Agora - Die Säulen des Himmels

Spanien schreibt Geschichte. Mit Amenábars Epos lanciert die iberische Halbinsel eine der bisher teuersten Produktionen des Landes und den gewagten Versuch ein ganzes Genre umzuwälzen.

Agora – Die Säulen des Himmels

Dass der versierte Spanier die Fähigkeit besitzt, problemlos das Genre zu wechseln, hat er bereits bewiesen. Nach seinem gelungenen Langfilmerstling (Tesis – Faszination des Grauens, 1996) changierte der Filmemacher immer wieder zwischen Horror und Drama und konnte hier wie dort überzeugen. Nun wagt Alejandro Amenábar seinen nächsten Wechsel und erzählt die Geschichte der ersten nachweislich bekannten Philosophin Hypatia von Alexandria. Diese soll angeblich die Erde als Epizentrum des Sonnensystems angezweifelt haben, zu einer Zeit als das geozentrische System weitgehend unangefochten war. Amenábar tut es der ehrgeizigen Mathematikerin gleich und versucht ebenfalls Altbekanntes in Frage zu stellen: das Genre des Historienfilms. Genau darin liegen gleichermaßen Stärken wie Schwächen von Agora – Die Säulen des Himmels (Agora).

Agora – Die Säulen des Himmels

Bereits die transzendentalisch anmutende Anfangssequenz macht den Zuschauer mit dem Sujet des Films vertraut. Schnell fährt die Kamera über ein Stück des Erdballs zurück ins Schwarz des Universums und vorbei am Mond. Begleitet werden diese Bilder von den Kommentaren der unterrichtenden Hypatia. Der Kreis manifestiert sich als die vorherrschende geometrische Figur, die in der Antike auch als die der Umlaufbahnen der Planeten um die Erde angenommen wurde. Am Ende von Agora, nach den astronomischen Korrekturen der Philosophin tritt die Ellipse in den Vordergrund, aus der heraus die Kamera wieder ins Universum hinausgleitet. Zwischen diesen Rahmungen des Films entfaltet sich ein Plot, der sich irgendwo zwischen Die Päpstin (2009) und Hollywood-Epen wie Troja (Troy, 2004) verirrt.

Agora – Die Säulen des Himmels

Amenábar hält den Anteil der expliziten Kampfdarstellungen im Vergleich zu seinen amerikanischen Regiekollegen geringer. Die Aufstände der fanatischen Christen im Kampf um die Macht in Alexandria halten sich relativ kurz und weniger blutig. Der Filmemacher versteht es hervorragend, das Ausmaß des Angriffs in panoramaartigen Aufsichten einzufangen. Auf diese Weise schleicht sich die Grausamkeit nicht nur durch exploitative Momente, sondern auch durch eine gezielte Kameraführung ein. Beim Einfall der Fanatiker in die Bibliothek vermag die Kamera das Geschehen durch eine beeindruckende Aufsicht mit Zeitraffer zu zeigen. Die Zerstörung der Wissensbestände erfolgt in diesem Moment wie durch eine Horde wilder Ameisen. Die extremen Totalen verhindern, dass die gelackte Optik der meist lichtdurchfluteten Bilder zu sehr auf eine Stilisierung des Massakers abzielt.

Agora – Die Säulen des Himmels

Stattdessen stützt sich Agora auf eine große Dialog- und Theorielastigkeit, was vielversprechend erscheint, im Laufe der 126 Minuten aber ermüdend wirkt. Erfreulich ist dabei, dass die religiöse Problematik und die wissenschaftlichen Forschungen über die Liebesgeschichte gestellt werden, die lediglich dazu dient das Handeln des Sklaven Davus (Max Minghella) zu legitimieren. Die in  Historienfilmen scheinbar oft so notwendigen Erotikszenen, wie in der Serie The Tudors (seit 2007), fehlen hier gänzlich.

Agora – Die Säulen des Himmels

Amenábar versucht sich auf den konfessionellen Konflikt mit der Wissenschaft zu konzentrieren und sich von den Mustern der Hollywood-Historienfilmen zu lösen. Dieser begrüßenswerte  Wechsel der Sujets scheitert jedoch im Verlauf des Films in weiten Teilen. Im zweiten Abschnitt der Erzählung werden die beiden Thematiken in stetigem Wechsel aufgegriffen und weiter fortgeführt. Diese Abruptheit hat aber zur Folge, dass sich die Motive gegenseitig ihrer Dynamik berauben. Die Entdeckung der elliptischen Umlaufbahnen ist so zwischen zwei Szenen des Entführungskomplotts eingebettet, dass die Dramaturgie für keinen der beiden Stränge aufgeht. Dadurch entsteht eine  kontinuierliche Langatmigkeit in der Inszenierung der späteren Jahre. Die religiöse Problematik wird krampfhaft in die Länge gezogen, bis Hypatia schließlich von ihren Peinigern abgeführt wird. Dazwischen ereignet sich ein schrittweises Abhandeln ihrer Theorien, das sich in verkopften Dialogen mit ihrem Mentor erschöpft. Irgendwo in dieser Abfolge liegen so unspektakulär wie marginal der Tod des Vaters und eines der religiösen Gegner. Erst wenn am Ende die Ellipse in das Bild eindringt, vermag der Film noch ein letztes Mal von seiner schwachen Dramaturgie zu zehren.

