Prozac Nation
Erik Skoldbjærg nahm sich lange Zeit, ehe er einen Nachfolger seines fulminanten Todesschlaf (Insomnia, 1997) vorlegte. Mit Prozac Nation setzte er auf eine Riege angehender Stars und den Bestseller von Elizabeth Wurtzel.

Wurtzel ist eine sehr geschickte Selbstausbeuterin und PR-Strategin, die mit ihrem Roman (auf Deutsch Verdammte schöne Welt, 1994) einen Nerv getroffen hat. Die sich ausbreitende Gesellschaftskrankheit Depression und die manchmal noch krankeren Reflexe von behandelnden Ärzten und Pharmaindustrie stehen im Zentrum ihres Romans, aber nicht unbedingt im Zentrum von Prozac Nation. Hier sehen wir Elizabeth erst einmal nackt, oder vielmehr und viel wichtiger: Wir sehen erstmals den stark abgemagerten und erwachsenen Kinderstar Christina Ricci nackt. Er trifft auf Michelle Williams, Jason Biggs und Jonathan Rhys Meyers, die als schmuckes Inventar einiger mehr oder minder geläufiger College-Episoden dienen. Neben den dort entstehenden Konflikten steht das Verhältnis Elizabeths zu ihrer von Jessica Lange gespielten leidenden Mutter im Fokus.
Skjoldbjærg selbst scheint wenig Interesse an dem Mutter-Tochter-Konflikt zu entwickeln, allerdings erst recht nicht an den Collegeproblemen seiner Hauptfigur und schon gar nicht an den im Buch dominierenden Depressions- und Medikamentexzessen. Bruchstücke der teils poetischen Sprache Wurztels hat er in seinem Film übernommen, eine eigene lyrische Bildform allerdings konnte er nicht finden.
Veröffentlicht am 06.02.2010
Fotos: © Senator
Prozac Nation (USA 2001)
Senator
DVD-Verleih ab: 03.12.2009
DVD-Verkauf ab: 07.01.2010
BERLINALE 2012

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