Staatsfeinde – Mord auf höchster Ebene

Filz und Korruption. Pfui Deiwel. Regisseur Eric Valette verlässt sich ganz auf sein Darsteller-Ensemble. 

Staatsfeinde 04

Die Pariser Polizistin Nora Chahyd (Rachida Brakni) steht noch am Anfang ihrer Karriere. Voller Tatendrang und guter Vorsätze tritt sie ihre neue Stelle an der Seite des schweigsamen alten Hasen Christophe Bonfils (Gérald Laroche) an. Als der im Dienst liquidiert wird, zieht auch sie andere Saiten auf.

Zwar handelt es sich nicht um eine Polizeifilm, doch auch der deutsche Verleihtitel ist zumindest irreführend. Der französische Staat wird hier zwar mehr oder weniger erschüttert (der Nebenplot einer Wiederwahl des fiktionalen Präsidenten ist weder von Belang noch von Interesse), externe Feinde hat er aber nicht wirklich. Es ist das System, das sich aus dem Inneren selbst zerfleischt und auf höchster Ebene – besten Dank für den geistreichen Zusatz – jede Menge Tote fordert.

Neben Nora hat der Film noch zwei weitere Zentren: Victor Bornand (André Dussollier) und Michel Fernandez (Thierry Frémont). Der erste eine Art dreckiger Diplomat im Schatten, Verbindungsmann zwischen Politik und Industrie, was heißt: zwischen Politik und Verbrechen. Der andere ein ehemaliger Spezialagent, jetzt eine Art dreckiges Mädchen für alles im Schatten.

Das Dreieck zwischen der Frau und diesen beiden Männern wird früh aufgezeichnet, führt die Figuren aber erst spät zusammen. An einem Punkt, wo alle längst verloren haben. Wie sich das gehört für einen Politthriller, den der französische Originaltitel (Une affaire d’état) genauso nahelegt wie das Marketing. Da werden die ganz großen Vorbilder von Pakula bis Pollack zitiert. Tatsächlich haben die Staatsfeinde mit dieser Tradition genauso wenig zu tun wie mit Francesco Rosi oder Constantin Costa-Gavras. Die wahre politische Dimension fehlt.

Was aber nicht schlimm ist, denn Eric Valettes solide Inszenierung darf sich mit Fug und Recht auf das Ensemble verlassen. Dussollier ist zwar schon seit den 1980er Jahren in Frankreich ein Star, aber im hohen Alter avanciert er noch zu einem Mann der Stunde. Kaum ein Kritiker- oder Publikumserfolg aus dem Nachbarland, in dem er nicht mitwirken würde. Hier darf er einen Mann zwischen Kämpfernatur und Müdigkeit, zwischen skrupelloser Gerissenheit und Reue verkörpern. Und dennoch ist es Thierry Frémont, der sich am nachhaltigsten ins Gedächtnis brennt. In seiner Figur liegt die eigentliche politische Dimension. Und die ist immer privater Natur.

Staatsfeinde (Une affaire d’état, Frankreich 2009)

Atlas Film

DVD-Verleih ab: 17.12.2010

DVD-Verkauf ab: 14.01.2011

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