2 Guns

Zwei Knarren für ein Halleluja.

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Baltasar Kormákur ist endgültig in Hollywood angekommen. Anfang des Jahrtausends für seine schwarze Komödie 101 Reykjavík (2000) gefeiert, präsentierte der isländische Regisseur bereits letztes Jahr mit Contraband seine erste amerikanische Großproduktion. Während diese aber durchaus noch Teil der Indie-Karriere Kormákurs war – der Film war ein Remake des isländischen Reykjavik-Rotterdam (2008), in dem er für Produktion und Hauptrolle verantwortlich zeichnete – ist diese heimatliche Verortung nun endgültig gekappt: 2 Guns beruht auf einer Graphic Novel der amerikanischen Boom! Studios. Wer deshalb aber nun an ein digital poliertes Schnittfeuerwerk mit exzessiv ästhetischer Aufladung denkt, sieht sich getäuscht. Kormákur geht den Retro-Weg und inszeniert ein recht klassisches, eher an der Western-Ästhetik der 1970er Jahre orientiertes Katz-und-Maus-Spiel, mit einem betont analogen, abgewetzt wirkenden und immer leicht ins Gelb abrutschenden Bild und einigen wenigen schnörkellosen Schießerei- und Gewaltszenen.

Der vorlaute Draufgänger Michael Stigman (Mark Wahlberg) und sein partner in crime Robert Trench, gespielt von der Inkarnation afroamerikanischer Good-Cop-Bad-Cop-Coolness Denzel Washington, gehen nach einem missglückten Deal mit dem mexikanischen Drogenbaron Papi Greco (Edward James Olmos) der Grenzpolizei in die Fänge. Schnell wird für den Zuschauer klar, dass beide Protagonisten ein mindestens doppeltes Spiel spielen: Trench ist ein undercover agierender DEA-Agent, Stigman ein Navy Officer. Die Tarnung wird in der Diegese aber erst einmal aufrechterhalten, zusammen überfallen die beiden Protagonisten eine Bank, um Greco der Geldwäsche überführen zu können. Statt der erwarteten drei erbeuten sie jedoch satte 43 Millionen Dollar. Das weckt Begehrlichkeiten und schneller als gedacht finden sich die beiden als gejagte Bauernopfer im Kreuzfeuer einiger wirklich mächtiger Player wieder. Da heißt es, sich zusammenzuraufen.

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Zwei sehr unterschiedlich gezeichnete Charaktere gegen den Rest der Welt. 2 Guns ist ein moderner Buddy-Film und schreibt sich damit in eine sehr hybride Genregeschichte ein, verwirklichte sich dieses vor allem auf die Figurenkonstellation abzielende Label im Verlauf der Filmgeschichte doch in ganz unterschiedlichen Formen. War dies bis Mitte des letzten Jahrhunderts vor allem jene der Komödie (von Laurel und Hardy bis hin zum Duo Matthau/Lemmon), so trat die männlich-männliche Figurenpaarung in den 1960er und 1970er Jahren vor allem im Bereich des Road Movie und des Western (Butch Cassidy und Sundance Kid, 1969; Die letzten beißen die Hunde, Thunderbolt and Lightfoot, 1974) zutage. In den 1980er und 1990er Jahren tauchten die Buddies schließlich im Action- und Polizeifilm auf, der gleichzeitig vermehrt auf „gemischtrassige“ Kombinationen setzte (Lethal Weapon, 1987; Men in Black, 1997). 2 Guns scheint nun all diese Fäden auf einmal aufnehmen zu wollen. Der Film ist Neo-Western, Comedy und Cop-Thriller zugleich. Das amerikanisch-mexikanische Grenzgebiet wird nicht zu Pferd, sondern mit Sixties-Sportwagen und prolligen Trucks durchquert, der klassische Stetson-Cowboyhut ist durch ein lässigeres Strohmodell und Sonnenbrille ersetzt. Statt vielsagenden Blicken setzt Kormákur auf Sprachhysterie: Die flotten Sprüche scheinen im Film niemals auszugehen, neben gut getimeten Dialog-Kaskaden sorgt vor allem die von Mark Wahlberg verkörperte Figur des Michael Stigman mit ihrer großmäuligen Geschwätzigkeit immer wieder für Lacher, nur um dann im nächsten Moment wieder als smarter Hard Body zu fungieren – ein Terrence Hill der Neuzeit.

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Während sich die Gewalt in den Kult gewordenen Western-Komödien mit Hill und dessen schwergewichtigem Partner Bud Spencer aber eher phlegmatisch und aus dem persönlichen Genuss heraus vollzieht, ist sie in 2 Guns existenziell motiviert: Trotz coolem Style und souveräner Sprachgewandtheit sind die beiden Protagonisten von Beginn an als handlungsohnmächtige Individuen gezeichnet. Die rechtsstaatlichen Institutionen, denen sie sich unterstellt fühlen, haben sich nicht nur längst absolute moralische Flexibilität angeeignet, sie sind gewissermaßen gar nicht mehr als solche auszumachen. Was bleibt, ist eine hinter jeder Ecke wartende Bedrohung, die sich in immer ähnlicheren Formen konfiguriert: Zwischen Mafiaboss Papi Greco und dem sadistisch-korrupten CIA-Mann Earl (Bill Paxton) scheint jeder Unterschied getilgt. Damit verweist 2 Guns, denkt man etwa an Filme wie Die Unbestechlichen (All the President’s Men, 1974) oder Der Staatsfeind Nr. 1 (Enemy of the State, 1998), übrigens erneut auf ein Genre, in das häufig eine Buddy-Konstellation eingelassen ist: den Paranoia-Film.

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