2012
Sintflut über Sodom und Gomorra! 2012 ist das große Schaulaufen des Katastrophenfilms: Volcano meets Deep Impact meets Poseidon.
Viel Wirbel wurde gemacht um 2012, die „Mutter aller Katastrophenfilme“: die Trailer ließen selbst die größten Kinosäle erbeben, im Internet stimmte uns Woody Harrelson als Weltuntergangsguru Charlie Frost schon mal auf die große Sause ein und die Feuilletons diskutierten Sinn und Unsinn der Endzeitvision, die allerlei geheimnisvolle Prophezeiungen einhellig auf 2012 vorweg datierten. So viel Kampagnen und Diskussionen entfachen natürlich einen beachtlichen Sturm an Aufgeregtheit und vorschneller Deutung. Doch was bietet 2012, ganz nüchtern betrachtet, an neuen Facetten im Emmerichen Apokalypsekosmos?
Roland Emmerichs Werk zeichnet sich, bei allem vorherrschenden Stumpfsinn, durch eine große thematische Geschlossenheit aus. Figurenkonstellationen, Konfliktursachen, Drehbuchorganisation sowie seine ganz eigene, grobschlächtige Poesie verbinden sich zu einer unverkennbaren Sprache. Die vordergründige Zerstörungswut bildet dabei nur einen oberflächlichen gemeinsamen Nenner. Denn Emmerich will weniger die Welt zerstören, als aus ihrer Asche eine neue entstehen lassen. Seine Filme zeugen von der Suche nach dem großen Reset-Schalter, der all die Ungerechtigkeiten und Verwüstungen der menschlichen Zivilisation tilgt. In Emmerichs gewalttätigen Humanismus drückt sich ein ums andere Mal der Glaube aus, dass nur eine Katastrophe globalen Ausmaßes unsere Zwiste und Rassismen vergessen machen kann.
So gigantisch Emmerichs Szenarien sind, so eng bleiben die Kategorien menschlicher Tugenden, in die er seine Hoffnung legt. Im Kern ruht sein Glaube an die Phönixgeburt des Menschen auf dessen Vermögen zu Vernunft und Liebe, sowie deren Symbiose: dem Opfer.
Die Agenten der Vernunft mimen die Wissenschaftler, hellsichtige Kassandras, aus deren Reihen sich in fast allen Filmen Emmerichs eine der Hauptpersonen rekrutiert: Jeff Goldblum als Kommunikationsexperte in Independence Day (1996), Dennis Quaid als Klimatologe in The Day After Tomorrow (2004) und nun Chiwetel Ejiofor als Geologe in 2012. Sie alle setzen ihre gesamte Kraft für die Rettung des noch zu Rettenden ein, gehorchen einem Schuldkomplex, der sich aus der Verantwortung der Wissenschaft für die schreckliche Verfassung der Menschheit speist. Denn Emmerichs Bild der Wissenschaft bleibt immer ambivalent: Einerseits verteufelt er deren Exzesse und labt sich an ihrer Sprachlosigkeit angesichts der ungezügelten Mächte der Natur (wie viele schreckenstarre Blicke ins Off, wie viele aufgerissene Münder vor dem reverse shot auf das Spiel der Erdgewalten). Andererseits jedoch bietet allein der wissenschaftliche Fortschritt den Weg ins Heil: Im Falle von 2012 in Form metallener Riesenarchen, die aussehen wie ein Zwitter aus U-Boot und Raumschiff.
Die Liebe ist in Emmerichs Weltbild streng heterosexuell-partriarchal kodiert. Es geht ums nackte Überleben, und dafür braucht es echte Männer. Der echte Mann ist der Beschützer seiner Nächsten, die wahre Mannesliebe ist entsexualisiert und stark, sie gilt dem Sohn eher als der Frau. Sexuelle Liebe ist in Zeiten der Krise zweitrangig, Fortpflanzung eine postapokalyptische Labsal. Die Zukunft will erkämpft werden. In jedem seiner Filme konfrontiert uns Emmerich mit zerrütteten Vater-Sohn Beziehungen, und immer ist der Kampf ums Überleben eng verzahnt mit dem Ringen um die Annerkennung durch den Sohn. Der Vater ist erst dann Vater, wenn er Held sein kann. Dafür schickte Emmerich Dennis Quaid durch die Eishölle, lässt in 2012 John Cusack Autorennen durch ein im Erdinnern verschwindendes Los Angeles fahren und schoss Judd Hirsch als Kamikaze-Weltenretter direkt in den Plasmastrahl der außerirdischen Invasoren.
