veröffentlicht am 05.03.2005

Kommentare zu Alfie

Es gibt bisher noch keine Kommentare.

Hinterlassen Sie hier Ihre Meinung oder Anmerkungen zu Alfie. Kommentare werden in der Regel innerhalb eines Tages freigeschaltet.

Kommentar schreiben

*
*
*


*

Kommentare der Nutzer geben nur deren Meinung wieder. Durch das Schreiben eines Kommentars stimmen sie unseren Regeln zu.

Blog: Berlinale im Dialog

Berlinale im Dialog

Verfolgen Sie das Festivalgeschehen der Berlinale auch im deutsch-französischen Berlinale-Blog des DFJW auf critic.de/berlinale-im-dialog

 
 

Film-Angaben

Titel: Alfie

USA, Großbritannien 2004

Laufzeit: 103 Minuten

 

Regie: Charles Shyer

Drehbuch: Elaine Pope, Charles Shyer, Bill Naughton

Produktion: Bill Naughton, Charles Shyer

Darsteller: Jude Law, Marisa Tomei, Susan Sarandon, Omar Epps, Jane Krakowski, Sienna Miller, Nia Long

 

Kinostart: 10.03.2005

 

Weitere Filme

... mit Jude Law

Hugo Cabret
USA 2011
Von Martin Scorsese

Contagion
USA 2011
Von Steven Soderbergh

Repo Men
USA 2010
Von Miguel Sapochnik

... mit Marisa Tomei

The Ides of March - Tage des Verrats
USA 2011
Von George Clooney

Crazy, Stupid, Love
USA 2011
Von Glenn Ficarra, John Requa

Der Mandant
USA 2011
Von Brad Furman

 

Links

Alfie auf moviepilot

IMDB-Eintrag zu Alfie

 

Copyright Alfie

Fotos: © UIP

 

Neue Kritiken

alle neuen Kritiken

 

Neueste Kommentare

 

Christoph Terhechte: abhängig, ohne Verpflichtungen

Interview mit Christoph Terhechte, Leiter des Forums der Berlinale. weiter

 

Überlebensstrategien im Japan der Nachkriegszeit

Retrospektive des japanischen Filmemachers Kawashima Yuzo im Forum auf der Berlinale 2012. weiter

 

Boardwalk Empire

Die erste Staffel der HBO Serie auf DVD weiter