2 Tage New York

„Vincent Gallo ate my soul.“ 

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Exzentrik und Neurose kurz vorm emotionalen Ausbruch sind die Säulen der absurden Komik der Regisseurin Julie Delpy. Im Zentrum: die geplagte Seele. Einst mit viel Eloquenz von Woody Allen auf der Leinwand seziert, bietet sie Fotografin Marion (Delpy) in Zeiten der wirtschaftlichen Krise, als Akt konzeptueller Kunst, dann lieber zum Verkauf. Doch so ganz ohne Seele lebt’s sich auch nicht leichter, und die neurotischen Ausbrüche des weiblichen Pendants zu Allens Alvy Singer finden sich eher noch gesteigert. Der verzweifelte Versuch, Abnehmer Vincent Gallo davon zu überzeugen, ihr die Seele zurückzuerstatten, scheitert, auch der beherzte Griff zwischen seine Beine – wo Gallo sie sicher verwahrt – bleibt erfolglos, und so landet ihre geplagte Seele schließlich in des Käufers Magen. Marion ist verzweifelt. Es sind Szenen wie diese, die den Reiz von 2 Tage New York ausmachen und die Delpys Talent zur Inszenierung des Absurden demonstrieren.

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Fünf Jahre sind vergangen seit 2 Tage Paris – in ihrem Sequel, auf der anderen Seite des Atlantiks und mit neuem Mann an der Seite (Chris Rock als Mingus), mischt Delpy in 2 Tage New York ihr exzentrisches Romcom-Quartett neu und spielt zwar mit denselben Karten, diesmal aber mit besserer Hand.

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War der Off-Kommentar in 2 Tage Paris noch witzerklärender Störfaktor, setzt Delpy ihn nun reduzierter und pointierter ein, um Inhaltslücken zusammenfassend zu erläutern und ab und an ironische Bemerkungen einzustreuen; insgesamt gelingt ihr so ein harmonischeres Spiel zwischen On- und Offscreen als noch beim Vorgänger. Bei der Figurenkonstellation setzt sie auf Altbewährtes – exaltierte Neurotiker verschiedener kultureller Hintergründe treffen aufeinander –, während die Ausgangssituation einfach nur umgedreht wird: Statt Familienbesuch in Paris mit vom Zynismus geplagten Exfreund Jack (Adam Goldberg) fallen dieses Mal die Franzosen in Marions und Mingus Apartment in New York ein. Papa Jeannot (Albert Delpy), Schwester Rose (Alexia Landeau) und Freund Manu (Alex Nahon) übernehmen das traute, halbwegs geordnete Heim und treiben Marion, Mingus sowie alle übrigen in den Wahnsinn und darüber hinaus.

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Im Idealfall kommen dabei ironische Dialoge über die Unmöglichkeit der Koexistenz von erotischer Spannung und ,nerdigen‘ Brillen heraus. Und auch Chris Rock, der im Kontrast zur französischen Bagage fast normal wirkt, trägt hier seinen Teil mit viel Sprachwitz lost in translation und ironischen Onelinern bei („Just cause he’s a black president doesn’t mean I can’t get critical“) und überzeugt ganz unneurotisch neben Marion. Wie schwierig es dann aber tatsächlich ist, das kulturelle Chaos über die gesamte Länge des Films mit einer dem Genre angemessenen Leichtigkeit zu inszenieren, wird auffällig, wenn Delpys Film von der Absurdität in Culture-Clash-Klischees abrutscht. Die szenische Verarbeitung kultureller Stereotype ist ein komplizierter Balanceakt, bei dem auch Altmeister Allen mal daneben greift (Ich sehe den Mann deiner Träume, You Will Meet a Tall Dark Stranger, 2010). Dieses Problem bekommt auch Delpy nicht ganz in den Griff: Nicht immer hat der Film die nötigen satirischen Qualitäten, um aus Stereotypen auch tatsächlich ironische Funken zu schlagen. Das Wurst- und Käsegeschäft, das Papa Jeannot in seiner Hose gleich zu Beginn des Films versucht ins Land zu schmuggeln, bleibt da leider nicht der einzige Ausrutscher. Auch Szenen wie die Nippelblitzer von Rose im Yogakurs sind zu flach, um wirklich komisch zu sein.

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Ästhetisch verharrt 2 Tage New York zwar konventionell, aber stimmig in typischem Indie-Look. Nahtlos fügt Delpy die Fotocollagen, die bereits aus Paris vertraut sind, zusammen mit liebevoll arrangiertem Handpuppentheater in den Film ein. Das französisch-exzentrische Chaos dieser Szenen bleibt in New York dann aber leider zu sehr auf dem Boden, um mit der fantastischen Absurdität des restlichen Films mitzuhalten. Richtet sich der Fokus auf Marions skurrile Eskapaden und die Belanglosigkeit des Alltags, fährt Delpy zu humoristischen Glanzleistungen auf und inszeniert den neurotischen Sinn des Lebens auf leichte, wenn auch ungefährliche Weise.

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