28 Weeks Later
Wegen des großen Erfolges von Danny Boyles Zombiefilm 28 Days Later (2002) war eine Fortsetzung nur eine Frage der Zeit. Regisseur und Darsteller haben gewechselt, aber der hektische Horror des Originals ist geblieben.

Vieles ist genauso wie im Vorgängerfilm. Die Musik von John Murphy zum Beispiel, die langsam und unscheinbar beginnt, um sich während der gewalttätigen Sequenzen in Form eines kontrollierten Crescendos in die Szene zu stürzen, dass man sich fragt, ob man hier einen Horrorfilm sieht oder einen Video-Clip. Oder das Eindrücken der Augen im Zweikampf. Das war einer der verstörendsten Momente in 28 Days Later und kehrt nun wieder als eine Art Reverenz, die Regisseur Juan Carlos Fresnadillo (Intacto, 2002) dem ersten Teil erweist. Jenem Film, der 2002 dem Zombie-Genre eine Frischzellenkur verpasste. Danny Boyle drehte beeindruckende Bilder eines entvölkerten London und ließ Untote auf die Menschheit los, die nicht mehr langsam und tapsig waren, sondern durch einen Virus infizierte Tollwütige in einem permanenten Zustand der Raserei. Wobei es rasende Zombies, oder genaugenommen krankhaft aggressive Menschen, natürlich schon in George A. Romeros Crazies (The Crazies, 1973) gab.

Um denselben Virus geht es nun auch in 28 Weeks Later, für den Boyle und sein Autor Alex Garland als ausführende Produzenten fungieren. Der Film beginnt noch zur Zeit der Handlung des ersten Teils, also während des ersten Ausbruchs der Krankheit in England. Eine kleine Gruppe Überlebender hat sich in einem Landhaus verbarrikadiert, darunter Don (Robert Carlyle) und seine Frau Alice (Catherine McCormack). Es schwingt ein wenig von Romeros Die Nacht der lebenden Toten (Night of the Living Dead, 1968) mit, wenn die Infizierten schon bald das Haus angreifen und ihre Arme durch die Lücken in den verbarrikadierten Fenstern stecken. Don gerät in Panik, rennt vor einem Haufen ihn verfolgender Infizierter davon - John Murphys Musik hat hier ihren ersten effektvollen Einsatz - und überlässt seine Frau einem grausamen Schicksal.
Monate später, die Virusopfer sind mittlerweile allesamt verhungert und die Seuche gilt als besiegt, begegnen wir Don erneut. In London, das zu einem kleinen Teil wieder bevölkert wird, nimmt er seine Kinder Tammy (Imogen Poots) und Andy (Mackintosh Muggleton) in Empfang, die zur Zeit der Katastrophe auf einem Schulausflug in Spanien gewesen waren. Der „Grüne Zone“ genannte, angeblich sichere Teil Londons wird überwacht von Truppen unter US-amerikanischer Führung, was ein vielleicht etwas zu deutlicher Hinweis auf Orte wie den Irak oder Afghanistan ist. Fresnadillo zeigt London häufig aus der Luft, von dem Posten des Beobachters aus, statt, wie Boyle, sich von Anfang an in die leeren Straßen zu begeben. Das schafft Distanz, verkörpert in der Figur eines Helikopter-Piloten (Harold Perrineau).

So macht der Film sich über weite Strecken die Perspektive des Militärs zu Eigen: mit Blicken aus der sicheren Entfernung – aus der Luft oder auch durch die Zielfernrohre der Scharfschützen, die wahllos in eine Menge schießen, nicht wissend, wer infiziert ist und wer noch Mensch. Diese Szene ist schrecklicher als die Splatter-Momente, in denen ein Rotor sich durch Körper pflügt. Wenn die Soldaten nach dem erneuten Ausbruch des Virus´ den Befehl erhalten, ausnahmslos alle zu töten, einfach um sicherzugehen, greift 28 Weeks Later ein weiteres Motiv aus Crazies auf, um es auf die Spitze zu treiben. Die Kritik am Militär gehört zu den Fixpunkten im Werk Romeros. Die vermeintlichen Retter in Uniform entpuppen sich in der Regel als die eigentliche Bedrohung. Das ist heute auch in 28 Weeks Later so (und übrigens auch schon in 28 Days Later), trotz der merkwürdigen militärischen Videospiel-Blicke durch das Zielfernrohr, die jede Distanz aufgeben. Der Effekt ist hier vielleicht sogar noch größer, weil der Film den Zuschauer in die unangenehme Position desjenigen setzt, der auf wehrlose Menschen schießt.

