30 Minuten oder weniger

„Sometimes faith pulls out its big ol’ cock and slaps you right in the face.” Nach Zombieland versucht sich Ruben Fleischer an einer zotigen Actionkomödie.

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Der Alltag von Pizzabote Nick (Jesse Eisenberg) besteht darin, ständig Fristen einhalten zu müssen. Dem Motto seines Arbeitgebers folgend, muss er jede Pizza innerhalb einer halben Stunde liefern. Schafft es Nick in diesem Zeitraum nicht zu seinem Ziel, zahlt er die Bestellung aus eigener Kasse. Und das passiert ihm nur zu oft.

Die Einhaltung einer Frist ist in der klassischen Dramaturgie Hollywoods ein bewährtes Mittel, um Spannung aufzubauen. 30 Minuten oder weniger (30 Minutes or Less) benutzt die begrenzte Lieferzeit des Pizzaboten allerdings nur als Vorahnung für eine andere, weitaus lebensbedrohlichere Frist. Denn Nick gerät in die Fänge zweier dilettantischer Krimineller, die einen ausgesprochen komplizierten Plan ausgeheckt haben. Um an das Erbe des verhassten Vaters zu kommen, will das unbedarfte Duo einen Auftragskiller anheuern. Um sich das leisten zu können, brauchen sie nur einen Dummen, der für sie eine Bank ausraubt. Dabei fällt die Wahl auf Nick, der als Druckmittel gleich noch eine Bombe um den Körper geschnallt bekommt. Die eigentliche Frist lautet nun: Schafft er es nicht, das Geld innerhalb von zehn Stunden zu beschaffen, geht die Bombe hoch.

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Ruben Fleischer hat mit Zombieland (2009) ein Hybrid aus Zombiefilm und Komödie geschaffen. Seine zweite Regiearbeit ist erneut ein Genre-Bastard, diesmal einer, wie er sich besonders in den 1980er Jahren großer Beliebtheit erfreute. Damals vereinten Filme wie Nur 48 Stunden (48 Hrs., 1982) und Lethal Weapon – Zwei stahlharte Profis (Lethal Weapon, 1987) Buddy-Movie, Komödie und Actionfilm. Zwar spielt 30 Minuten oder weniger nicht im Polizistenmilieu und bewegt sich deutlich mehr in Richtung reinen Klamauks, basiert aber immer noch auf demselben Grundrezept.

Im Mittelpunkt steht die konfliktreiche Beziehung zwischen Nick und seinem Freund Chet (Aziz Ansari). Am Anfang trennen sie sich im Streit, nach einigem Hin und Her gelingt es ihnen aber schließlich durch den gemeinsam durchgeführten Bankraub, ihre Krise zu überwinden. Gedoppelt wird diese bedingungslose Männerfreundschaft auf der antagonistischen Seite. Die beiden Bösewichte dürfen sogar am Ende eine Liebesszene persiflieren.

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30 Minuten oder weniger lebt vor allem von dreckigen Witzen und dümmlichen Figuren, die von einer peinlichen Situation zur nächsten stolpern. Keine sexuelle Anspielung ist dem Film zu zotig, darin besteht gewissermaßen auch sein Charme. Und doch ist Fleischer diesmal nicht mehr gelungen als eine etwas lahme Actionkomödie mit ein paar humoristischen Glanzlichtern. Branchenneuling Michael Diliberti versammelt in seinem Drehbuch zwar einige erinnerungswürdige Oneliner – über Nicks abgewracktes Auto sagt Chet etwa: „It’s like you bought a Mustang and the Mustang got AIDS.“ –, versucht ansonsten aber mangelndem Wortwitz Verfolgungsjagden und Pyrotechnik entgegenzusetzen. Auch die Chemie zwischen dem Duo Eisenberg-Ansari stimmt nicht so recht. Ihre rasanten Wortwechsel wirken häufig steif und elanlos, vor allem im Vergleich mit ihren Kontrahenten. Die debilen White-Trash-Bösewichte sind der eigentliche Höhepunkt des Films, und darüber hinaus haben sie auch einen sehr ungewöhnlichen Plan, wie sie ihr Geld anlegen wollen: in einem Sonnenstudio mit Nutten im Hinterzimmer. In solchen Niederungen des guten Geschmacks fühlt sich der Film pudelwohl. Da vergisst man dann auch kurzzeitig, dass es 30 Minuten oder weniger ansonsten am nötigen Biss fehlt. 

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