Fußball vom anderen Stern – Die Geschichte von Cosmos New York

Pélé und Franz Beckenbauer in einem Team – lange vor Playstation.

Fußball vom anderen Stern

Die brasilianische Legende und der Kaiser vereint, als Köpfe eines Teams voller Weltstars. So oder ähnlich ist vermutlich der grobe Kenntnisstand vieler Hobbyfußballhistoriker. Tatsächlich haben der Stürmer und der Libero nur eine Saison gemeinsam gekickt. Und als Beckenbauer für die damalige Rekordablöse von zwei Millionen US-Dollar nach New York kam, galt die Aufmerksamkeit des Trainers nicht des Kaisers Zusammenspiel mit Pélé, sondern seinen Pässen in die Füße des italienischen Enfant Terribles Giorgio Chinaglia. Chinaglia, der heute vor der Kamera ein wenig wie Tony Soprano wirkt und dem von Seiten früherer Clubfunktionäre auch ein ähnliches Handeln vorgeworfen wird, hat im Gegensatz zu fast allen ausländischen Stars von Cosmos und der gesamten Soccer League seine besten Jahre als Fußballer in den USA verbracht. Er hat acht Jahre lang für den Verein gekickt, 193 Tore in 213 Spielen erzielt. Während Pélé das Gesicht von Cosmos war, fungierte Chinaglia als Herz und Seele. Mit ihm stieg der Verein sportlich auf und finanziell wieder ab.

Fußball vom anderen Stern (2006) erzählt die Geschichte dieses Vereins, anfangs mit funkigen Bildern, als spinnerter Traum einiger Freaks aus dem Entertainment-Business. Da sind zwei türkische Brüder, die Gründer der Atlantic Records, sowie Steve Ross, Mogul bei Time Warner. Sie stampfen einen Verein aus dem Boden und angeln sich irgendwann Pélé als Leib gewordene Werbebotschaft. Eigentlich hätte Fußball vom anderen Stern auch ein Film über das Genie vom Zuckerhut werden können, doch im Gegensatz zu Chinaglia und Beckenbauer meldet sich der eigentliche Protagonist nicht zu Wort. Vermutlich wusste er warum, denn obwohl sich Fußball vom anderen Stern lange Zeit bemüht, eine Fußballvereinserfolgsgeschichte zu erzählen, mit Endspielen, Meisterschaften und Sudden Death, wird vor allem klar, dass es sich bei Pélé, Beckenbauer und Chinaglia um Abzocker handelt, um hochbezahlte Zirkusattraktionen, die sich im Studio 54 und in den Arenen feiern und beglücken ließen. Und Pelé ist wohl auch hier der Größte unter ihnen.

In dieser seltsamen Gemengelage zwischen Sozialstudie, Clubhistorie, Period Picture und Starporträts weiß Fußball vom anderen Stern nicht wirklich zu überzeugen. Als besonderes Lowlight wartet die deutsche DVD mit Jörg Wontorra als Sprecher auf. Im Original ist das Matt Dillon!

Fußball vom anderen Stern (Once in a lifetime – The Extraordinary Story of the New York Cosmos, USA 2006)

Atlas Film

DVD-Verkauf ab: 03.12.2010

Kommentare zu „Fußball vom anderen Stern – Die Geschichte von Cosmos New York“


Sterncker

Ich bin total entäuscht.Habe mehr Fussballaction erwartet. Dafür 2/3 der DVD nur Gerede. Schade um das Geld






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