Akte X - Jenseits der Wahrheit

Fox Mulder und Dana Scully sind wieder auf der Jagd nach dem Übersinnlichen. Unter der Regie von Chris Carter, dem Schöpfer der Fernsehserie, ist ein Film entstanden, der zum Glück die große Geste des ersten Akte-X-Films von 1998 scheut.

Akte X - Jenseits der Wahrheit

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„Who believes this crap anymore?“ – Wer glaubt eigentlich noch an diesen ganzen Quatsch, fragt ein bärtiger Fox Mulder ziemlich zu Beginn, und die Frage stellt sich tatsächlich. Das Ende der Serie liegt sechs, der erste daraus hervorgegangene Kinofilm sogar zehn Jahre zurück. Mulder und Scully sind zwei Über-Stars der neunziger Jahre, und die Fernsehserie selbst, so innovativ sie damals war, wirkt im Vergleich zu heutigen Produktionen nicht mehr ganz so besonders.

Vieles ist anders: Der Vollbart, ein Kuss, und sogar ein mit Scully geteiltes Bett – aber es hängt immer noch dasselbe Poster über Mulders Schreibtisch. Das Foto eines vermeintlichen Ufos, unter dem mit großen Lettern „I want to believe“ geschrieben steht. So lautet auch die Unterzeile im Originaltitel des Films. Ufos jedoch, so viel, und nur so viel, sei verraten, kommen dieses Mal nicht vor. Das unterscheidet diesen zweiten grundlegend vom ersten Akte-X-Kinofilm, an dessen Ende sich ein riesiges Raumschiff aus dem arktischen Eis erhob. Der neue ist mehr Horrorgeschichte als Science Fiction, mehr Frankenstein als unheimliche Begegnung der dritten Art. Der in dem berühmten Plakat zitierte Glaube aber, und vor allem der unbedingte Wille dazu, ist das treibende Leitmotiv hinter der Handlung. Nur dass es nicht um die Existenz Außerirdischer geht, sondern um das sehr irdische Verlangen nach Wundern.

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Ausgerechnet die ewig skeptische, kühl-wissenschaftliche Scully arbeitet nun als Ärztin in einem christlichen Krankenhaus (schon im ersten ihr gewidmeten Bild hängt ein Kruzifix hinter ihr an der Wand, weitere werden folgen). Dort behandelt sie einen todkranken Jungen, für dessen Heilung sie gerne an ein Wunder glauben würde. Dass die brillante Ärztin es dann im Internet sucht und, als sie über eine Stammzellentheraphie nachdenkt, tatsächlich bei Google „stem cell therapy“ eintippt, als hätte sie zum ersten Mal davon gehört, ist einer jener zahlreichen albernen Drehbucheinfälle, die ein wenig den Spaß an dem ansonsten spannenden Thriller verderben.

Dazu gehört auch Ex-FBI-Direktor Skinner, Mulders und Scullys früherer Chef, der für einen völlig unmotivierten Kurzauftritt reaktiviert wird, vielleicht um den Fans doch etwas mehr Wiedererkennbares zu liefern als nur die paar Takte Musik aus der Titelmelodie. Ein Wiedersehen mit dem so charismatischen wie geheimnisvollen Kettenraucher gibt es hingegen leider nicht, wohl weil man im amerikanischen Kino heute kaum mehr raucht, aber vermutlich vor allem deswegen, weil er in der letzten Folge der letzten Staffel bei einem Hubschrauberangriff mitsamt seiner Hütte in die Luft gejagt wurde. Außerdem hatte er Lungenkrebs im Endstadium.

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Lungenkrebs spielt auch in Akte X - Jenseits der Wahrheit (The X-Files: I Want to Believe) eine Rolle. Ein katholischer, wegen Pädophilie verurteilter Priester (Billy Connolly) laboriert daran. Während er sich der Krankheit ergibt und sie als Sühne akzeptiert, führt der Kampf gegen den Tod an anderer Stelle zu menschengemachten Wundern, die doch nichts anderes sind als tödliche und kriminelle Hybris. Wo in diesem moralischen Koordinatensystem Scullys medizinisches Engagement festzumachen ist, lässt der Film klugerweise offen.

