500 Days Of Summer

Die Leiden des jungen Romantikers: In seinem Kinodebüt reflektiert Regisseur Marc Webb das Drama einseitiger Liebe auf bittersüß–tragikomische Weise und schafft damit eine romantische Komödie, die keine Liebesgeschichte sein will.

(500) Days Of Summer

Liebesglück und Liebesleid im Film – schematisch betrachtet gibt es nur zwei denkbare Enden: Sie kriegen sich oder sie kriegen sich nicht. Letzteres ist bei (500) Days Of Summer der Fall – und das wird gleich zu Beginn durch den Erzähler klargestellt: Das ist keine Liebesgeschichte.


Die Autoren Scott Neustadter und Michael H. Weber versuchen in (500) Days Of Summer vom Standardsujet der romantischen Komödie abzurücken, indem sie einen anderen Blick wählen. Der Film erzählt seine Nicht-Liebesgeschichte aus männlicher Optik. Nicht das Sehnen nach Zweisamkeit, die von äußeren Umständen verhindert wird, sondern das für den einen Liebenden qualvolle Nichtzustandekommen einer Beziehung ist hier Thema: Dabei steckt der malus in der Angebeteten selbst, denn sie liebt nicht.

(500) Days Of Summer

(500) Days Of Summer ist somit eigentlich ein Film über das Drama der unerwiderten Liebe. Jedoch ist die Sache noch ein wenig komplizierter. Denn es fehlt der Beziehung zwischen Tom (Joseph Gordon-Levitt) und Summer (Zooey Deschanel) nicht etwa an Sex. Was Tom fehlt, ist die verbindliche Erwiderung seiner Gefühle für Summer.

Tom glaubt an die romantische Liebe auf den ersten Blick, an Seelenverwandtschaft und an schicksalhafte Fügungen. Als ihm Summer im Fahrstuhl offenbart, dass sie auch auf die Musik seiner Lieblingsband „The Smiths“ steht, wähnt er die Frau seines Lebens getroffen zu haben. Summer indes hält gar nichts von Vorsehung, und an die Liebe glaubt sie sowieso nicht. Wenn sie sich auf den sympathischen Tom einlässt, dann – und das stellt sie fairerweise von vornherein klar – nur als Freund. Welche Irritationen eine solche Freundschaft in sich birgt, zeigt der Film auf anrührende Weise: Das Bewusstsein um die Ungleichheit der Emotionen und die fatalistische Hoffnung, schließlich eine Erwiderung der eigenen Gefühle zu erfahren – das ist der Motor, der (500) Days Of Summer in Gang hält.

(500) Days Of Summer

Dass es sich dennoch um eine romantische Komödie handelt, verdankt der Film der kreativen Erzählweise des Drehbuches und der ebenbürtigen Inszenierung des musikvideoerprobten Regisseurs Marc Webb. Der Film, der ausgewählte Schlüsselmomente der 500 Tage währenden Beziehung abwechselnd in Höhen und Tiefen beleuchtet, verweigert sich konsequent jedweder Chronologie: Beginnend mit der von Summer geforderten Trennung von Tom entsteht die Handlung vor den Augen des Zuschauers mittels durcheinander gewürfelter Erinnerungssequenzen mit vorangestellter Tagesnummer. Gemeinsam mit Tom forscht der Zuschauer nach den vermeintlichen Ursachen des Scheiterns.

Toms retrospektives Wechselbad der Gefühle findet seine Entsprechung in einer bis ins Detail durchdeklinierten Ästhetik: Die Kamera von Eric Steelberg (Juno, 2007) kreiert warme Bilder mit eingeschränktem Farbspektrum, Setdesign und Kostüme vermeiden vordergründige zeitliche Kontextualisierung und erreichen so eine allgemeingültige Zeitlosigkeit.

(500) Days Of Summer

Joseph Gordon-Levitt (G.I. Joe, 2009) als Tom macht dieses Wechselbad der Gefühle für den Zuschauer durch Mimik und Gestik, gepaart mit ungekünstelter Naivität, eindringlich erlebbar. Hingegen bleibt Zooey Deschanels (The Happening, 2008) Summer vergleichsweise unergründlich: Sie ist impulsiv, kraftvoll und ehrlich, lässt jedoch keinen Blick auf ihre Innenwelt zu und bleibt damit ganz das „Rätsel Frau“, aus dem man(n) nicht schlau werden kann. Als Toms Sidekick fungiert neben seinen männlichen Freunden vor allem seine kleine Schwester Rachel. Die elfjährige Chloë Grace Moretz verkörpert diese Figur gleich einem von Lebensweisheit strotzenden Orakel, welches Toms Probleme mit wirklich klugen Ratschlägen und Analysen erdet.

(500) Days Of Summer

Eine der großen Leistungen des Films jedoch ist, dass er die Balance zwischen Drama und Komödie zu halten versteht, ohne vordergründig zu werden oder destruktiv-pessimistische Haltungen anzunehmen. So nivelliert Webbs Erzählstil allzu große Hochgefühle oder aufkommende Schwermut mit Versatzstücken aus der Popkultur: etwa durch eine musicalartige Tanzeinlage, durch sorgfältig ausgewählte stimmungsvolle Songs oder durch Split-Screens, die den tatsächlichen Verlauf einer Episode neben den von Tom gewünschten stellen. Und so finden sich auch originelle Anspielungen auf die Nouvelle Vague sowie eine kleine, wunderschöne Referenz an Star Wars (1977).

Webbs Personenführung und das leichte, unaufgesetzte und stimmige Zusammenspiel unterschiedlicher stilistischer Elemente verleihen dem Film einen unprätentiösen Charme, der das Publikum emotional zu involvieren versteht.

Am Schmerz einer unglücklichen Liebe kann (500) Days Of Summer jedoch auch nichts ändern. Leider.

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