Gamer

Als bekennender Feind der Crank-Filme kann man vom neuen Film des Regieduos Neveldine & Taylor durchaus positiv überrascht werden.

Gamer

Anfang des Jahres startete Gamer mit 256 Kopien in den deutschen Kinos – zwar alles andere als unter Ausschluss der Öffentlichkeit, aber dann doch nur auf einem knappen Drittel der Leinwände wie jüngst Iron Man 2, Robin Hood oder SATC2. Zudem wurde der Film kaum beworben und ging letztlich im Avatar-Hype unter. Schon nach wenigen Wochen verschwand er gänzlich aus den Kinos und machte der höher budgetierten Dystopie Surrogates Platz.
Der deutsche Kinomarkt weiß mit dem preislich mittleren Genresegment der Studios – Gamer kostete etwa 50 Millionen Dollar – nichts anzufangen. Repo Men, mit einem Budget von gut 30 Millionen Dollar, ist gerade mit 34 Kopien in Deutschland angelaufen. Im Vergleich zu Miguel Sapochniks trashigem Unsinn weiß Gamer über weite Strecken konzeptuell zu überzeugen. Wie in Death Race 2000 (1975, Remake 2008), Running Man (1987) und zahlreichen anderen Vorbildern werden Schwerverbrecher hier als postmoderne Gladiatoren instrumentalisiert. So einfallslos der Plot daherkommt, so viele Ideen haben Neveldine und Taylor entwickelt, um ihn in Szene zu setzen. In einer Gefängnis-Sequenz, die mit gleißendem Licht, weißen Dekors und Kostümen experimentiert, sind sie sowohl THX 1138 (1971) von George Lucas als auch Takashi Miikes Big Bang Love, Juvenile A (46-okunen no koi, 2006) erstaunlich nahe. Und das bleiben nicht die einzigen betörenden Momente. Heraus sticht eine Gesangseinlange von „Dexter“  Michael C. Hall, die wie kein Film seit Takeshi Kitanos Zatoichi – Der blinde Samurai (2003) die Spannung zwischen Tanz und Kampf illustriert.
Verglichen mit Surrogates, der für seine zum Teil reizvollen Matrix-Überlegungen leider zu keinem Zeitpunkt eine funktionierende ästhetische Formel entwickelt, lässt sich Gamer als überdrehtem Bilderrausch doch einiges abgewinnen.


Für Technikafficionados ein wunderbares Extra: der Bericht über die neuen Red-Kameras, die auf Studiolevel erstmals bei Gamer eingesetzt wurden und es womöglich schaffen, den Demokratisierungsgedanken der Digitaltechnik mit der 35-Millimeter-Ästhetik zu versöhnen.

Gamer (USA 2010)
Universal

DVD-Verleih ab: 12.05.2010
DVD-Verkauf ab: 04.06.2010

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