Der Priester jedenfalls hat Visionen, und wenn immer das FBI mit Visionen konfrontiert wird, holt es den vor Jahren geschassten Mulder zur Hilfe. Der lässt sich unter gutem Zureden von Scully aus seiner selbst gewählten Isolation in einem Hinterzimmer locken, wo er immer noch, wie damals in seinem Büro als Bundesagent, Zeitungsartikel ausschneidet und an die Wand heftet. Eine Agentin ist verschwunden, und der Priester kann einigermaßen glaubhaft  machen, er könne das Verbrechen vor seinem geistigen Auge sehen und bei der Suche nach der Frau helfen. Zum Beweis führt er ein ganzes Heer von Polizisten durch eine winterliche Landschaft zum ersten Puzzleteil dieses etwas verworrenen und stellenweise im wahrsten Sinne des Wortes kopflosen Abenteuers.

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Diese Szene, die statt eines Vorspanns den Look des Films für die weiteren 100 Minuten festlegt, gehört zu den stärksten Momenten. Der Schnee, der Wind, ein in Parallelmontage durch die Dunkelheit fahrendes Auto, dazu die unheimliche Musik: Atmosphärisch verspricht Akte X - Jenseits der Wahrheit eine ganze Menge, das dann auf der Handlungsebene leider nicht recht gehalten wird. Immerhin: Die Chemie zwischen Mulder und Scully, respektive David Duchovny und Gillian Anderson, stimmt auf der Leinwand noch immer. Endlich sind sie ein Paar. Und ist es nicht letztlich genau das, an was Fans der Serie schon immer unbedingt glauben wollten?

Filmkritik von Thorsten Funke

Veröffentlicht am 24.07.2008

Kommentare zu Akte X - Jenseits der Wahrheit

Maria 28.07.2008 10:27

Schade, dass es immer wieder Rezensenten gibt, die einen Film nur mit einem Auge sehen. Erstens tauchen sehr wohl Zigaretten auf, der lungenkranke Priester raucht fast in jeder Szene, in der er auftaucht. Zweitens suchte Scully bei google nicht nach der Therapiemethode, die war ihr schon vorher klar, wie man in den Diskussionen mit den anderen Ärzten bemerkt, sondern informiert sich über ethische Standpunkte, über die Diskussionslage.

Anna 28.07.2008 13:48

Kann mich meiner Vorrednerin nur anschließen; guckt ihr Kritiker den Film eigentlich überhaupt? Manchmal muss man sich das wirklich fragen. Da sind einige Fehler in dem Artikel. Ich musste lachen, dass keine Zigaretten vorkommen. Was raucht denn Father Joe im Film? Die meisten scheinen den Film nicht verstanden zu haben. Ständig kommen in der Kritiken Aliens vor - wenn man sich mal etwas genauer mit der Serie beschäftigt und das sollte man als Kritiker meiner Meinung nach, weiss man, dass Aliens eine Rolle gespielt haben aber das die Grundidee der Serie ein Konflikt zwischen Glauben uns Wissenschaft/Skepsis war. Das greift der Film wunderbar auf in den sich parallel zueinander stehenden Handlungssträngen. Zu schade, dass man heutzutage Filme nur noch oberflächlich guckt und große Spektakel oder dämliche Witze erwartet.

Frédéric 29.07.2008 15:13

Vielen Dank für die Hinweise. Wir haben den Fehler korrigiert.

Stephan 01.08.2008 11:12

Die Damen, sorry aber liest ihr die Kritik die ihr kritisiert? Da steht, dass im amerikanischem Kino KAUM mehr geraucht wird. Der Typ im Film ist ein Raucher, klar, aber Kettenraucher? Who knows.

