A Single Man

Tickende Uhren, ein geladener Revolver und ein weißer Kaschmir. Tom Ford will von der Liebe sprechen und verhaspelt sich im Materiellen.

A Single Man

L.A. am 30. November 1962. Der Literaturprofessor George Falconer hat beschlossen, diesen Tag zu seinem Todestag zu machen. Schon wieder ist ihm sein verstorbener Lebensgefährte Jim im Traum erschienen. Die quälenden Depressionen seit dessen Unfalltod sollen nun endgültig ein Ende haben. George will seinem geliebten Jim in den Tod folgen. Dieser schwerfällige und romantisch verklärt daherkommende Stoff, den der britisch-amerikanische Schriftsteller Christopher Isherwood in seinem 1964 erschienen Roman A single Man behandelte, hat den Modedesigner Tom Ford nach eigenen Angaben schon als Jugendlichen fasziniert und geprägt.

A Single Man

Nun hat der amerikanische Modemacher der Häuser Gucci und Yves Saint Laurent dem Roman mit seinem aus eigener Tasche finanzierten Regiedebüt ein filmisches Denkmal errichten wollen und es dabei sicherlich sehr gut gemeint: mit berauschend schönen Bildern von schönen Menschen in schönen Kostümen aus den Ankleidezimmern schöner Villen. Aber wo bleiben die schönen Gefühle, von denen Isherwoods Roman handelt? Um es kurz zu machen: Vielleicht liegt in der glatten, eleganten Erscheinung von Tom Fords Film seine größte Schwäche. Er spart nicht an gefühlsschwangerer Musik, weichgespülten Großaufnahmen von blauen Knabenaugen und roten Frauenlippen und bunt gefärbten Rückblenden, in denen der adonisgleiche Jim im knappen Matrosenhemd am Tresen einer kalifornischen Bar steht oder ganz ohne Hemd zurückgestreckt auf Felsenklippen schläft. Bei aller fotografischen Pointiertheit und der recherchierten Arbeit des Kostüm- und Ausstattungsdepartments bleiben diese gemäldegleichen Bilder leer und bedeutungslos, denn die Geschichte, die A single Man eigentlich erzählen könnte, gerät darüber in Vergessenheit.

A Single Man

Die Tragik in George Falconers Leben, der Verlust seiner Liebe, und seine Trauer, das sind die eigentlichen Themen, die Isherwoods Roman vorgibt. Indem Tom Ford Georges verlorenen Freund Jim jedoch nur in überaus stilisierten Rückblenden auftauchen lässt, verstellt er den Zugang zu der Liebe zwischen George und Jim und verhindert damit jegliche Anteilnahme an der Tragik jenes Verlusts und Georges Trauer. Jim ist für den Zuschauer ein Gespenst, sein Tod nicht von Bedeutung. So bleiben in „A single Man“ nur noch das Ticken der vielen Wand- und Armbanduhren, an denen der Debütant Tom Ford nicht sparte, ein geladener Revolver und ein Jüngling im weißen Kaschmirpullover, der dann leider doch zu spät auftaucht, um George noch zu retten.

A Single Man

Ob Tom Ford für die herausragende Leistung seiner Schauspieler Julianne Moore und Colin Firth, der für seine Rolle in A single Man für den Oscar nominiert ist, die gleiche Verantwortung trägt wie für die Wahl der Kostüme und Accessoires der Figuren, die sie verkörpern, bleibt indes offen.

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Kommentare


panzerknacker

Brillianter, kleiner Film, der leider viel zu unbeachtet ist ! Colin Firth ist wirklich genial in diesem verträumt melancholischen Meisterwerk. Wer hätte gedacht, dass "Mr. Gucci" Tom Ford auch noch so ein guter Regisseur ist ?


Johannes G.

Tom Ford macht einen Film, so schnörkellos in seinen Bildern und risikoarm in seiner Dramaturgie, dass er wie ein zu lang geratener Werbefilm für Gucci-Mode wirkt. Der ein oder andere wird sich in den zwischen Kunst und Kitsch schwankenden, zum Teil wirklich wunderbaren Bildern verlieren und die Geschichte ganz vergessen, die sich hinter den durchgestylten Bildern versteckt. So schön Ford, der Designer, manche Aufnahmen aufbaut, so sehr bleibt er in seiner oft vorhersehbaren und mit Klischees gespickten Geschichte in einer Seifenopern-Philosophie stecken.

Dramaturgisch ist A Single Man wenig reizvoll. Der Film lebt von seiner Bildern und einem überzeugenden Hauptdarsteller, nimmt sich jedoch selbst zu wichtig und schafft es nicht nicht, über den Rand des eigenen Spiegels zu blicken und die perfekten blauen Augen auf die dürftige Handlung zu richten. Tom Ford ist ein Designer, kein Geschichtenerzähler.






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