The Firm

Ellesse. Irgendwie schien diese Marke nie zeitgemäß. Boris Becker trug sie zu kurz, als dass sie sich wirklich ins Gedächtnis hätte prägen können. Während sich die anderen Sportgiganten duellierten und es gerade am Tennishimmel Eintagsfliegen wie Sergio Tacchini gab, war Ellesse immer da und doch kaum präsent.

The Firm Dvd Cover

Dom trägt Ellesse. Weil Bex Ellesse trägt. Es sind die frühen 1980er Jahre, in den Clubs läuft synthetische Musik im grellen Licht, gerade die britischen Damen und Herren sind traditionell aufgebrezelt. Ohne Hemd geht nichts. Aber am Wochenende, auf den Straßen, da holen Bex und Co. ihre Ellesse-Trainingsanzüge raus, manchmal auch Fila. Und mit ihren Adidas-Sneakern treten sie den anderen Hools in die Fresse.

Regisseur Nick Love hat eine sehr nachvollziehbare Obsession für Sportswear. Sie ist, gemeinsam mit dem jeweiligen Soundtrack, das Insignium seiner Filme. Love hat sich auf Period Pictures mit rauem Ton, bevorzugt im Hooligan-Milieu, spezialisiert. Sein The Football Factory (2004) ist legendär, auch The Firm schmückt sich bereits mit Kult-Status. Beide Filme klammern den Fußball völlig aus und erzählen eine Initiationsgeschichte mit Opfer. Nicht die einzigen Elemente, die sie mit dem allerdings ästhetisch und vor allem erzählerisch gewagteren Awaydays (2009) vergleichbar machen. Auch dort kommt Kleidung und Musik eine gewichtige Rolle zu, als Featurette liefert die DVD gar einen Film über die Entstehung des Sneaker-Kults in England.

All diese Filme – und hier muss man auch noch This is England (2006) von Shane Meadows und vielleicht sogar Gillies MacKinnons Small Faces (1996) berücksichtigen – erzählen in Zeitkolorit zum Teil melancholisch angehauchte Variationen von Kindergeschichten. Fast immer handeln sie von Jungenfreundschaften, auch hier geht Awaydays am weitesten. The Firm steckt sogar in Sachen Gewalt, dem naheliegenden vermeintlichen Hauptthema eines Hooliganfilms, deutlich zurück. Die wenigen etwas expliziten Momente dienen immer der Narration, sind moralisch eindeutig konnotiert, sind Schockmomente fürs Kind. So steht The Firm im groben Kontrast zu den Erwachsenenfilmen Awaydays und auch 66/67 – Fairplay war gestern, bei denen Gewalt wesentlich komplexer reflektiert wird.

Was dem Filmvergnügen keinen Abbruch tut. Nick Love hat einen sehr eindeutigen, aber liebenswerten Film gedreht, dessen stärkste Momente passenderweise von einer Vater-Sohn-Beziehung erzählen.

The Firm (Großbritannien 2009)

Ascot Elite

DVD-Verleih ab: 12.07.10

DVD-Verkauf ab: 19.08.10

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