Alexander Langer 03.08.2008 20:48

Mich hat es traurig gestimmt zu lesen, dass der Film wohl kaum wen in die Kinos lockt. Für mich war er wie eine Zeitreise in die 90er. Akte X war für mich und meine große Schwester ein Fixpunkt im Fernsehprogramm, wie es im Anschluss lange keinen mehr gab.
Den Film finde ich persönlich sehr gut. Er hätte sich damals auch gut als Doppelfolge gemacht. Rollen und Story sind dem alten Konzept treu geblieben und versuchen nicht mehr zu sein oder irgendwelchen Trends zu folgen.

Auch wer 05.08.2008 17:35

Schaut euch nicht den Film an es ist schad ums Geld.Nicht Gruslig und nicht spannend er hat auch keine gute handlung wen ihr euch spanende serien anschaun möchtet empefehle ich supernatural das ist witzig und spanend und die schauspiler sind hübscher als mulder und scully.

bennsen 13.08.2008 10:45

ich habe gestern den film im kino gesehen und war sehr enttäuscht!es ging im ganbzen film darum das eine fbi agentin verschwunden war-uhhhhhh wie spannend ;-) wenn man sich die guten folgen bis zur 7ten staffel anschaut sind da folgen dabei die diesen film 100 mal übertreffen!mulders stimme spricht jemand anders da hat mich auch richtig gestört,die nebenhandlung mit den jungen fand ich total langweilig und überflüssig genauso wie die ganze zeit diese langweilige schneekulisse-wie gesagt es gibt folgen die diesen filmm 100 mal übertreffen vom niveu und dem geistigen anspruch..während des films dachte ich-wie traurig hat chris keine ideen mehr für einen film?jeder eingefleischte ( ;-) ) akte x fan hätte hier einen besseren film auf die leinwand gebannt und einen spagat für neueinsteiger auf die leinwand zu bannen??aus meiner erfahrung weis ich das sich hauptsächlich nur fans von akte x den film anschauen die ''neuankömmlinge'' gehen eher in die zahlreichen anderen schwachsinnsfilme wie z.b.hanckok..man erwartet von einem kinofilm einer serie einfach was extrawagantes und seherisch hochwertiges und nicht so einen langweiligen kram "ohne spezialeffekte"bzw.irgendwas besonderes..der film gleicht einer folge aus der 9ten staffel und dafür ist das mkinogeld in einer der sieben ersten staffeln wesentlich besser aufgehoben-bekommt man zurzeit bei karstadt für 19.99 euro ;-)

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DVD von Akte X - Jenseits der Wahrheit

 

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Berlinale im Dialog

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Film-Angaben

Titel: Akte X - Jenseits der Wahrheit

Originaltitel: The X-Files: I Want to Believe

USA, Kanada 2008

Laufzeit: 105 Minuten

 

Regie: Chris Carter

Drehbuch: Frank Spotnitz, Chris Carter

Produktion: Chris Carter, Frank Spotnitz

Bildgestaltung: Bill Roe

Montage: Richard Harris

Darsteller: David Duchovny, Gillian Anderson, Amanda Peet, Billy Connolly, Xzibit, Callum Keith Rennie, Adam Godley, Mitch Pileggi

 

Kinostart: 24.07.2008

 

DVD-Angaben

Titel: Akte X – Jenseits der Wahrheit

Vertrieb: 20th Century Fox

Bild: 2,40:1, 16:9

Sprache(n): Deutsch (DD 5.1), Englisch (DD 5.1)

Untertitel: Deutsch, Englisch für Hörgeschädigte, Spanisch

Altersfreigabe: ab 16 Jahren

Spieldauer: 100 Minuten

 

Extras: nur auf Kauf-DVD: Audiokommentar von Chris Carter und Frank Spotnitz, Bild-in-Bild Kommentar von Chris Carter und Frank Spotnitz, Verpatze Szenen, Akte X Zeitlinie, In-Movie Feature, Making-Of Akte X: Jenseits der Wahrheit, Chris Carter über umweltfreundliches Filmemachen, Die Make-Up Effekte, Entfallene Szenen, Bildergalerien, Musikvideo "Dying to Live" von XZIBIT, Trailer

 

Verleih ab: 21.11.2008

Verkauf ab: k.A.

 

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Copyright Akte X - Jenseits der Wahrheit

Fotos: © 20th Century Fox

 

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