14 Blades

Mit seinem neuen Film liefert Daniel Lee, einst große Hoffnung des Hongkong-Kinos, im besten Sinne routiniertes Genrehandwerk ab.

14 Blades 02

zoomicon

Das Genre des historischen Martial-Arts-Films ist im chinesischen Kino seit einigen Jahren durchaus ein wenig überrepräsentiert, von den aufwändigen Prunkproduktionen des einstigen Arthouse-Regisseurs Zhang Yimou (Hero, 2002, House of Flying Daggers, 2004) über das zweiteilige Bombastepos Red Cliff (2008) des Hollywood-Heimkehrers John Woo bis zu allerlei einander oft zum Verwechseln ähnlichen Starvehikeln von einst mit großer Hoffnung behafteten Filmemachern wie Peter Chan oder Ching Siu-Tung. Oder eben Daniel Lee. Der hatte in den 1990er Jahren, noch im Rahmen einer Hongkonger Filmindustrie unter den grundsätzlich anderen Bedingungen der britischen Kronkolonie, sein furioses Debüt What Price Survival (1994) vorgelegt und nachhaltig demonstriert, dass er eine Reihe recht eigenwilliger Ideen für eine Modernisierung des Wuxia, des chinesischen Kampfkunstkinos, hatte. Von der ästhetischen Begabung Lees kündet auch sein neuer Film 14 Blades – von jenem Umstürzlerischen, Konventionensprengenden, das den Reiz seines Frühwerks auch ausmachte, eher weniger.

14 Blades 11

zoomicon

Die Geschichte, die Lee in imposante Bilder übersetzt, bleibt dabei sehr klassisch generisch. In den letzten Jahren der Ming-Dynastie baut der Kaiser zum Schutz seiner Macht die jinyiwei auf, eine machtvolle Garde begnadeter Kampfkünstler. Als ihrem Anführer Qinglong (Donnie Yen) im Rahmen einer Intrige des verbannten Prinzen Qing (Sammo Hung) ein Diebstahl untergeschoben wird, kann er fliehen und betrachtet die Aufdeckung der Verschwörung als letzte Aufgabe seines Soldatenlebens, für die er bereit ist zu sterben. Bei seiner Undercover-Mission wird er unterstützt von einer Gruppe reisender Leibwächter, einer Bande ehrenhafter Banditen – und der schönen Qiao Hua (Vicki Zhao), der Tochter des Anführers der Leibwächter.

14 Blades 07

zoomicon

Man kann nun durchaus betrauern, dass sich ein einstmals so individualistischer Filmemacher wie Daniel Lee in Filmen wie 14 Blades damit begnügt, die Oberfläche eines relativ stromlinienförmigen Stoffes zu polieren. Auf der anderen Seite kann man sich freilich auch ohne allzu schlechtes Gewissen auf diesen schlichtweg sehr gut funktionierenden Film einlassen – denn Lee, trotz der gemeinsamen Vorliebe für stylishe Blautöne in der Ausleuchtung, als einen chinesischen Michael Bay abzuqualifizieren wäre ebenfalls verfehlt. 14 Blades ist, im Gegensatz zum infantilen, wirren Trash von Bay und seinen Epigonen, klassisch im besten Sinne, tadellos erzählt, in seinen realistischeren Kampfsequenzen wuchtig, und dort, wo er ins Fantastische übertritt, originell und stellenweise gar poetisch in seiner Bildfindung.

Filmkritik von Jochen Werner

Veröffentlicht am 18.08.2010

Kommentare zu 14 Blades

Es gibt bisher noch keine Kommentare.

Hinterlassen Sie hier Ihre Meinung oder Anmerkungen zu 14 Blades. Kommentare werden in der Regel innerhalb eines Tages freigeschaltet.

Kommentar schreiben

*
*
*


*

Kommentare der Nutzer geben nur deren Meinung wieder. Durch das Schreiben eines Kommentars stimmen sie unseren Regeln zu.

Verwandte Artikel

Fantasy Filmfest 2010

Schrecken, Anspannung, Ekel, Überraschung, Verzückung. Ein Festival ganz und gar nicht wie die anderen.

weiter

 

Blog: Berlinale im Dialog

Berlinale im Dialog

Verfolgen Sie das Festivalgeschehen der Berlinale auch im deutsch-französischen Berlinale-Blog des DFJW auf critic.de/berlinale-im-dialog

 
 

Film-Angaben

Titel: 14 Blades

Originaltitel: Gam yee wai

Hongkong, China 2010

Laufzeit: 114 Minuten

 

Regie: Daniel Lee

Drehbuch: Daniel Lee, Abe Kwong

Produktion: Susanna Tsang

Bildgestaltung: Tony Cheung

Montage: Cheung Ka-Fai, Tang Man-To

Musik: Henry Lai

Darsteller: Donnie Yen, Vicki Zhao, Sammo Hung, Wu Ma, Law Kar-Ying, Kate Tsui

 

DVD-Angaben

Titel: 14 Blades

Vertrieb: Koch Media

Bild: 2,35:1, 16:9

Sprache(n): Deutsch (DD 5.1, DTS 5.1), Mandarin (DD 5.1, DTS 5.1)

Untertitel: Deutsch

Altersfreigabe: ab 16 Jahren

Spieldauer: 114 Minuten

 

Extras: Making of; Interviews mit Cast & Crew; Originaltrailer; Bildergalerie

 

Verleih ab: 24.09.2010

Verkauf ab: 29.10.2010

 

Weitere Filme

... mit Donnie Yen

The Lost Bladesman
China, Hong Kong 2011
Von Felix Chong, Alan Mak

 

Links

Copyright 14 Blades

Fotos: © Koch Media

 

Neue Kritiken

alle neuen Kritiken

 

Neueste Kommentare