Einer der Scharfschützen, Doyle (Jeremy Renner), bekommt Skrupel, und zusammen mit der ebenso selbstlosen Medizinerin Scarlet (Rose Byrne, einer der Lichtblicke in Danny Boyles aktuellem Film Sunshine, versucht er, zu helfen. Warum er das tut, wird nicht recht deutlich, so wie außer Don keine der Figuren besonders ausführlich entwickelt ist. Und Dons Geschichte nimmt ja schon bald eine Wendung, nach der es auf Charakter ohnehin nicht mehr allzu sehr ankommt. Das Drehbuch von Rowan Joffe, Regisseur Fresnadillo, Jesús Olmo und Enrique López Lavigne legt die Betonung vielmehr auf die Schicksalhaftigkeit falscher Entscheidungen - und seien sie noch so gut gemeint. Ähnlich übrigens wie in Sunshine, in dem ja auch eine Fehlentscheidung nach der anderen getroffen wird. Ein ganz auf dieser Linie liegender, wirklich hinterhältiger Plot Twist beschließt 28 Weeks Later und lässt übergroßen Raum für weitere Fortsetzungen, die dann wohl „28 Months Later“ und „28 Years Later“ heißen mögen. Und als wäre das nicht genug, befindet sich außerdem noch ein Remake von Romeros Crazies in der Vorbereitung. Dass Romeros frühe Filme, angesichts der Gewalt in Vietnam entstanden, heute mit Blick auf den Irak und Afghanistan als Inspiration genutzt werden, ist aber auch wenig verwunderlich.
Filmkritik von Thorsten Funke
Veröffentlicht am 03.07.2007
Kommentare zu 28 Weeks Later
Markus K. 31.08.2007 03:46
Der Film ist ziemlich schlecht. Alles beginnt recht gut, Spannung wird aufgebaut, aber dann verfällt er in schlechte Klischees. Zu viele offensichtlich dumme Fehler, eine zunehmend sinnlos werdende Story, relativ billig wirkende Animationen und ein Ende das wirkt als wäre dem Team nach anderthalb Stunden aufgefallen das es langsam zu Ende gehen muss aber keine eine gute Idee dafür hatte. Richtig schlecht. 28 days later war prima, das hier ist total überflüssig.
Andre´ 01.09.2007 13:28
Ich kann nur zustimmen, der Film ist nicht gut, aber was noch nicht angesprochen wurde ist die schreckliche Nervöse Kameraführung.
Bei der bekommt man irgendwann Kopfschmerzen.
Tassilo 02.09.2007 14:16
Ich finde, dass 28 Weeks Later ein sehr würdiges Sequel geworden ist.
Zwar fehlen die ruhigen Momente und die feiner gezeichneten Charaktere aus dem ersten Teil, die diesen auch so einzigartig machten, dafür ist der apokalyptische Aspekt der Epedemie und des Kontrollverlustes beeindruckend in Szene gesetzt. Die Effekte (das Brandbomben-Bombardement z.b.) sind grandios, die Bilder albtraumhaft photografiert, der Score intensiver und das Set perfekt in Szene gesetzt.
Alles in allem ist 28 Weeks Later für mich - gleich nach seinem Vorgänger - der zweitbeste Shocker der letzten Jahre.
