30 Days of Night – Kritik

Nach seinem ersten Spielfilm Hard Candy kommt von David Slade nun ein konventionell inszenierter Horrorfilm über eine Horde blutrünstiger Vampire in die Kinos.

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Nacht und Dunkelheit sind seit den Anfängen elementare Bestandteile des Kinos, mit dem beim Zuschauer Unbehagen ausgelöst werden soll. In der unscheinbaren Stadt Barrow in Alaska bleibt es jeden Winter für einen Monat lang dunkel. Über so einen langen Zeitraum kein Tageslicht zu sehen, ist selbst für Einheimische nur schwer zu ertragen, weshalb viele während dieser Zeit in den Süden fliehen.

Das Szenario einer abgeschiedenen, weitgehend verlassenen und von ständiger Dunkelheit heimgesuchten Stadt bildet die Ausgangslage von 30 Days of Night. Bereits vor Einbruch der Nacht gibt es erste Zeichen für herannahendes Unheil: Ein Haufen eingeschmolzener Handys und abgetrennte Telefonleitungen machen den jungen Sheriff Eben Oleson (Josh Hartnett) stutzig. Besorgnis erregend wird es jedoch erst, als die verbleibenden Bewohner erfahren, dass sie von einer Horde Vampire heimgesucht werden, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, die Einwohner von Barrow in den nächsten Wochen regelrecht auszurotten. Zunächst bewegt sich Oleson mit seiner Frau (Melissa George) und einigen Überlebenden noch von einem Versteck zum nächsten, doch schon bald starten sie einen Gegenangriff.

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Mit der Spiderman-Reihe (2002-2007) ist Horrorurgestein Sam Raimi (The Evil Dead, 1981) in letzter Zeit vor allem als Regisseur familientauglicher Blockbuster in Erscheinung getreten. Dass er nach wie vor als Produzent für das Horrorgenre tätig ist, zeigt sich etwa mit Der Fluch (The Grudge, 2004), Boogeyman - Der schwarze Mann (Boogeyman, 2005) und aktuell mit 30 Days of Night. Die Verfilmung der gleichnamigen Comicreihe von David Niles wurde David Slade (Hard Candy, 2005) als Regisseur anvertraut. Slade überträgt in seiner Umsetzung nicht die Ästhetik des Comics auf Realfilm, sondern versucht sich lediglich an der Inszenierung eines soliden Horrorfilms ohne Überraschungen. Über weite Strecken will ihm aber nicht einmal das gelingen.

Obwohl sich der Vampir über Jahrzehnte als Bösewicht im Horrorfilm behaupten konnte, haftet ihm ein leicht antiquiertes Image an. Während Francis Ford Coppola in Bram Stoker’s Dracula (1992) dieses antiquierte Image ganz offensichtlich mit einem opulenten Ausstattungsfilm zelebriert, haben sich Filmemacher wie Abel Ferrara (The Addiction, 1995) und Claire Denis (Trouble Every Day, 2001) darum bemüht, den Mythos glaubwürdig in die Gegenwart zu übertragen. Ferrara etwa aktualisiert Vampirismus in seinem Film, indem er ihn mit Aids und Drogensucht verkettet. Auch David Slade inszeniert eine moderne Vampirgang, die zwar stilecht mit spitzen Zähnen und schwarzen Mänteln auftritt, sich ansonsten aber von der Ikonografie des klassischen Vampirs löst. Statt den Opfern elegant in den Hals zu beißen, gehen die Vampire in 30 Days of Night wie brutale Schlächter vor und erinnern weniger an herkömmliche Blutsauger, als an die kannibalistischen Zombies aus den Filmen von George A. Romero, wenn auch ohne deren sozialkritische Komponenten und ihr gemächliches Tempo.

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Die Vampire haben hier nichts Verführerisches mehr und verkörpern stattdessen das pure Böse. Sogar gegen die teilweise immer noch existierenden moralischen Gesetze eines Horrorfilms wird verstoßen, indem weder alte Frauen noch Kinder verschont werden. Dass man sich als Zuschauer trotzdem nicht vor diesen Wesen fürchtet, wird zum Hauptproblem des Films. Neben dem Styling der Figuren, dass sich irgendwo zwischen übertriebener Gothic-Ästhetik und Faschingskostüm bewegt, liegt das vor allem an der slawisch anmutenden Kunstsprache, mit der die Vampire hochgestochenen Blödsinn von sich geben und die meiste Zeit eher albern als Furcht einflößend wirken.

Das Drehbuch kann daran auch nichts mehr ändern und scheitert mit seiner ebenso abgedroschenen wie vorhersehbaren Handlung daran, überhaupt Spannung aufzubauen. Als würde sich Slade dieser Defizite bewusst werden, widmet er sich im letzten Drittel seines Films zunehmend der Inszenierung von Splattereffekten. Diese können zwar weitgehend überzeugen, wirken aber inmitten einer dünnen Story und nicht Ernst zu nehmender Bösewichter verloren.

Trailer zu „30 Days of Night“


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