Denn dies, das Opfer zum Schutz der Geliebten, ist in Emmerichs Kosmos der ultimative Akt des Heroen. Vernunft allein führt zu egoistischer Selbsterhaltung, Liebe allein (repräsentiert durch die Frauen, die in 2012 nicht viel mehr machen als ihre Kinder in den Armen halten) ist schutzbedürftig und passiv. Nur wenn Liebe die Vernunft über die Belange des Selbst heraus katapultiert, wird der Mensch wahrhaft groß.
Bei solch ehernen Moralkonzepten verwundert es kaum, dass Emmerich ein ums andere Mal scheitert, wenn er versucht, Menschlichkeit zu inszenieren. Er stellt seine Schauspieler in billige Sets, leuchtet sie aus wie für eine Daily Soap, schießt brav Dialoge auf althergebrachte Weise von links und von rechts und drückt damit doch nur in jeder Sekunde die Sehnsucht aus, schnell wieder zu Bildern mit viel Krach, Rauch und Explosionen zu gelangen. Denn sein Wertesystem ist von solch archaischer Einfachheit, dass die Aufnahmen vom Weltuntergang zum primären Ausdrucksmittel und Bedeutungsträger seines Weltbildes werden. Der Metadialog über das Ringen um väterliche Liebe und Heldentum braucht als Widerpart der Kämpfer den größten aller Antipoden: die entfesselten Natur.
Also zuletzt doch: Wie steht es um die Blockbusterqualitäten von 2012? Die Antwort fällt zwiespältig aus: So beeindruckend-größenwahnsinnig einige der Katastrophenaufnahmen sein mögen, so geht dem ganzen CGI-Brimborium doch eine haptische Qualität ab. Den Bildern der Flutwellen mangelt es an Textur, an Rauheit. Die (fiktive) Kamera mag noch so sehr wackeln, wenn Flugzeugträger Regierungssitze zermalmen: Irgendwie bleibt all das doch eher niedlich als furchteinflößend. Emmerichs naives Menschenbild findet sein Gegenüber in einer kindlichen Freude am Kaputtmachen, und beides rauscht an der Leinwandoberfläche entlang, ohne merklich Spuren zu hinterlassen. Aber, und das muss gesagt sein: Seine Vision ist in ihrer klinischen Schlichtheit derart schlüssig, dass für Entertainment allemal gesorgt ist.
Kritik von Nino Klingler
Veröffentlicht am 05.11.2009
Kommentare zu 2012
M.K 17.11.2009 08:23
Ich habe den Film gestern gesehen und fand ihn nachdem was ich in den Vorschauen gesehen habe eher enttäuschend.Die Effekte sind gut aber eher billig gemacht.Der Film zieht sich unheimlich in die Länge und ist überzogen gehalten.Verschiedene Szenen wirken so unreal und man ganz klar die Computeranimation erkennen.Nach den anderen Katastrophenfilmen ist dieser Film eher nicht so faszinierend und würde mich jetzt nicht dazu bringen ein zweites Mal ins Kino zu gehen oder mir einmal die Dvd zu kaufen.Nun ja sicher ist meine Meinung nur eine von vielen, also selber schauen !!!
distefano 20.11.2009 09:00
Eine kurze Filmbeschreibung zu 2012:
Die Effektszenen aus dem Computer sind nicht schlecht.
Der Rest ist einfach nur unnötig.
Die private Familienstory des Hauptdarstellers kann man nur als typisch Amerikanisch (primitiv und verblödet) bezeichnen.
Was der Hauptdarsteller in diesem Film durchmacht und überlebt, kann mit Worten gar nicht zusammengefasst werden.
