A Nightmare on Elm Street

Eins, zwei, Freddy Krueger kommt vorbei. Und mit ihm kehrt der Horror in die Elm Street zurück.

elm street 1

Der Mörder war wieder der Gärtner, und der plant schon den nächsten Coup. Der Mörder ist immer der Gärtner, und der schlägt erbarmungslos zu!

Dies weiß nicht nur Sänger Reinhard Mey, sondern auch der amerikanische Regisseur Samuel Bayer, dessen A Nightmare on Elm Street eine der Kultfiguren des amerikanischen Slasher-Films auf der Leinwand zu neuem Leben erweckt: Freddy Krueger, den von Brandnarben gezeichneten Bösewicht mit den messerscharfen Klingen, die die Finger seiner rechten Hand zum blutigen Mordinstrument machen. In dem fiktiven Ort Springwood hat Krueger in seiner Vergangenheit unzählige Kinder getötet. Als er wegen eines Verfahrensfehlers freigesprochen wird, zieht er den Hass der aufgebrachten Eltern des Ortes auf sich, die ihn in seinem Heizungskeller verbrennen lassen. Im Schlaf begegnet das auf Rache sinnende Monster seinen jungendlichen Opfern, die nach einem verzweifelten Todeskampf nicht nur im Traum, sondern auch in der Realität ihr Leben lassen müssen.

1984 legte der Regisseur Wes Craven mit seinem Überraschungserfolg den Grundstein für ein populäres Horrorfranchise, das heute neun Kinofilme umfasst. Nachdem man Freddy Krueger zuletzt 2003 in Freddy vs. Jason, einem Crossover der Slasher-Filmreihen A Nightmare von Elm Street und Freitag der 13. (Friday the 13th, 1980-2009), gesehen hatte, war es ruhig geworden um den fiktiven Kindermörder.

elm street 16

Für den aktuellen Teil der Reihe entschied man sich schließlich zu einer Neuauflage des Films von 1984. Der ökonomische Erfolg, der dem Produzententeam bereits mit den Reboots Michael Bay’s Texas Chainsaw Massacre (2003) und Freitag der 13. (2009) gelungen war, wollte man nun mit der Verfilmung eines weiteren Horrorklassikers fortsetzen. Düsterer sollte dieser Nightmare on Elm Street in der Regie von Samuel Bayer werden. Verschwunden ist der zynische Humor des Freddy Krueger, durch den er besonders in den späteren Filmen des Franchise bekannt wurde. Die Vergangenheit des Protagonisten erhält in diesem Remake ein wesentlich größeres Gewicht als im Original. Denn nicht nur sein äußerer Makel und die übernatürlichen Kräfte machen Krueger zu einem gefürchteten Monster, sondern vielmehr seine menschlichen Verfehlungen, die sich durch seine pädophile Neigung zeigen. Im Gegensatz zum Original wird Krueger in diesem Nightmare on Elm Street zum Kinderschänder, der als Gärtner an der örtlichen Grundschule von Springwood die Gutgläubigkeit der Minderjährigen ausnutzt und seine traumatisierten Opfer im Jugendalter wieder in Albträumen aufsucht.

elm street 13

Ganz neu ist die Idee bezüglich Kruegers dunkler Vergangenheit nicht. Bereits im Original plante man, ihn als pädophilen Täter anzulegen. Diese Idee wurde jedoch wieder verworfen, um dem Vorwurf zu entgehen, man trage zur Vermarktung einer Reihe von Belästigungsfällen bei, die damals in Kalifornien ans Licht gekommen waren.

Ein wirkliches „Re-Imagening“ des ursprünglichen Films kann man von diesem Nightmare on Elm Street grundsätzlich nicht erwarten. Das Einzige, worüber Regisseur Samuel Bayer hier gezwungenermaßen intensiv nachdenken musste, war die Besetzung des Hauptdarstellers. Nachdem der Schauspieler Robert Englund es abgelehnt hatte, die Rolle weiterhin zu verkörpern, verpflichtete man Jackie Earle Haley, bekannt für seine Darstellung des Rorschach in Watchmen – Die Wächter (Watchmen, 2009). Die elektronisch verstärkte Stimme des grausamen Mörders lehrt einem aber kaum das Fürchten. Freddy Krueger erscheint in diesem Film vielmehr als Parodie der Kultfigur, die er einst darstellte. Außer dem Einsatz von Computeranimationen und Spezialeffekten zeigt sich Regisseur Samuel Bayer in diesem Nightmare on Elm Street wenig kreativ. Er wendet lieber das Copy-Paste-Verfahren an, so dass es zu Wiedersehen mit der berühmten Badewannenszene und dem verzweifelten Todeskampf einer Schülerin in ihrem Schlafzimmer kommt.

