Nichts als die Wahrheit

Rod Lurie ist Hollywoods Mann für politisches und politisch korrektes Kino. Rufmord (The Contender, 2000) begründete diesen Ruf, die Mini-Serie Commander in Chief (2005) bestätigte ihn, und Nichts als die Wahrheit (Nothing but the Truth, 2008) wird ihm abermals gerecht.

Nichts als die Wahrheit

Die Washingtoner Journalistin Rachel Armstrong (Kate Beckinsale) wird in Beugehaft genommen, als sie die Quelle eines Artikels nicht preisgeben will. Die hat eine CIA-Agentin enttarnt, was – so die außerfilmische Realität – nach neuestem Gesetz der Bush-Administration nicht mehr legal ist. Für Rachel beginnt ein Martyrium.
Der Präsident in Nichts als die Wahrheit ist fiktiv, genauso der Krieg gegen Venezuela, den er als Vergeltung für ein ungeklärtes Attentat plant. Den Referenzfall zu lokalisieren fällt dennoch nicht schwer: Valerie Plame wurde 2003 als CIA-Mitarbeiterin enttarnt, vermutlich, weil ihr Mann, ein Diplomat, die Irak-Invasionspläne der Bush-Administration als nach der vorliegenden Beweislage haltlos anprangerte. In Folge der Affäre kam die Journalistin Judith Miller in Beugehaft. Mit ihrem Vorbild Miller hat Armstrong in Luries und Beckinsales Interpretation jedoch wenig gemeinsam. Der Regisseur entfernt sich sehr weit von den Fakten, dramatisiert seine Geschichte zu einem liberalen Gerichts- und Gefängnisdrama.
Was ihm überzeugend gelingt. Nicht verwunderlich, denn schon in Die letzte Festung (The Last Castle, 2001) hatte der geborene Israeli bewiesen, dass er einen durchaus problematischen Stoff mit Hilfe einiger Simplifizierungsstrategien und einem charismatischen Hauptdarsteller – dort Robert Redford – handwerklich souverän und absolut unterhaltsam gestalten kann.
Fragt sich nur, wie Luries aktuelles Projekt aussehen wird, ein Remake von Sam Peckinpahs Wer Gewalt sät (Straw Dogs, 1971) …

Nichts als die Wahrheit (Nothing but the Truth, USA 2008)
Ascot Elite
DVD-Verleih ab: 11.01.2010
DVD-Verkauf ab: 18.02.2010

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