Fazit:
Ein typisch amerikanischer – USA Helden überleben einfach alles – SCHEISSFILM !!!!!!!!!
Spart euch das Geld für diesen Dreck !!!!!!!!!!
H.E. 21.11.2009 13:29
Die o.a. Filmkritik spricht mir aus dem Herzen, ist aber seeeehr diplomatisch. Meine Meinung:
Der Film müsste auf den Index für geistigen Totschlag. Warum der Film erst ab 12 Jahre zugelassen wird, ist mir ein Rätsel. Da ist in jedem Grimm-Märchen mehr Gefährdungspotential als in diesem Film. Jeder Euro, jede Minute, die man ins Zuschauen eines solch schaurigen Unsinns investiert sind für umsonst. Wer sich am gigantisch aber ohne jede Logik oder erklärbaren Hintergrund inszenierten Weltuntergang berauschen kann, der kann sich diesen Schmarren ja reinziehen. Allen anderen sei gesagt, dass jede Butterstulle und jedes Bier mehr körperliche und geistige Befriedigung bringen als der Konsum dieses Filmes.
Uwe 22.11.2009 23:18
Hallo!
Habe heute den Film 2012 mit meiner Frau angeschaut. Ich muß sagen! einfach super.
Aber was mich sehr daran stört! ist FSK 12
Der Film hat so viel Gefühl und es sterben so viele Leute, daß dieser normal FSK 16 sein müßte. Bekannte von uns, haben sich den Film gestern angeschaut mit ihrer Tochter und die ist 14. Sie konnte die ganz Nacht nicht schlafen und mußte im Kino ein paar mal weinen.
Ich hatte schon einige Filme angeschaut, die weit harmloser waren und die hatten FSK 16.
Gruß: Uwe
Rosemarie 02.12.2009 16:57
Muss Uwe voll zustimmen, habe den Film mit meinem Mann gesehen und konnte die ganze Nacht nicht schlafen, bin 53 Jahre. Seine beiden Töchter, 12 und 14 haben ihn ebenfalls gesehen und sind immer noch fix und fertig. Wie kann man sowas ab 12 Jahren freigeben?
olli 26.12.2009 14:21
Das war mal wieder ein typischer Emmerich..das ganze Geld ging in Special FX, und ein bisschen für die Schauspieler-Gagen..fürs Drehbuch reichte wohl ein Bierdeckel. Flach, pseudo-wissenschaftlich, überflüssig.
Was ein Glück, dass ich hierfür kein Geld ausgeben musste, hätte mich noch mehr geärgert als die verschenkte Zeit.
23 14.01.2010 02:15
Der Film ist einfach viel zu lang. Die Bilder sind geil. Viel Krach Bumm.- Wie ichs mir gewünscht hatte. Aber eben viel zu kurz . Stattdessen eine hahnebüchend langweilige story, das mich am Schluss selbst die Effekte nicht mehr begeistern konnten. Trotzdem mit den Effekten und einem anderen Regisseur (Steven Spielberg) ... Und mein Sommerblockbuster für 2012 wäre fertig. Allerdings würde er dann "Krieg der Welten 2 " heißen . -
The_Unknown_One 07.03.2010 22:22
Zur Unterhaltung ist der Film recht nett und macht leichgläubigen Menschen etwas muffsausen.
Von der Spannung her doch sehenswert.
Allerdings fühlt man sich als Russe von diesem Film diskriminiert -.- Die Aussprache der "Russen" in dem Film ist echt grausam und stachelt teilweise das Klischee von groben, lauten, dröhnenden, eigenartigen redenen Russen regelrecht an.
Mein Kommentar: Die Amis stehen immer noch drauf Russen fertig zu machen.
David 24.03.2010 09:09
Oh mein Gott.. Hab ihn mir grade angeschaut und ich bereue es 90 min meiner kostbaren zeit fuer dieses, versagen kann mann schon sagen, geopfert zu haben. Absolut schlechte dialoge und synchronisation, special effects die jeder mensch der ms paint bedienen kann hatte besser darstellen koennen. Vorhersehbar von der ersten bis zur letzten minute. Katastrophenfilm hin oder her, da gibt es bessere. AUF KEINEN FALL ANSCHAUEN! Sogar eine Raupkopie waere es nicht wert..