Somit schafft es auch der versierte Spanier Amenábar nicht, dem erst vor kurzem von Enttäuschungen heimgesuchten Historienfilm neuen Schwung zu geben, auch wenn sich Agora immerhin nicht auf eine Ebene mit Alexander (2004) oder Henri 4 (2010) begibt.

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Kommentare


Nagy

Der Film hat leider nichts mit der wahren Geschichte zu tun.
Hypatia gilt als die erste Mathematikerin der Geschichte. Die Ägypterin wurde im Jahre 364 n. Chr. in Alexandria geboren. Ihr Vater war Theon, der berühmte Mathematiker und Astronom am Museion in Alexandria. Ihr Bruder war der Mathematiker Epiphanios. Hypatia lebte in einer Zeit, in der über 70% der Bevölkerung Ägyptens Christen (Kopten) waren, und die Christenverfolgung ein hohes Maß annahm. Die Kopten waren mit Leib und Seele echte Pazifisten. (Vergleiche die Biographie des Heiligen Mauritius bzw. der Thebäischen Legion, um 300 n. Chr.). Hypatia übernahm den Lehrstuhl Ihres Vaters an der Universität (Museion) von Alexandria und lehrte dort Mathematik, Geometrie, Astronomie, Astrologie, Philosophie und Rhetorik. Hypatia war keine Vertreterin des Pazifismus: Sie vertrat die Philosophie des s.g. „gerechten Krieges“. Hypatia wurde zur Gegnerin des absoluten Pazifismus und damit auch der damaligen Kirchenlehre . Hypatia sah es als selbstverständlich an, sich in einer nicht gewaltlosen Welt mit Gewalt verteidigen zu müssen. Hypatias Schüler und Verehrer Synesius war ein überzeugter Christ und Pazifist. Eines Tages begleitete Synesius seine Lehrerin Hypatia auf dem Heimweg in einer unruhigen Nacht durch die Straßen von Alexandria. Zwischen Hypatia und Synesius entfachte sich eine kräftige Diskussion über die Notwendigkeit der Selbstver-teidigung. Hypatia zog ihr Messer und griff Synesius an, um ihn zur Selbstverteidigung zu zwingen und ihn in Ihrer Theorie zu bestätigen. Synesius, wie erwartet, wehrte sich aus Furcht und tötete im Affekt seine Lehrerin Hypatia. Synesius verlor danach den Verstand und kehrte er in seine Heimat Cyrenaika im heutigen Lybien zurück. Dort verbrachte er bis zu seiner Heilung mehrere Jahre und wurde zum Botschafter der Pentapolis (griech. Fünf Städte) beim Kaiserhof berufen. Im Jahre 403 heiratete er in Alexandria. 410 wurde er durch Akklamation in Ptolemais zum Bischof berufen und musste von Amts wegen auf die Ehe verzichten. In seiner Funktion als Bischof geriet er in Konflikt mit dem Praeses Andronikus, den er schließlich bannte. Weiterhin musste er sich auch als Kriegsherr bewähren, da in seiner Amtszeit die Provinz von südlichen Stämmen angegriffen wurde und der Bischof Synesius sich mit dem Schwert verteidigen musste.. Der heilige Augustinus (354 – 430 n. Chr.) sprach in seinem Werk „De civitate“ diejenigen von der Verletzung des fünften Gebotes frei, die einen Gott geschuldeten Krieg (gerechten Krieg) führen und verbreitete damit die Philosophie Hypatias in der ganzen Welt. Leider gingen viele wertvolle Informationen über die hervorragende Hypatia verloren, als die Araber (642 n.Chr.) die Bibliothek von Alexandria mit mehr als 500.000 Schriftrollen nieder brannten.


jan

Ob die Araber die Bibliothek niedergebrannt haben ist äußerst umstritten. Viel wahrscheinlicher ist, dass die Bibliothek aufgrund des den Erlasses des Edikts von Theodosius (391 n. Chr.) nicht (oder nur in Bruchteilen) überlebte, der besagte, dass alle heidnischen Tempel zerstört werden müssen. In der Hinsicht könnte der Film also doch durchaus Recht haben.


JFB

@ Nagy aus Hannover:

Auf was für Quellen stützen Sie denn diese Erkenntnisse?
Ihre Angaben widersprechen extrem der Darstellung in dem Wikipedia-Artikel, der sich auf immerhin über ein dutzend ernstzunehmender Quellen stützt!

Woher wollen Sie z.B. wissen, dass Hypatia keine Pazifistin war - ihre Schriften sind sämtlich nicht überliefert! Und was ihr Ende angeht, ist es, denke ich, unstrittig, dass sie von den radikalen Christen Alexandrias ermordet wurde...


esch

@ Nagy aus Hannover:

Es war einmal.......
Und wenn Sie nicht gestorben sind, dann leben Sie noch heute.

Schon die Bibel besteht nur aus tausenden von bis zum heutigen Tage historisch nicht belegaren Geschichten.

Und was folgt man daraus. Erfinden wir doch weiter neue Märchen. Und verdrehen somit die Tatsachen.






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