1 ½ Ritter

Til Schweigers Ritter-Klamotte ist im Grunde jenseits der Grenzen des Kritisierbaren. Vorm Besuch wird dennoch gewarnt.

1 ½ Ritter - Auf der Suche nach der hinreißenden Herzelinde

Der Vorspann ist ganz lustig. Während Til Schweiger als mittelalterlicher Ritter Trainingssequenzen aus den beiden ersten Rocky-Filmen nachstellt, sorgt die Einblendung von Namen wie „Roberto Blanco“ oder „Helmut Markwort“ für einen hübsch bizarren Effekt. Das war es dann aber auch schon mit guten Einfällen. Ansonsten setzt Schweiger in seinem neuen Film neben dem ungepflegten Herrenwitz auf das seit Fred Feuerstein beliebte Spiel, die Gegenwart im Gewand der Vergangenheit zu zeigen (ein Schnellimbiss-Restaurant namens „McSpieß“, die „Schild-Zeitung“ und ähnliche Brüller). Situationskomik hingegen vermeidet er tunlichst.

Klingt missgünstig? Kein Wunder: Kritiker sind vor Neid zerfressene Nörgler, die sich anmaßen, Leistungen anderer zu beurteilen, weil sie selbst künstlerisch nichts auf die Reihe kriegen. Diese Auffassung hat in Deutschland eine lange Tradition, aber selten hat sie jemand auf so aggressive und zugleich weinerliche Art vertreten wie Til Schweiger. Und wie schon bei seinem letzten Film Keinohrhasen (2007) hat er auch bei seinem neuesten Werk der schreibenden Zunft mit viel Getöse zu verstehen gegeben, dass ihn deren Meinung angeblich nicht interessiere – und keine Pressevorführungen vorm Starttermin zugelassen.

1 ½ Ritter - Auf der Suche nach der hinreißenden Herzelinde

Dabei war die Sorge in beiden Fällen unbegründet: Keinohrhasen war ein guter, oder zumindest kein schlechter Film, 1 1/2 Ritter liegt jenseits der Grenzen des Kritisierbaren. Selbst wenn man aus Lust am Experiment versuchen wollte, den Film zu loben – es ginge nicht. Andererseits wäre auch ein ernsthafter Verriss müßig: Ihn beispielsweise als Genreparodie zu beurteilen führte in die Irre, weil ihm das ein Interesse am Ritterfilm unterstellte. Während Bullys Karl-May-, Star Trek- und Sissi-Parodien bei aller Zotigkeit unbestreitbar von Liebe zu ihrem Gegenstand erfüllt waren, interessiert sich Til Schweiger in seinem Film für nichts anderes als für Til Schweiger. Deshalb sollte man 1 1/2 Ritter als eine Art Privatangelegenheit betrachten (was angesichts der öffentlichen Finanzierung ja entgegenkommend ist), als Eins-zu-Eins-Ausdruck von seiner Selbstwahrnehmung.

Ritter Lanze also – wer nicht sofort merkt, dass der Name eine Penismetapher ist, bekommt es im Film ungefähr 500 Mal erklärt – ist der beste Kämpfer im, nun ja, „mittelalterlichen“ Deutschland, aber schüchtern und ungeschickt gegenüber dem anderen Geschlecht. Kein Wunder, dass er, kicher, kicher, noch Jungfrau ist. Doch als Königstochter Herzelinde (Julia Dietze), seine Angebetete, von den Bösen entführt wird – der Hauptplot des Films – , kann er sich auf dem Weg zu ihrer Befreiung die Hörner abstoßen: Das Domizil des vermeintlich bösen Schwarzen Ritters, der in Wirklichkeit ein Guter ist, entpuppt sich als Mischung aus Harem und Hippie-Kommune, wo eine Horde lüsterner Mädchen nur darauf wartet, dem verklemmten Ritter an die Wäsche zu gehen. In Keinohrhasen hat Schweiger offensiv mit seinem Womanizer-Image gespielt, in 1 1/2 Ritter kokettiert er mit dem Image des Trottels, der sich als Tier im Bett erweist – und zuletzt als ganzer Mann in die Ehe gehen kann.

