Nordsee ist Mordsee

Udo und die Bohms. Selten wirkte der deutsche Film so international wie in Nordsee ist Mordsee

Nordsee ist Mordsee

Wilhelmsburg in den 1970ern. Uwe (Uwe Bohm) ist so roh wie gemeingefährlich. Bei einer Prügelei mit dem gleichaltrigen Dschingis zückt er das Messer. Für einen Moment scheint es, als würde der Junge zum Mörder. Doch dann, in einem Sekundenbruchteil, wandelt sich scheinbar alles. Die beiden Jugendlichen entdecken ihre Gemeinsamkeit im Außenseitertum. Obwohl Uwe in der Gruppe akzeptiert ist, leidet er doch unter seiner Existenz.

Während Nordsee ist Mordsee in der ersten Hälfte wie eine fesselnde Sozialstudie wirkt, entwickelt er im zweiten Abschnitt eine eigentümliche Milde und geriert zum Jugendfilm mit Anleihen bis zu „Tom Sawyer“.

Faszinierend ist die Optik: Hark Bohms dritte Regiearbeit hat einen internationalen Look. Schon die Eingangssequenz – Impressionen der Hafenstadt, untermalt von einem Song Udo Lindenbergs, der den gesamten Soundtrack beigesteuert hat – liefert wunderbare Breitwand-Panorama-Aufnahmen. Und auch in der Folge erweist sich Bohm als so ästhetisch virtuoser wie sozial-präziser Regisseur von Lebensräumen. Seinem Sohn Uwe, der zuletzt in Thomas Arslans Im Schatten brillierte, verschafft er ein großartiges Leinwanddebüt.

Im Gegensatz zu Stoffen wie Christian F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo (1981) oder Die große Flatter (1979), beides noch bis in die 1990er Jahre von Schulen kanonisiert, wirkt Nordsee ist Mordsee keinesfalls outdatet. Selten wirkte der deutsche Film internationaler. Man wünscht sich ein Comeback Hark Bohms als Regisseur.

Nordsee ist Mordsee (Deutschland 1976)

Arthaus

DVD-Verkauf ab: 06.01.2011

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