21

Ein junges Mathegenie aus Boston wird zum Big Player in Las Vegas. Natürlich-blond-Regisseur Robert Luketic versucht sich in einer Mixtur aus Casino-Thriller, Campus-Drama und klassischer Aufstiegsgeschichte.

21

Verfluchte Ökonomie der Aufmerksamkeit: Was nützt ein makelloser Lebenslauf, wenn er zu langweilig ist? Um das ersehnte Harvard-Stipendium zu bekommen und sich irgendwie von den nicht minder strebsamen Mitbewerbern abzuheben, braucht Ben Campbell (Jim Sturgess) etwas, was in seinem Leben bisher fehlte: eine gute Geschichte. „Dazzle me!“, so sein Professor im Bewerbungsgespräch – so die Eröffnung von 21.

Einen guten Stoff findet Ben, derzeit Student am MIT, dann auch schnell – und zugleich einen Job, der das Stipendium hinfällig macht: Eine kleine Schar junger Blitzdenker um seinen Matheprof Micky Rosa (Kevin Spacey) fliegt jedes Wochenende inkognito nach Las Vegas, um Casinos auszunehmen – ganz legal, versteht sich. Sie sind auf Black Jack spezialisiert, eines der wenigen Glücksspiele, deren Verlauf bis zu einem gewissen Grad vorhersagbar ist. Ein gutes Gedächtnis und starke Nerven vorausgesetzt, lassen sich durch das Zählen der gespielten Karten die Gewinnchancen ausrechnen. Besonders gut klappt das im Team und mit einer einstudierten Geheimsprache, und Ben ist genau der Mann, den die Gruppe noch braucht – ein Superhirn, das sich von Emotionen nicht ablenken lässt. Freilich ist es trotzdem das Lächeln der hübschen Jill (Kate Bosworth), das ihn schließlich zum Einstieg bewegt.

21

Campbell führt uns als Off-Erzähler durch den Film, die meisten Szenen sind perspektivisch eng auf ihn fokussiert, während der Spieltisch-Sequenzen bilden Zeitraffer und Zeitlupen seine Emotionen ab (wovon er offensichtlich mehr besitzt, als sein Mentor glaubt). Gleichzeitig wird schon vorm ersten Vegas-Ausflug sein Gegenspieler etabliert, der Security-Chef Cole Williams (Laurence Fishburne), der Kartenzählern, die ihm ins Netz gehen, in den Hinterzimmern der Casinos Mores lehrt. Dass alles auf eine finale Konfrontation zwischen den beiden hinausläuft, ist sofort klar – klassischer Suspense, wenn auch recht moderat dosiert. Bevor es so weit ist, muss Campbell alle Proben bestehen, die Hollywood für ein gefährdetes junges Genie wie ihn vorsieht: Natürlich kommt es zu Spannungen in der Gruppe, weil Rosas vormaliger Lieblingszögling (Jacob Pitts) nun nur noch zweiter Mann ist und eifersüchtig wird. Natürlich vernachlässigt Ben über Reichtum und Spielsucht seine alten Freunde und gerät auch bald in Versuchung, Micky Rosa selbst vom Thron zu stoßen. Und plötzlich scheint das gewonnene Geld futsch zu sein. Vorhersehbare Konflikte allesamt, und viel zu kurz angedeutet, um wirkliches Interesse zu wecken.  Auch die Liebesgeschichte mutet dem Zuschauer kaum Überraschungen zu. Immerhin, dem Schauwert der Las-Vegas-Szenen kann das nichts anhaben. Es macht Spaß, der Gruppe beim Verkleiden, Spielen und Feiern zuzusehen, die Black-Jack-Szenen selbst sind mit wenigen Blickwechseln und rasanten Close-ups auf Karten und Spielchips knapp, aber effektiv inszeniert.

Sicher wüsste man gern mehr über das Spielsystem, auch über die Hintergründe der Gruppe, zumal das Ganze auf einem wahren Vorfall beruht. Der vermeintliche Identitätswechsel der Figuren beschränkt sich, da schon ihre echten Charaktere kaum mehr als Skizzen sind, hier im Grunde auf das Wechseln der Kleidung.

21

Interessanter ist da schon der Wechsel der Schauplätze. Boston und Las Vegas haben ihren festen Platz in der amerikanischen (Film-)Mythologie und wurden so ähnlich wie hier schon häufig gefilmt, die in edlen Braun- und Grautönen gehaltene Campus-Welt ebenso wie das glitzernde Sündenbabel in Nevada. In dieser Form gegenübergestellt werden dürften sie das erste Mal. Orte, die ästhetisch unterschiedlicher kaum sein könnten – doch was den Ethos betrifft, fördert der direkte Vergleich mehr Ähnliches zutage, als der altehrwürdigen Universitätsstadt lieb sein kann. In Sachen Glamour, Schick und Sexyness hoffnungslos unterlegen, dreht sich dennoch auch hier alles um Wettkampf und Geld.

Überhaupt wird hier für einen Gute-Laune-Film recht viel über Geldsorgen geredet. Die Leidenschaften sämtlicher Figuren sind nur Vorwand für ihre – mehr oder weniger dringenden – finanziellen Interessen. Rosa macht keinen Hehl daraus, dass sein Spielsystem für ihn reines Geschäft, der intellektuelle Kick und die Versuchungen des Nachtlebens allenfalls Nebensache sind, und ein guter Köder für seine Rekruten. Für den Security-Mann Williams geht es um alles oder nichts, im Zeitalter von Videokameras und Gesichtsscreening sind seine Tage gezählt, und um seine Rente zu sichern, muss er sich etwas Lukrativeres einfallen lassen als Falschspieler zu erwischen. Auch der ulkige Roboter-Wettbewerb, dem Campbells nerdige Campus-Freunde jede freie Minute opfern, dient vor allem als Karrieresprungbrett.

21

Man sollte diesem harmlosen Film natürlich nicht zu viel Ambition andichten. Doch immerhin gibt diese Lesart den zahlreichen Nebenhandlungen (es gibt sogar noch ein paar mehr), die den Hauptplot um den Casino-Beutezug erheblich ausbremsen, eine Funktion, ebenso der ziemlich langatmigen Exposition um Jacks Stipendium. So wird aus 21 ein zwar allzu unbekümmerter, aber dafür auch recht pathosfreier Film über die Frage, wie man trotz schlechter Startbedingungen seine Bewerbungsmappe ausschmückt. Die zu erwartende moralische Kehrtwendung, wonach am Ende angeblich doch der Ehrliche siegt, wird nur vorübergehend angetäuscht. Lediglich eins erweist sich als vielleicht lohnender als beim Spielen zu schummeln: eine gute Geschichte zu erzählen.

Trailer zu „21“


Trailer ansehen (1)

Kommentare

Es gibt bisher noch keine Kommentare.






Kommentare der Nutzer geben nur deren Meinung wieder. Durch das Schreiben eines Kommentars stimmen sie unseren Regeln zu.