Ingmar Bergman Edition 2

Schweden-Happen. Die zweite Arthaus Edition von Ingmar Bergman zeigt, dass kein Weg an dem Regisseur vorbeiführt. 

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In regelmäßigen Abständen scheint es en vogue, sich von alten Meistern zu distanzieren. Auch die Wertschätzung eines Ingmar Bergman, der ein halbes Jahrhundert Filmgeschichte geschrieben hat, verläuft in unterschiedlichen Phasen. Auf dem Höhepunkt seiner Popularität wurden Wilde Erdbeeren (Smultronstället, 1957) und Persona (1966) gleichzeitig in die Top Ten der Sight & Sound, der Mutter aller Filmhitlisten, gewählt.
Alle persönlichen Geschmäcklereien in Ehren: An Bergman führt kein Weg vorbei! Und die zweite Arthaus Edition seiner zahlreichen Filme unterstreicht dies.
Wenn wir also schon so offen sprechen: Mit Die Stunde des Wolfes (Vargtimmen, 1968) und Passion (En Passion, 1969) enthält die Box zwei der absoluten Meisterwerke Bergmans, jeweils Meilensteine ihrer Zeit und des Filmschaffens überhaupt.

Wie in einem Spiegel (Såsom i en spegel, 1961) markiert eine Zäsur im Schaffen Bergmans, der hier erstmals auf Fårö drehte und seine Fragen nach der Beschaffenheit des Glaubens in die Gegenwart überführte. Der Film schildert die Krise der jungen Karin, die in Anwesenheit ihres pubertären Bruders, ihres Mannes und ihres Vaters auf dessen Grundstück zusammenbricht.
Die gesamte Handlung vollzieht sich zwischen Sonnenuntergang und Sonnenaufgang. Die Einheit des Ortes unterstreicht die Anordnung des Kammerspiels. In der Gemeinsamkeit werden die Figuren ständig isoliert, das Innere des Hauses verweist dabei immer auf ein Außen. Bergman extrapoliert die Schnittstelle zwischen Künstlerproblematik und Familienkonflikten, zweien für ihn zentralen Themen. In diesem Film, der auch in seiner Bezugnahme auf Dreyer fasziniert, liegt ein Fokus auf dem christlichen Ritual. Aber nicht nur thematisch, sondern auch in seiner Kargheit ist Wie in einem Spiegel richtungsweisend für diese Phase in Bergmans Schaffen.

Licht Im Winter

Licht im Winter (Nattvardsgästerna, 1963) bildet den zweiten Teil einer von Bergman gedachten Trilogie, die vom bereits im ersten Teil der Edition publizierten Das Schweigen (Tystnaden, 1963) abgeschlossen wird. Wieder spielen Gunnar Björnstrand und Max von Sydow die männlichen Hauptrollen. Sie verkörpern zwei Männer in der Krise: Pastor Tomas Ericsson hat im verstaubten Ritual den eigentlichen Glauben verloren, Fischer Jonas ist lebensmüde. Hier verkehrt sich die Handlungszeit – von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang –, die Zweifel an der Existenz Gottes werden zur Gewissheit.

Nach der Glaubens-Trilogie inszenierte Bergman wieder eine Reihe thematisch verwobener Filme, die den Namen des Drehortes fast aller seiner Filme dieser Phase trägt: Fårö-Trilogie.
Sie beginnt mit dem fantastischen Die Stunde des Wolfes (Vargtimmen, 1968). Analog zu Wie in einem Spiegel nimmt Schlaflosigkeit hier eine zentrale Funktion ein. Der somnambule Zustand des Protagonisten ist Ausgangspunkt eines albtraumhaften Schreckens.
Bergman zeigt sich einerseits auf der Höhe der Zeit, lassen sich seine surrealen Strukturen doch mit denen eines Buñuel, Polanski oder Fellini vergleichen. Andererseits fügt sich der Films nahtlos, kohärent und äußerst effektiv in sein eigenes Œuvre ein. Hier speist sich der Horror nicht aus der Dunkelheit, sondern aus dem Gegenteil, der nicht untergehenden Sonne.
Wieder seziert der Regisseur eine mentale Krise, diesmal im Rahmen des Magischen, der Traum und Wirklichkeit verwischt. Nach dem Zusammenbruch der familialen Strukturen und der christlichen Gemeinde analysiert Bergman nun das Zerbrechen einer Partnerschaft.

Passion

Passion (En Passion, 1969) ist ein Netz aus Zeichen und Verweisen, der vielleicht dichteste und gleichzeitig reichhaltigste unter Bergmans Filmen. Zum vierten Mal arbeitet der Schwede mit Eastman-Color, aber erstmals nutzt er das Farbspektrum für seine dramaturgische Struktur. Die auch in Passion vorhandenen Traumsequenzen sind in Schwarzweiß von der restlichen Handlung abgesetzt. Eine zentrale Szene des Films ist in Rot getaucht; hier begegnen sich zwei Personen mit Passion, das Ende ihrer Beziehung schwingt bereits in den Bildern. Am Ende des Labyrinths aus Gewalt, Schuld und Verlust verfestigt sich die Gewissheit: Es gibt keinen Gott.

Komplettiert wird die Edition durch Sehnsucht der Frauen (Kvinnors Väntan, 1952), die erste Zusammenarbeit Bergmans mit Björnstrand, den frühen Klassiker Die Zeit mit Monika (Sommaren med Monika, 1953), Das Gesicht (Ansiktet, 1958), in dem der Regisseur Gaukler, die Laterna magica und die Großaufnahme zusammenbringt, das Liv-Ullmann-Stück Von Angesicht zu Angesicht (Ansikte mot ansikte, 1975) und Bergmans Comeback, den Gesellschaftsroman Fanny und Alexander (Fanny och Alexander, 1982). Weniger bekannt ist Schande (Skammen, 1968) ein Autorenkriegsfilm, der als Mittelstück der Fårö-Trilogie fungiert.

Eine Box zum Entdecken und Wiederentdecken.

Ingmar Bergman Edition 2
Schweden / Deutschland / Frankreich 1952-1982
Arthaus
DVD-Verkauf ab: 15.04.2010

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