"Rage - Virus" 03.09.2007 19:19
Also der film 28 Weeks Later ist um einiges besser als sein vorgänger wenns um horror geht ;)
der film ist sogar für mich beste Horrorfilm des jahres... weil das viel Realistischer rüberkommt als The Hill Have Eayes 2 oder Hostel 2.... z.B die Zene wo Scarellet von Don in der Ubahn mit der m4 erschlagen wird... da diese zene mit der Handcam. gedreht wurde!... die Totale zerstörung, das Tote London und die Armee in ihren GasMasken und Flammenwerfern ergibt ein krasses feeling und zum film ;)... Der ganze film gibt lust auf mehr von Rage Virus.... freu mich schon auf 28 Months Later... des wird da in Russland sein^ und ich frag mich ob Tammy, Andy und der nigga auch im 3 teil sind^
El Capitan 06.09.2007 22:15
*achtung spoiler!*
Wer auf puren horror ohne "realismus" setzt kann sich diesen streifen gerne reinziehen..... allein der ausbruch is lachhaft.....als würde man die gefährlichste person der ganzen welt ohne aufsicht in einem raum hinterlassen,den dann auch noch zivilisten betreten können? (klar der kerl is der oberguru der stromversorgung,aber dennoch ein zivilist)..... zombies können stärkste stahlzäune zerstören,aber scheitern an der fensterscheibe eines kleinwagens...hinzu kommt noch das wohl schlechteste ende der welt!
D@rk<0 26.09.2007 20:49
die nervöse kamerahaltung ist absicht ( wer den ersten teil kennt weiss das ) das ausbruchsszenario ist gut in szene gesetzt und zeigt das völlig koordinationslose durcheinander in katastrophensituationen in einer weise wie ich sie in noch keinem anderen film zu sehen bekommen habe. der einzige makel den ich hier nennen möchte ist die völlig überzogene szene mit dem helikopter die zeit hätten sie besser nutzen können ^^
Grexl 30.12.2007 16:26
Den Anfang finde ich wirklich gut gelungen. Was ich allerdings nicht gut finde ist die Sache mit der Us-army. Warum?. Diese Sachen gibt dem ganzen eine zu sehr amerikanische Note, welche ich in "28 Days Later" mit freunden nicht entdeckt hatte.
Weiters hätte es nicht sein müssen Kinder in den Mittelpunkt des Filmes zu setzten.
leo 25.04.2010 19:06
also ich muss mich da euch anschliessen!
Das Kamera hin und her hat mich im wesentlichen nicht sehr gestört aber ich finde diese klischees in die der film gefallen ist sind einfach zu groß geworden, dass ende jedoch finde ich um ehrlich zu sein gar nicht so schlecht ;) ich find dass zeigt mal wieder die dummheit der menschen und macht bock den 3. teil davon anzuschaun ;)
Martin Z. 25.07.2010 10:30
Blutiger Horror-Trash, prominent besetzt. Es ist ja wohl der Sinn des Films, die Zuschauer zu schocken. Und das tut er auch. Trotzdem bleibt eine langweilige, weil eintönige Handlung übrig. Selbst an die Schocker gewöhnt man sich im Laufe des Films. Manche ahnt man im Voraus. Und wenn man dann die blutunterlaufene Fratze von Robert Carlyle oder die von Catherine McCormack endlich erblickt, verpufft die Wirkung in der Lächerlichkeit. Die Familie, die im Mittelpunkt steht, soll wohl die Emotionen ansprechen, aber da es bei Beteuerungen der Akteure bleibt, kommt das nicht sehr überzeugend rüber. Das Schlimmste ist aber, dass der Film keinen eigentlichen Anfang hat; er beginnt einfach. Und auch kein Ende; da läuft nur der Abspann. Man weiß alles ist gesagt, wischt sich das Blut aus den Augen und sucht einen besseren Film zu finden. Manche Dinge sollte man einfach nicht fortsetzen!
