12 Meter ohne Kopf

Der Schrecken der Nordsee: Die Abenteuer der Piraten Klaus Störtebeker und Gödeke Michels sind nun auf der großen Leinwand zu erleben.

12 Meter ohne Kopf

Europa um 1401: Klaus Störtebeker (Ronald Zehrfeld) und sein Freund und Mitkapitän Gödeke Michels (Matthias Schweighöfer) sind die Anführer einer kleinen Piratenbande – der Vitalienbrüder –, die auf hoher See gegen die „Pfeffersäcke“ der Hanse aufgebrochen ist, um sich deren Reichtümer einzuverleiben. An Bord ihres Schiffes herrscht Einigkeit im Männerrudel. Das freie Leben auf hoher See, die Ungebundenheit des Freibeuters lässt den Hunger und die kalte Gischt oft vergessen.

Bei einem Überfall jedoch wird Störtebeker beinahe tödlich verletzt; die Mannschaft verliert das Schiff. Nur langsam erholt sich der Pirat und scheint nach diesem Zwischenfall nicht mehr derselbe zu sein. Heimgesucht von Panikattacken, Weinkrämpfen und der Sehnsucht, an Land zu gehen, wird Störtebeker zur Memme auf dem eigenen Schiff. Als seine Zweifel an sich selbst immer größer werden, setzt sich zuerst die Mannschaft mit einem Beiboot ab, und dann hält er selbst es auch nicht mehr aus und paddelt auf die See hinaus.

12 Meter ohne Kopf

Ein auf ihrem gerade gekauften Schiff, der Makrele, gefundenes seltsames gusseisernes Rohr bietet den Ausweg: Der an Bord zurückgebliebene Michels erkennt durch Zufall, dass es sich dabei um eine Kanone aus dem fernen Asien handelt. Als dann die Mannschaft und ihr Kapitän wieder eingeholt werden können, wird Störtebeker durch die Kanone zum sprichwörtlichen Schrecken der Meere. Doch rüstet die Hanse unter der Führung von Simon von Utrecht (Devid Striesow) auf, um den Freibeutern endlich das Handwerk zu legen.

Ein Piratenfilm aus Deutschland: Da mag sich Skepsis einstellen, zumal die Messlatte sehr hoch liegt, seit die Fluch der Karibik-Trilogie (Pirates of the Caribbean, 2003-2007) das Genre reanimiert und für die große Leinwand salonfähig gemacht hat. Das Kinoplakat mit seinem Motto „F**** die Hanse“ evoziert aber eher Klamauk im Sinne Michael „Bully“ Herbigs. Doch dann kommt alles anders, als man denkt.

12 Meter ohne Kopf

12 Meter ohne Kopf ist ein überaus gelungener Genrefilm über das – im wörtlichen Sinne zu verstehen – sagenhafte Leben der Piraten Störtebeker und Michels. Dass es dabei die ein oder andere Modernisierung in Sprache, Musik und Habitus gegeben hat, ist klar. Diese Momente werden dabei jedoch wenig plakativ eingesetzt, und der vor jedem Angriff stehende Schlachtruf „Fickt die Hanse“ ist auch schnell vergessen. Die Hauptdarsteller spielen hervorragend die galanten Piraten, die an ihrem Handeln zweifeln und doch immer wieder den ehrenhaften Aspekt darin suchen, wie die umkämpfte Freiheit für Friesland und das gerechte Teilen der Beute (weshalb die Bande auch Likedeeler genannt wurde). Bis in die Nebenrollen ist der Film gut besetzt. Besonders hervorzuheben sind hier der Maat des Ausgucks Lupe (Oliver Bröcker) und der Anführer der Hanse Simon von Utrecht (Devid Striesow), denen man in ihrem Spiel – und in ihrem Kostüm – gerne zuschaut. Der eine gibt das bärtige Raubein, während Striesow den höhergestellten Hamburger Adel alleine über seine Mimik zu vermitteln weiß. Würde ein Preis für den besten angewiderten Blick verliehen werden, so wäre Striesow der erste Kandidat.

12 Meter ohne Kopf

Was 12 Meter ohne Kopf aber ebenso äußerst sehenswert macht, sind die Kulissen, die Bauwerke und historischen Schauplätze. Vor allem Hamburg und die kleine Hafenstadt, in der die Piraten Zuflucht suchen, bieten historisch plausible Orte, die ebenso gekoppelt sind an beeindruckende Aufnahmen der Natur; und das sowohl auf hoher See, als auch an Land. Was die Kulissen und die Wahl des Production Designs betrifft, hat man sich an Vorbilder gehalten wie den – weitaus weniger lustigen – Historienfilm Luther (2003), der abseits von groß angekündigten und künstlerisch wie kommerziell grandios gescheiterten TV-Filmen steht, die den Stoff von Mythen und Legenden in oftmals kurzer Zeit für das Fernsehen herunter brechen. Die Bauten und Kostüme sind hier also nicht nur leeres Material, um das Bild zu füllen, sondern gehen mit dem Spiel der Darsteller und der Handlung eine Symbiose ein und bilden das stimmige Bild einer echten Piratengeschichte. Anders als in Filmen wie
Sven Unterwaldts Komödie Siegfried (2005), erspart uns Thaddickens Film die künstlichen Versuche durch aufgetragene Überbetonung den Flair einer längst vergangenen Zeit heraufzubeschwören.

12 Meter ohne Kopf

Ein Kritikpunkt mag dabei sonderbarer Natur sein, trifft er doch nicht den Film direkt, sondern den Trailer: Dort werden Männer präsentiert, die für alles bereit seien, „nur nicht für die Liebe“. Im Gegensatz zum Trailer ist dieser Aspekt im Film aber eher nebensächlich. Nur Störtebeker selbst hadert immer wieder mit seinen Gefühlen, die jedoch vorerst unterschwellig bleiben; finden sich Frauen und so auch die Angebetete ohnehin nur an Land. Die Liebe fährt zwar mit, hat aber nicht das Kommando an Bord und bildet nicht das Narrativ des Films. Zuschauer, die sich dies vom Film erwarten, werden daher enttäuscht.

Wenn 12 Meter ohne Kopf einen Trend neuer gelungener Genrefilme startet, dann kann man getrost weiteren Filmen entgegenschauen, die für unser Land atypische Genres auch aus heimischer Produktion präsentieren wollen.

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