Æon Flux
Charlize Theron flipflopt akrobatisch durch ein etwas seltsames Science-Fiction-Spektakel.

Eines sei, um Missverständnissen vorzubeugen, gleich vorweggeschickt: Mit der Zeichentrickserie Æon Flux, die MTV in den 90er Jahren ausstrahlte, hat Karyn Kusamas gleichnamiger Film fast nur noch einige Handlungssplitter und Figuren gemein. Weder die gewagte Ästhetik der Vorlage noch deren eigenwillige Handlungslogik - am Ende jeder der frühen Episoden verstarb die Hauptfigur Æon Flux - haben es in den Realfilm geschafft. Was aber nicht heißen soll, dass dieser frei von Seltsamkeiten wäre: Wollte Frances McDormand einmal unbedingt ein Vivienne Westwood-lookalike geben, oder warum hat sie diese Rolle angenommen? Und was macht das Berliner Haus der Kulturen der Welt mit seiner unverwechselbaren Form in der Stadt Bregna, 400 Jahre in der Zukunft?
Bregna ist, so heißt es, der einzig bewohnbare Ort auf der Erde, nachdem eine Seuche den Großteil der Menschheit dahingerafft hat. Der Wissenschaftler Trevor Goodchild (Marton Csokas) hatte ein Heilmittel gegen die Seuche gefunden, nun beherrschen er und seine Familie die Stadt. Während man oberflächlich eine perfekte Gesellschaft vorzufinden meint, wie die Protagonistin Æon Flux (Charlize Theron) anfangs aus dem Off berichtet, werden dort in Wahrheit Menschen heimlich verschleppt und bleiben dann spurlos verschwunden.

Æon Flux selbst gehört zur Widerstandsgruppe der „Monicans“ und bekommt von Handler (Frances McDormand) den Auftrag, Goodchild zu töten. Als sie eine Gelegenheit dazu ungenutzt verstreichen lässt, ohne dass sie selbst sich den Grund für ihre Untätigkeit erklären könnte, wird Æon Flux zunächst gefangengenommen, kann sich aber befreien und versucht nun herauszufinden, warum sie den Diktator nicht ermorden konnte.
Es wird viel gerannt, gejagt und herumgeschossen in Æon Flux, und Charlize Theron hüpft leichfüßig und in hautengen Kostümen zwischen Verfolgern und Kugeln hindurch, dass es eine akrobatische Freude ist. Leider ist von ihren schauspielerischen Fähigkeiten, die sie etwa in Monster (2003) zeigte und für die sie jetzt mit North Country (2005) wieder für einen Oscar nominiert wurde (wie übrigens auch McDormand), hier nicht viel zu sehen; von romantischen Gefühlen zwischen Æon Flux und Goodchild ist oft die Rede, aber es bleibt eben das: Gerede.
Das Schwarz und Weiß der Charakterzeichnungen – hier die edle und unbesiegbare Profikillerin, dort ein intriganter Bösewicht, und zwischen beiden der letztlich nur scheinbar ambivalente Trevor Goodchild – findet sich auch im Dekor wieder. Mit reichlich zusätzlichem Waschbeton entsteht auf der Leinwand eine eklektische Mischung irgendwo zwischen Industrial Chic und Hypermoderne, der wohl den waghalsigen Architektur- und Stilwillen der Zeichentrickvorlage wenigstens ein bisschen Referenz und Paroli bieten soll.

Leider wirken etwa die Kostüme so, als habe sich der Designer sehr stark von Luc Bessons Das Fünfte Element (The Fifth Element, 1997) inspirieren lassen, ohne allerdings die Klasse Jean-Paul Gaultiers erreichen zu können. Dergleichen zieht sich durch den Film; es gibt einige nette Einfälle zu sehen – etwa ein sich im Glas verfärbender Frühstückstrunk –, die aber disparat nebeneinander stehen bleiben.
Der Film findet seine Auflösung schließlich in einer recht kruden Mischung aus Naturidyll und Wissenschaftsgläubigkeit, in der die besondere „Natürlichkeit“ der Frauen das Überleben der Menschheit sichert - und das ausgerechnet anhand einer Protagonistin mit allerlei implantierten elektronischen „Gadgets“ exemplifiziert. Dass dahinter zudem eher undemokratische Vorstellungen von Staat und Gesellschaft deutlich werden, macht Æon Flux nicht gerade besser. Da wendet man sich vielleicht doch lieber wieder den enigmatischen und widersprüchlichen Figuren der Originalserie zu, die pünktlich zum Filmstart in einer DVD-Box neu erschienen ist.
Filmkritik von Rochus Wolff
Veröffentlicht am 08.02.2006
Kommentare zu Æon Flux
beavis 26.08.2006 04:06
Ich dachte selbst das dieser Film aus der Genremode springt und niemanden zusagen wird. Er lief auch etwas verspätet an.
Doch jetzt wo ich ihn gesehen habe kann ich sagen er ist wunderbar geworden.
Vorallem die 2te Hälfte ist nicht gleich zu extrem.
Der Film wird ab da an erst richtig Spannend ohne nervend zu werden. Im ersten Teil dachte ich das ich wissen würde was passieren wird. Habe schon ne Menge Filme aus dem Genre gesehen.
Doch dann änderte sich das Genre. Ich kannte allerdings die Story noch nicht!
Deshalb für alle die diese Story noch nich kennen und einen ruhigen Film genießen wollen, und aus Berlin kommen, DVD Sammlung!
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Blog: Berlinale im Dialog

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Film-Angaben
Titel: Æon Flux
USA 2005
Laufzeit: 93 Minuten
Regie: Karyn Kusama
Drehbuch: Phil Hay, Matt Manfredi
Produktion: Gale Anne Hurd, David Gale, Gary Lucchesi, Gregory Goodman
Darsteller: Charlize Theron, Marton Csokas, Jonny Lee Miller, Sophie Okonedo, Frances McDormand, Pete Postlethwaite
Kinostart: 16.02.2006
DVD-Angaben
Titel: Aeon Flux
Vertrieb: Paramount Home Entertainment
Bild: 2,35:1, 16:9
Sprache(n): Deutsch (DD 5.1), Englisch (DD 5.1), Türkisch (DD 5.1)
Untertitel: Deutsch, Niederländisch, Schwedisch, Norwegisch, Finnisch
Altersfreigabe: ab 12 Jahren
Spieldauer: 93 Minuten
Extras: Fünf Featurettes; Audiokommentar von Charlize Theron und Produzentin Gale Anne Hurd; Audiokommentar von den Co-Writern Phil Hay und Matt Manfredi; Original Kinotrailer
Verleih ab: 06.07.2006
Verkauf ab: 20.07.2006
Copyright Æon Flux
Fotos: © UIP
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