zickzack 25.07.2010 12:08
Nachdem ich damals "28 Days Later" auf DVD zu Gesicht bekam und gestern Nachmittag die Vorschau für "28 Weeks Later" im Fernseh sah, machte ich mich auf einen spannenden Fernsehabend gefasst. Spannend fiel er dann auch aus, das lässt sich nicht leugnen, aber ehrlich gesagt rauben einem die merkwürdigen, unrealistischen Szenen und Gegebenheiten den Spaß am Film. Ich möchte einige Beispiele nennen: 1) Wieso wird die Wirtin und damit einzige noch lebende Trägerin des Virus unbewacht gelassen? 2) Als das Virus ausbricht, werden die Zivilisten in eine Tiefgarage gesperrt, die ja scheinbar zwei Eingänge hat. Nur der Eingang nach vorne wird abgesperrt, durch den anderen Eingang bricht Don in die Garage... 3) Als die überlebende Gruppe aus dem District 1 flüchtet, ohne dass Infizierte in Sichtweite sind, werden sie plötzlich von einer Horde überrascht, die, ich weiß nicht wo, herkommt. Haben die Infizierten einen Instinkt, wo die letzten 5 überlebenden Menschen hinflüchten und folgen ihnen genau den Weg aus District 1 hinaus? 4) Code Red hin oder her, welcher normale Hubschrauberpilot würde eine Gruppe augenscheinlich gesunder Menschen nicht mitnehmen? Wieso sagt Doyle nicht einfach, dass die Kinder der Schlüssel für einen Impfstoff sein könnten? Genauso unlogisch ist es, dass der Kampfhubschrauber auf das fahrende Auto der Überlebenden schießt, oder fahren Infizierte neuerdings auch Autos? 5) Und wie könnte es anders sein: Aus dem Auto wird direkt in den dunkelsten U-Bahntunnel geflüchtet. Ich verstehe ja, dass man damit Spannung erzeugen will, aber ein jeder wäre doch froh, nicht dort hinunter zu müssen in solch einer Lage. Unten wartet dann natürlich der instinktsichere Don, der überall zu sein scheint. Das sind nur ein paar, für mich, unrealistische Punkte. Im ersten Teil wurde das besser umgesetzt. Da erfährt man ganz klar, wieso die Flüchtenden den Tunnel nutzen und Untertage gehen. Außerdem sind die Infizierten da auch noch nacht-aktiv und das ganze scheint irgendwie stimmiger.
Natürlich kann man von einem Apokalypse-Film nicht kompletten Realismus erwarten, aber wenigstens Schlüssigkeit und eine Illusion, die im Ganzen Sinn macht, würde ich mir wünschen.
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Blog: Berlinale im Dialog

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Film-Angaben
Titel: 28 Weeks Later
USA 2007
Laufzeit: 99 Minuten
Regie: Juan Carlos Fresnadillo
Drehbuch: Rowan Joffe, Juan Carlos Fresnadillo, Jesús Olmo, Enrique López-Lavigne
Produktion: Enrique López-Lavigne, Andrew Macdonald, Allon Reich
Darsteller: Robert Carlyle, Rose Byrne, Jeremy Renner, Harold Perrineau, Catherine McCormack, Mackintosh Muggleton, Imogen Poots, Idris Elba
Kinostart: 30.08.2007
DVD-Angaben
Titel: 28 Weeks Later
Vertrieb: 20th Century Fox
Bild: 1,85:1, 16:9
Sprache(n): Deutsch (DD 5.1), Englisch (DD 5.1)
Untertitel: Deutsch, Englisch, Deutsch für Hörgeschädigte, Türkisch
Altersfreigabe: keine Jugendfreigabe
Spieldauer: 96 Minuten
Extras: Kommentar von Juan Carlos Fresnadillo und Enrique López Lavigne; Entfallene Szenen mit optionalem Kommentar von Juan Carlos Fresnadillo und Enrique López Lavigne; Code Red: Das Making-Of von „28 Weeks Later”; Die Infizierten; Die Action in „28 Weeks Later”; „28 Days Later” Comic: The Aftermath : Stufe 1 „Entwicklung“; „28 Days Later” Comic: The Aftermath : Stufe 3 „Dezimierung“; Kinotrailer
Verleih ab: 14.01.2008
Verkauf ab: 25.02.2008
Copyright 28 Weeks Later
Fotos: © 20th Century Fox
BERLINALE 2012

Unser Special zur Berlinale 2012 - mit Kritiken, Empfehlungen und Trailern. www.critic.de/berlinale/
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