3-D Sex and Zen: Extreme Ecstasy

Geschlechtsverkehr mit Eselpenistransplantat: Der falsche Erwartungen schürende 3D Sex and Zen: Extreme Ecstasy ist kaum mehr als das chinesische Hochglanzpendant der hierzulande überwunden geglaubten „Sex-Klamotte“.

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Im April dieses Jahres war des Öfteren vom angeblich ersten 3D-Porno zu lesen, der in seinem Produktionsland Hongkong am Eröffnungswochenende sämtliche Besucherrekorde brach und damit sogar den bisherigen Spitzenreiter Avatar (Avatar, 2009) vom Thron stürzte. Mittlerweile hat 3D Sex And Zen: Extreme Ecstasy auch Deutschland erreicht. Im Rahmen des Fantasy Filmfests war er auf der großen Leinwand zu begutachten und sorgte auch dort für volle Kinosäle. Außerdem ist für Oktober ein DVD-Release angekündigt. Ein wirklicher Porno, als der der Film ursprünglich gepriesen wurde, ist er natürlich nicht. Zwar gibt es jede Menge nackte Haut und Brüste sowie Kopulationen in allen Stellungsvarianten zu sehen, ein explizites Zeigen von Geschlechtsverkehr und von primären Geschlechtsteilen wird jedoch vermieden.

In seinem Heimatland ist der Film Teil einer längeren Werkreihe, die bis in die chinesische Ming-Dynastie zurückgeht. Li Yus Erotikroman Rouputuan (engl. The Carnal Prayer Mat) aus dem Jahr 1657 dient als vage Vorlage des ersten Teils Sex And Zen aus dem Jahr 1991, dem 1996 und 1998 zwei Fortsetzungen folgten. Speziell der erste Teil genießt in Hongkong Kultstatus, was das große Interesse der Chinesen und auch einiger europäischer Cineasten an der auf Hochglanz polierten Neuauflage erklären könnte. Hinzu kommen sicherlich hohe Erwartungen an das erotische 3D-Erlebnis.

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Diese lässt der Film jedoch ins Leere laufen. Überraschenderweise setzt Regisseur Christopher Sun Lap Key die 3D-Technik nicht ein, um den menschlichen Körper in Szene zu setzen. Die Möglichkeit, ihn in seiner Dreidimensionalität abzutasten und zu exponieren, bleibt völlig ungenutzt. Nur ein einziges Mal wird so eindringlich wie plump ein Paar Brüste in die Kamera gehalten. Ansonsten beschränkt sich die 3D-Gestaltung weitgehend auf die einfallslose Effekthascherei, dem Zuschauer Dolche, Steine und andere Objekte entgegenzuschleudern, die nur allzu deutlich als CGI erkennbar sind. Auch bei seinen Fantasy-Momenten und bei der Darstellung ausgefallener Kulissen wie einer riesigen, in einen Gebirgsabhang integrierten Steintreppe baut der Film ausschließlich auf digitale Bildgeneration, die alles andere als gelungen ist.

Die Handlung ist in der chinesischen Ming-Dynastie angesiedelt und beschränkt sich auf die Umrahmung der Sexszenen. Der frisch verheiratete Gelehrte Wei Yangsheng (Hayama Hiro) findet bei seiner Frau Tie Yuxiang (Leni Lan) nicht die erhoffte sexuelle Glückseligkeit. Im Tempel des Prinzen Ning, der als ultimative Lustgrotte bekannt ist, hofft er in die Geheimnisse der körperlichen Ekstase eingeweiht zu werden. Der Fokus liegt auf Weis Begegnungen, manchmal eher Konfrontationen mit unterschiedlichen Formen der Lust. Daneben reihen sich für das episch-asiatische Kino typische Motive von Macht, Schmach und Rache ein, die vor allem gegen Ende die Erzählung dominieren.

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Die misslungenen Realanimationen unterlaufen wesentlich das Konzept des Films als ein einziges Spektakel, das er gerne wäre. In sattesten Farben führt er in einer kruden Mischung neben dem überwiegenden Softsex Elemente der Komödie, des Fantasy- und Actionfilms zusammen. Gelegentlich gibt es sogar etwas Splatter. In der ersten Hälfte entspricht 3D Sex And Zen: Extreme Ecstasy mit einem derben, teils sehr abstrusen, insgesamt recht flachen Humor dem, was man wohl als Sexklamotte bezeichnet. Vermeintliche Komik wird hauptsächlich über dämliche Gesichtsausdrücke und Albernheiten erzeugt. Beispielsweise ist Wei mit einem äußerst kleinen Penis gestraft, den eine der Liebesdienerinnen mit der Lupe aufspüren muss.

Dass die Kamera den menschlichen, meist weiblichen Körper als ihr primäres Objekt in den Blick nimmt, ist klar. Doch geht es nicht ausschließlich um eine ästhetische, lustvolle Darstellung, sondern auch um Modifikation und Schändung. Eine zentrale Stelle markiert wie schon im ersten Film von 1991 die Transplantation eines Eselsglieds. In der zweiten Hälfte geht die Darstellung sexueller Handlungen dann vom Lustprinzip auf das Schmerzprinzip über, wenn vor allem sexuelle Gewalt in Form von Vergewaltigung, Folter oder auch einem ungewollt todbringenden Koitus zu sehen ist. Maßlos überzogen und damit entschärft kommen auch solche Momente letztlich im Gewand der absurden Klamotte daher.

Nach einem überlangen und ermüdenden Showdown, in dem 3D Sex And Zen: Extreme Ecstasy noch einige Wuxia-Elemente bemüht, entlässt der Film den Zuschauer schließlich mit der abgedroschenen Erkenntnis, dass wahre Liebe viel mehr wert sei als nur körperliche. Auf dem Fantasy Filmfest wurde eine gekürzte Version von ohnehin schon kaum erträglichen 113 Minuten gezeigt. Auf der deutschen Director’s-Cut-DVD soll die Softporno-Tortur voraussichtlich 15 zusätzliche Minuten enthalten. Wer also die nötige Offenheit gegenüber filmischen Untiefen aufbringt, mag das als Empfehlung verstehen – alle anderen seien ausdrücklich gewarnt.

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