1968 Tunnel Rats

Uwe Boll zum Zweiten. Nur wenige Wochen nach Far Cry startet seine Vietnam-Version 1968 Tunnel Rats in den deutschen Kinos.

1968 Tunnel Rats

Ein amerikanischer Soldat und eine vietnamesische Mutter graben zusammen in einem Tunnel, bis das Licht erlischt.

Klingt ambitioniert und ist es letztlich auch. Was vielleicht verwundert, gilt Regisseur Uwe Boll doch nicht gerade als Arthouse-Ikone. Mit dem üblichen Attribut „Trash“ wird man 1968 Tunnel Rats nicht gerecht, wie im Übrigen vielen seiner anderen Filme auch nicht. Das Label „Trash“ vermittelt eine Eigenständigkeit, Andersartigkeit, eine schräge Form von Phantasieauswuchs, die Boll weder hier noch andernorts in seinem Schaffen vorlegen kann. Es ist eigen nur in der kompletten Vernachlässigung jeglicher Figuren- oder Handlungsentwicklung.

1968 Tunnel Rats

Spezialisiert hat sich der deutsche Filmhochschulabsolvent mehr oder minder auf die kostengünstige Adaption von Videospielen. Bei Far Cry etwa sieht das aus wie eine Reise in die Videothekenregale der 80er Jahre, der Predator (1987), Glanzstunde des Söldnerfilms, trifft auf weniger vorzeigbare Ausläufer des Genres. Die schon skurril anmutende Eindampfung der Handlung auf die allernötigsten Klischeeversatzstücke macht den Film zu einer Nummernrevue der hohlen Art. Während man die Reduktion auf basalste Plotelemente dort auf die Videovorlage münzen könnte, offenbart sich bei Tunnel Rats dasselbe Phänomen. Freundlich formuliert ist Uwe Boll ein Regisseur der Reduktion. Sein Vietnam-Beitrag beginnt mit bildlichen Verweisen auf die Genre-Klassiker von Coppola und Malick, mit den unvermeidlichen Helikopter-Aufnahmen und entsprechendem Sound. „2525“ dröhnt auf der Tonspur. Doch wer eine Fortführung des Dröhnens auf akustischer und visueller Ebene erwartet, wird überrascht. In den folgenden eineinhalb Stunden passiert reichlich wenig. Eine sehr überschaubare Einheit (auf einem sehr überschaubaren Filmset) amerikanischer Soldaten soll den Vietcong in den von ihm ausgehobenen Tunneln stellen und eliminieren. Das Kommando hat Sergeant Vic Hollowborn, ein Profanphilosoph wie er im Buche steht. Michael Paré, der Kultschauspieler des Jahres 1984 (Straßen in Flammen, Streets of Fire und Philadelphia Experiment) und regelmäßig bei Boll unter Vertrag, gibt diesen Hollowborn als Abziehbild von Nick Noltes Tall aus Der schmale Grat (The Thin Red Line, 1998). Schon bald ist von dieser Figur nichts mehr zu sehen und die Kameraden sterben einer nach dem anderen mit ein wenig Splatter und Gore Touch aber doch sehr gemächlich betulich in den Tunneln.

1968 Tunnel Rats

Es gibt ärgerliche Filme, gerade in Deutschland, man denke an Eichingers Produktionen ([filmid: 7]Der Untergang, [filmid: 1400]Der Baader Meinhof Komplex) und vieles von Vilsmaier (Die Geschichte vom Brandner Kaspar, [filmid: 689]Der letzte Zug). 1968 Tunnel Rats zu verdammen ist so wertlos, wie der Film selbst. Im Grunde genommen belebt jeder Verriss eines Bollschen Films nur dessen Mythos. Vielleicht wäre dieses Kino noch viel marginaler, wenn es nicht immer wieder von der Presse zum Thema gemacht würde.

Wir sollten damit aufhören.

Kommentare


Flo

Habe den Film gerade gesehen und bin begeistert. Ehrlich! Es mag ja sein, dass die Charaktere nicht geplant entwickelt werden und auch austauschbar wirken. Aber ich finde, sie wirken authentisch. Auch gefällt mir der Verzicht auf Heldenmut. Der Idiot, der freiwillig als Erster in den Tunnel geht, stirbt zuerst. Es gibt auch weder die Guten noch die Bösen, sondern nur die Trostlosigkeit des Krieges. Und die kommt knallhart. Herr Boll, lassen Sie sich von all den Mitläufern nicht unterkriegen!


Pascal

Kein Heldenepos...gut so, sehr nah dran an der harten Realität eines Krieges. Der Film zeigt in ungeschönten Bildern wie beklemmend und unter welchem Druck ein Soldat an der Front seinen Dienst versieht. Da sich insbesondere nach dem Schauen des Films das "Warum muss Krieg sein" stellt, so kann man Tunnel Rats getrost als Anti Kriegs Film anbieten. Aber Vorsicht, die gezeigten Bilder sind nichts für schwache Mägen.






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