Adventureland

Das Leben ist ein Abenteuer. Diesseits und jenseits eines maroden Freizeitparks.

Adventureland

Ein amerikanisches Provinznest im Sommer 1987. Der geplante Europatrip fällt für den frisch gebackenen College-Absolventen James Brennan (Jesse Eisenberg) ins Wasser, als er erfährt, dass sein Vater in einen schlechter bezahlten Job versetzt wurde und die Familie in finanziellen Schwierigkeiten steckt. Damit nicht auch noch die Träume von einem Studium auf der elitären Columbia University im sagenumwobenen New York City bereits im Vorhinein wie eine Seifenblase zerplatzen, gilt es für den introvertierten Schulabgänger einen Ferienjob zu finden. Nach zahlreichen erfolglosen Vorstellungsgesprächen in den örtlichen Dinern und Fastfood-Ketten landet James notgedrungen im lokalen Freizeitpark „Adventureland“. Der Park hat seine besten Zeiten hinter sich und dient offenbar als Auffangbecken für die auf unterschiedliche Art und Weise gescheiterten Existenzen der ansässigen Dorfjugend.

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Paulette (Kristen Wiig) und Bobby (Bill Hader) führen hier das Regiment. Ausdruck findet dies nicht nur darin, dass die beiden im Gegensatz zu ihren jugendlichen Angestellten seriöse Polo-Shirts und keine legeren T-Shirts tragen, sondern auch noch mit Megaphon ausgestattet für Zucht und Ordnung sorgen. „Litter in the clown mouth“, hallen Bobbys ermahnende Worte nach. Damit sind Handlungsort und Konzept des Filmes klar: Im „Adventureland“ herrschen ähnliche Regeln und Strukturen vor wie auch jenseits der Parktore. Das gilt ebenso für die zu verrichtende Arbeit und den dazugehörigen Small-Talk, wie auch für das zwischenmenschliche Flirten und Streiten.

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Wie schon in Superbad (2007), einer Zusammenarbeit mit Produzent Judd Apatow und Schauspieler-/Autor Seth Rogen, befasst sich Mottola auch in seinem neuen Film mit dem Freud und dem Leid des Erwachsenwerdens. Nun jedoch mit Blick auf die etwa drei Jahre älteren jungen Erwachsenen zwischen der Zeit am College und der Universität. Dabei zieht Mottola sämtliche Register des Genres: Junge Männer auf der Suche nach Sex, weiter entwickelte Mädchen, die diesen bereits haben, Alkoholexzesse mit anschließender Übelkeit, Artikulations- und Autoritätsprobleme. Wie schon in Superbad beweist der Regisseur ein sensibles Gespür für scharfen Wortwitz und einen präzisen Blick für sonstige Feinheiten menschlichen Miteinanders. Ergänzt wird die Zeichnung der Charaktere durch selbstironische Perspektiven, die sich am deutlichsten an den beiden Freizeitparkbetreibern Paulette und Bobby ablesen lassen. Sie diskutieren über Absurditäten, betrügen die Kundschaft und ergänzen sich dabei blendend. Anders als in Superbad grenzt Mottola in seinem neuen Film jedoch den Handlungsraum der Protagonisten größtenteils auf das Gelände des Freizeitparks ein und lässt sie auf diesem exponierten Areal leben und leiden. Allein schon dadurch findet Adventureland seine Rechtfertigung und ist mehr als nur ein Superbad 2.0.

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Ebenso wie der nerdige Joel (Martin Starr) wird auch James der Arbeit im Spielbudenbetrieb zugeteilt. Werfen, Schießen, Wetten. Zu gewinnen gibt es Plüschbananen mit angeklebten Augen, nur der Hauptgewinn, ein großer Pandabär, darf nie über die Theke gehen – egal was passiert. Die tagein, tagaus gleiche stupide Arbeit bei den „Games“ zerrt an James Nerven. Falcos 1980er Jahre Hit „Rock me Amadeus“ läuft in einer Endlosschleife und tut sein Übriges dazu. Doch ein „beruflicher Aufstieg“ ist nicht in Sicht. Um bei einem der Fahrgeschäfte arbeiten zu dürfen, muss man ‚in’ sein. So zum Beispiel die Park-Schönheit Lisa P. (Margarita Levieva), deren stramm sitzendes T-Shirt durch den Schriftzug „Rides, Rides, Rides“ geschmückt wird. Knallrote Lippen, knallenge Jeans und das knallige Pink des Kaugummis komplettieren das Outfit dieser inkarnierten Zuckerwatte – lecker, aber irgendwie doch nur Luft. Man vermutet, Fahrgeschäft und Spielbetrieb passen nicht zusammen. Dies findet Ausdruck in einer Szene, in der James erstmalig ein paar Knöpfe am Musikexpress drücken darf und das ganze Ding unmittelbar seinen Geist aufgibt.

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Einen Ausbruch aus der täglichen Langeweile verspricht James’ Kontaktaufnahme mit der zurückhaltenden Em (Kristen Stewart). Anders als in den klischeehaften Teenie-Komödien à la American Pie (1999) oder Road Trip (2000) funktioniert Em nicht nur als ein Requisit für Männerphantasien, sondern bereichert die Komplexität der Handlung. Sie agiert und reagiert nicht nur, sie gibt den Blick frei auf weibliche psychische sowie physische Bedürfnisse und Irritationen an der Schwelle zum Erwachsenwerden. Als Zuschauer erinnert man sich an die damals noch 12-jährige Stewart in David Finchers Panic Room (2002) in der Rolle der Sarah Altman, jüngst sah man Stewart als ‚Vampir-Liebhaberin’ in Catherine Hardwickes Twilight (2008). Immer zieht sie die Aufmerksamkeit des Zuschauers auf sich, wirkt irgendwie anders, gleichsam stark und verletzlich. Neben der nur ein Jahr jüngeren Emma Roberts aus Derick Martinis Lymelife (2009) ist Stewart eine der US-amerikanischen Nachwuchsschauspielerinnen, auf die es sich gespannt zu blicken lohnt.

Mottola inszeniert das „Adventureland“ als eine Probebühne für das wahre Leben. Im Eintrittspreis inbegriffen sind sämtliche Höhen und Tiefen einer Achterbahnfahrt. Für James also die perfekte Vorbereitung für das Leben im Big Apple – dem wohl schillerndsten Freizeitpark der westlichen Hemisphäre mit den angeblich steilsten Fallhöhen und im Übrigen dem Lieblingsspielplatz von Mottolas Ziehvater Woody Allen!

Trailer zu „Adventureland“


Trailer ansehen (1)

Kommentare


dilara

super webseite tolle information klasse bravo ein lob an euch ihr könntet ja noch mehr über twilight schreiben dann ist die seite bestimmt noch beliebter


jessy

ich hoffe das war sarkastisch gemeint. wieso um gottes willen sollte man bei adventureland was über twilight schreiben. bzw noch mehr, nur weil die eine bei beidem mitspielt...
sehr hübscher film, macht spaß beim schauen und erweckt nostalgie- und "ich-will-sowas-auch"-gefühle


ARTiBERLIN

Ein wirklich bezaubernder Film über das Leben. Um und mit dem eher maroden Freizeitpark "Adventureland" wird augenzwinkernd die Probleme der Jugend und des Erwachsenwerdens geschildert.
Mottolla schafft es, den Film in ein schillerndes Ereignis in grellem Neonlicht mit Brausepulver und Popcorn in der Hand zu verwandeln.






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