Andreas Jacke 24.03.2010 11:48
Emmerichs letzter Versuch den Weltuntergang darzustellen weicht nicht sehr von seinigen vorherigen Versuchen ab. Der Film überzieht an vielen Stellen absichtlich und bekommt so durch seine Irrealität eine unterhaltsame Form. Der Film toppt seine Vorgänger in der Technik, die eben unterdessen noch etwas weiter ist und er reagiert auf Spielbergs "Krieg der Welten". Man muss ihn nicht gesehen haben - aber manchmal bekommt man den Eindruck, dass deutsche Regisseure bei uns zuwenig an internationalen Masstäben gemessen werden. Und da hat dieser Film sein Ziel einfach erreicht. In die Kinogeschichte kann er gar nicht eingehen- weil es sich um ein Selbst-Remake handelt. Avatar fand ich nicht klüger.
Joker 20.05.2010 20:52
Ich verstehe euch alle nicht. Ich habe diesen Film einmal gesehen und fand ihn super! Er ist einer meiner Lieblingsfilme und ich könnte ihn mir 5 mal ansehen. Nichts ist hier überzogen oder schlecht gemacht, alles nur quatsch!!!
Icke 02.06.2010 13:25
AAAAAAhrg!!!! Mist, wieder wertvolle Lebenszeit verschwendet... Die Bilderflut könnte man ja noch eindrucksvoll nennen, wenn die Story nicht so ein RIESENMÜLL wäre...
Erstes Beispiel: Ne, ist klar, der "aber ich habe doch erst ein paar Stunden"-Pilot heizt 3, in Worten: drei, mal mit einem Flugzeig in Topgun-Manier durch einstürzende Neubauten, respektive Aschewolken...
Zweites Beispiel: Die Schotten sind dicht, MIST, aber gut, das über uns GITTERROSTE sind, aus denen auch noch Wasser rieselt, äh, da oben sind wohl gar keine Schotten? mhhh...
Drites und, wie ich finde, bestes Beispiel:
AAAAHRG, wir können die MASCHINEN nicht starten!!! Warum??? Was für eine blöde Frage, weil die SCHEIßTÜR noch offen ist!!!
Alter Schwede, da war es um mich geschehen, hab ich gebrüllt vor Lachen...
Sehenswert? Vielleicht, aber nur, wenn man keinerlei Glaubwürdigkeiit oder sinvolle Geschichte braucht...
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Film-Angaben
Titel: 2012
USA, Kanada 2009
Laufzeit: 158 Minuten
Altersfreigabe: ab 12 Jahren
Regie: Roland Emmerich
Drehbuch: Harald Kloser, Roland Emmerich
Produktion: Harald Kloser, Mark Gordon, Larry Franco
Bildgestaltung: Dean Semler
Montage: David Brenner, Peter S. Elliot
Musik: Harald Kloser, Thomas Wander
Darsteller: John Cusack, Chiwetel Ejiofor, Amanda Peet, Oliver Platt, Thandie Newton, Danny Glover, Woody Harrelson, George Segal, Morgan Lily, John Billingsley, Jimi Mistry, Liam James, Blu Mankuna
Kinostart: 12.11.2009
DVD-Angaben
Titel: 2012
Vertrieb: Sony Pictures
Bild: 2,40:1
Sprache(n): Deutsch (DD 5.1), Englisch (DD 5.1), Türkisch (DD 5.1)
Untertitel: Deutsch, Englisch, Türkisch (DD 5.1)
Altersfreigabe: ab 12 Jahren
Spieldauer: 151
Extras: Kommentar mit Drehbuchautor/Regisseur Roland Emmerich und Co-Drehbuchautor Harald Kloser; Roland Emmerich: Meister des modernen Epos; Alternatives Ende; Entfallene Szenen
Verleih ab: 25.03.2010
Verkauf ab: 25.03.2010
Copyright 2012
Fotos: © Sony Pictures
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