Sony Pictures Home Entertainment Platinum Classic Film Collection

Sony Pictures Home Entertainment hat mit der Platinum Classic Film Collection eine reichlich bizarre Zusammenstellung von Filmen veröffentlicht, die sie selbst als „Klassiker“ verstehen. Aber auch wenn sich hinter der Kompilation keine inhaltliche Systematik erkennen lässt, gilt es ein Augenmerk auf die Reihe zu werfen, denn in ihr befinden sich vereinzelt echte Schätze der Filmgeschichte.

Auf leisen Sohlen

Auf leisen Sohlen (Gumshoe, 1971) ist nicht nur das Debüt von Stephen Frears, sondern bis heute sein herausragendes Werk – und er hat mittlerweile einiges vorzuweisen!

Eddie Ginleys 31. Geburtstag soll die Wende bringen. Zuletzt lief es nicht allzu gut für den Liverpooler. Die Freundin hat sich für den Bruder entschieden, die Karriere als Entertainer ist auf dem Level des Bingo-Ansagers stecken geblieben, und ohne Psychologen geht gar nichts. Eine Anzeige, die der Hardboiled-Fan unter dem Pseudonym Sam Spade aufgibt, bringt tatsächlich Bewegung in Eddies Leben. Er trifft auf einen mysteriösen übergewichtigen Südafrikaner, eine Frau im „Rubbish-Business“ und einen kaltblütigen Schotten.

Der Faenger

Auf leisen Sohlen beginnt als augenzwinkernde Hommage an die Schwarze Serie, entwickelt jedoch schon bald eine ernsthaft melancholische Dimension, die dem Film eine besondere Dramatik verleiht. Frears balanciert mit erstaunlicher Perfektion zwischen den Tonlagen, und ebenso erstaunlich ist aus heutiger Sicht die Wahl des Komponisten, der ihn dabei unterstützt: Andrew Lloyd Webber. Dessen von Sunset Boulevard inspiriertes und später für sein gleichnamiges Musical wiederverwendetes Thema trägt genauso essenziell zur Stimmung des Films bei wie das wunderbar von Chris Menges fotografierte Liverpool.

Auch Der Fänger (The Collector, 1965) beginnt mit dem englischen Voice-over des männlichen Protagonisten. Freddie (Terence Stamp) befindet sich allerdings nicht in der Stadt, sondern auf dem Land. Und das mit gutem Grund: Hier, im Keller seines Anwesens, kann er Miranda (Samantha Eggar), das Objekt seiner Begierde, besser einkerkern.

William Wyler, der mit Ben Hur (1959) den Zenit seines Erfolges (und überhaupt irgendeines Regisseurs bis dato) erreicht hatte, wandte sich in der Folge kleineren Projekten zu. Auf Infam (The Children’s Hour, 1961), seine zweite Verfilmung des Theaterstücks von Lillian Hellman, folgte der größtenteils in den heimischen Filmstudios entstandene Ausflug aufs englische Land.

Vor verschlossenen Tueren

Wyler erweist sich über die bekannte Brillanz seiner erzählerischen Ökonomie hinaus als Freund des Bizarren und Morbiden. Gemeinsam mit Terence Stamp entwickelt er eine moderne Version des Leinwand-Psychopathen. Der Film zeugt von erstaunlicher Rigorosität und Härte, wobei ein Teil seines Horrors aus dem zunächst weitestgehenden Verzicht auf direkte körperliche Gewalt und aus der Logik des Täters resultiert. Genau im Kontrast von Höflichkeit, malerischer Landschaft und beschwingter Melodie zum schier ausweglosen Schicksal der Gefangenen liegt jener zeitlose Horror.

Neben diesen beiden Meisterwerken weist die Kollektion noch weitere Sehenswürdigkeiten auf. Beispielsweise Vor verschlossenen Türen (Knock on Any Door, 1949), das Regiedebüt von Nicholas Ray. Humphrey Bogart spielt die etwas ungewohnte Rolle eines idealistischen Anwalts, der seinen Klienten vor dem elektrischen Stuhl bewahren will. Über weite Strecken ist der Film den Konventionen seiner Zeit verhaftet, das Zusammenspiel von Innen- und Außenräumen stottert etwas, und die Sozialkritik ist mit dem Holzhammer dosiert. Aber vor allem das Schauspiel von John Derek strapaziert den heutigen Zuschauer. Derek debütiert hier ebenfalls, sollte später selbst Regie führen und vor allem für die Liste seiner Ehefrauen (unter anderem Ursula Andress, Linda Hamilton und Bo Derek) Berühmtheit erlangen. Dennoch überzeugt Vor verschlossenen Türen durch seine unkonventionelle Dramaturgie und einige Momente, in denen Rays Talent spürbar wird.

Auch John Frankenheimers Der Sheriff (I Walk the Line, 1970), im Original nach einem Song Johnny Cashs benannt und komplett mit der Musik des Man in Black vertont, weiß durch einzelne Momente zu gefallen. Gregory Peck, immer am nachdrücklichsten in den Rollen gegen sein Saubermann-Image besetzt, geifert als Titelfigur hier der betörenden Tuesday Weld nach und verliert den Halt in seinem hassenswerten, aus den Fugen geratenen Leben.

Die Ausstattung der DVDs ist schlicht, was für den Preis akzeptabel scheint, zumal die Filme alle im Original und optional mit Untertiteln zu sehen sind.

Kommentare zu „Sony Pictures Home Entertainment Platinum Classic Film Collection“


Nerice

I'm out of league here. Too much brain power on dsiplay!






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