elm street 15

Statt beispielsweise die Handlung psychologisch zu durchdringen und die Motive für Freddys sexuelle Störung zu hinterfragen, setzt der Film auf billige Effekte und ein sich wiederholendes Tötungsschema, das für mäßige Spannung sorgt. Während die jugendlichen Opfer dieses cineastischen Albtraums im Schlaf ihr Leben lassen müssen, ist dem Zuschauer das Einnicken während dieses Films erlaubt, der erhebliche Mühe hat, einen über die vollen eineinhalb Stunden wach, geschweige denn bei Laune zu halten.

Trailer zu „A Nightmare on Elm Street“


Trailer ansehen (2)

Kommentare


Kinogänger

Obwohl man fast ausschließlich durchwachsene Kritiken findet, fand ich persönlich den Film ziemlich gut.

Ich verstehe auch nicht, warum fast überall geschrieben wird, der Film sei "langweilig"... es waren sehr viele Schock- und Spannungsmomente dabei - wer sich da nicht wenigstens ein bisschen erschreckt, ist selber schuld.

Natürlich darf man keine tiefgehende, anspruchsvolle und sozial-gesellschaftskritische Story erwarten (wovon anscheinend die meisten Kritiker bei JEDEM Film ausgehen!) - aber wer braucht das auch bei Filmen wie diesen?!

Mein Fazit: spannend, creepy, unterhaltsam. Absolut sehenswert!

PS: Habe das Original nicht gesehen - es scheint mir, das ist auch besser so (-;


????

Dann schau Dir das Original erst einmal an Schwätzer !!!


Kinogänger

Danke für deine freundliche und argumentativ sehr gut begründete Antwort auf meinen Kommentar, liebe(r) "????".
Muss man denn das Original unbedingt kennen, um sich eine Meinung über den obigen Film zu bilden?! Kann ich mir nicht einfach den Film unbeeinflusst und unvoreingenommen ansehen, ihn gut finden und das anderen mitteilen? Oder muss ich mir vorher erst das heilige Original anschauen und mich dann künstlich über die Neuerungen des Remakes aufregen?
Wer natürlich immer nur alles mit allem anderen vergleicht (siehe auch bei "Avatar"), der macht sich - meiner Meinung nach - die Freude am
Filmeschauen selbst zunichte.


OBAMA

Der alte Freddy Krueger war um einiges besser!! ;-) Robert Englund ist der geborene Freddy , der Rest einfach billige Kopie ...


Sarah

Nun ja, wenn ein Film sich Remake schimpft, muss er sich den Vergleich mit dem Original wohl oder übel gefallen lassen. Genretypische Einflüsse zu bemerken (wie zb. bei Avatar), finde ich hingegen in Ordnung. Das hat für mich nichts mit Vergleichen zu tun, sondern mit filmtechnischer Entwicklung. Innovativ ist der neue Freddy in keinster Weise, noch nicht mal kreativ verschleiernd in seinem einzigen Sinn und Zweck, nämlich möglichst viel Kohle in die Kasse zu füllen ohne viel auszugeben und cineastisch gross etwas dafür tun zu müssen.


marco b

@sarah: gut gebrüllt, löwe (oder löwin ;) ). Ich denke mal, dass sich die negativ-kritiken häufen liegt einfach daran, dass es da einen regisseur gibt, der es sich in den kopf gesetzt hat, einen kult neu aufleben zu lassen - da wachsen die erwartungen natürlich in gigantische höhen. das ist fluch (für die regisseure, die es eh niemandem recht machen können) und segen (für die, die das original nicht kennen oder sich einfach freuen, ihre "helden" mal etwas anders zu erleben) zugleich.

ich persönlich lass mich da nicht von den klassikern beeinflussen. ganz ehrlich, so gut sind die auch ned. genial trashig, aber heutzutage kaum anschaubar.






Kommentare der Nutzer geben nur deren Meinung wieder. Durch das Schreiben eines Kommentars stimmen sie unseren Regeln zu.