1 ½ Ritter - Auf der Suche nach der hinreißenden Herzelinde

Beim Ausleben dieser so hybriden wie schlüpfrigen Fantasie bekommt Schweiger jede Menge prominente Unterstützung. Wie schon in Keinohrhasen gibt sich die deutsche Showprominenz ein Stelldichein, und diesmal nimmt das Grauen fast das Ausmaß einer durchschnittlichen Bambi-Verleihung an (oder, wie der Abspann nahelegt, einer Aftershow-Party mit dem Motto „Mittelalter“). Als König der Klamotte fungiert, immerhin treffsicher gecastet, Thomas Gottschalk, was die anderen Gastauftritte betrifft, so ist viel mit dem Hinweis gesagt, dass der von Dieter Hallervorden zu den Lichtblicken gehört. Blanco, Markwort, wie gesagt; und dazu, bei jedem deutschen Show-Event unvermeidlich, wird der unsterbliche Johannes Heesters vor die Kamera gezerrt. Alle spielen sich selbst, oder genau die Rolle, die sie in der Öffentlichkeit spielen. Markwort beispielsweise liefert als Chefredakteur der Schild-Zeitung eine angemessene Einordnung seines journalistischen Standorts. Was Hannelore Elsner in diesem Reigen verloren hat, weiß sie wohl selbst nicht.

Lanzes türkischer Sidekick Erdal (Rick Kavanian), der halbe Ritter aus dem Titel, hätte als sich mit Witz durchs Leben schlagender Schwindler die interessanteste Figur werden können. Außer für ein paar mittelkomische Gags über Einwanderung, Integration und Migrationshintergrund weiß Schweiger mit ihm aber nichts anzufangen. Irgendwann im Film erfindet er zusammen mit Roberto Blanco den Döner. Der Schwarze wird dem Türken vorher als seinesgleichen und als Bruder im Geiste angekündigt. Kommentar überflüssig.

1 ½ Ritter - Auf der Suche nach der hinreißenden Herzelinde

Aber genug. Anders als Til Schweiger glaubt, auch dieser Text wird das Publikum vom Besuch des Films nicht abhalten. Die Gags sind größtenteils allerdings so fad, dass ein Misserfolg auch so im Bereich des Möglichen liegt. Vielleicht ist Schweiger dann so beleidigt, dass er bei seinem nächsten Film die Aufführung vor Publikum von vornherein verbietet.

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Kommentare


s.A.

Ich stimme der Film kritik voll und ganz zu.
Dieser Film war der schlechteste den ich jeh gesehen habe.am liebsten würde ich die 6,90 zurück verlangen,denn das war der film sicherlich nicht wert.


Andi

dieser Film war sowas von langweilig und diskriminierend. ich hätte mir den kinobesuch sparen können.

VIVA LA ÖSTERREICH


Harald

In der Tat das schlechteste im Kino 2008. Ich habe mir überlegt, das Kino vorzeitig zu verlassen.
Dann kamen mal kurz die "Partnerinnen" von Tobias Moretti ins Bild und ich bin sitzengeblieben, in der Hoffnung, die nochmal zu sehen. Statt dessen musste ich Til Schweiger ertragen.
Gut: Rick Kavanian, der kann schon richtig schauspielern.
Dern Gag am Abspann ist nicht schlecht, könnte besser sein.

Das Ganze wirkt recht lieblos, man hat den Eindruck, Til Schweiger merkt, dass er alt wird (mal im Film genau hinsehen) und will nochmal mit seinen Vorzügen auftrumpfen und so die meiste Kohle rausholen. Das war schon in Keinohrhasen so zu merken, der war aber deutlich liebevoller gemacht.


N.

Ich bin ein echter Til Schweiger Fan, aber dieser Film war ja so schlecht!!!!! Schade, hatte ich mich doch so auf diesen Film gefreut!


Jörg

Ich verstehe echt nicht, wie man in "so" ein Machwerk überhaupt gehen kann...?
Die Ausschnitte im TV oder die Werbeplakate (und dieser cast - mal von Hannelore Elsner abgesehen) haben doch schon genug gesagt!
Aber ich hatte es vielleicht auch etwas leichter, dem nicht auf den Leim zu gehen, weil ich ohnehin niemals eine Klamotte á la Bully und Co gehen würde. Und solche Leute sind auch noch Multimillionäre und zählen zu den Spitzen der deutschen Showprominenz....Peinlich!


Franky

Zwischenzeitlich war es wie bei einem Autounfall - es war schrecklich, aber man konnte den Blick nicht abwenden!

Aber um auch mal was schönes zu sagen: Thomas Gottschalk ist ein herzallerliebster König! Sehr goldig!






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