Durham County

Vorstadtidylle? Kaum eine amerikanische Erfolgsserie seit Twin Peaks (1990), die nicht mit solchen Klischees aufräumen würde.

Durham County

Durham County sieht aus wie ein materialisierter Albtraum. Der Hintergarten geschmacklos eingerichteter Einweghäuser mit Langweilerpools legt den Blick frei auf Elektrizitätsmasten. Hier in Oregon bietet nur der Wald ein wenig Idylle. Bis sich gleich zwei Serienmörder daran machen, ausgerechnet dort ihrem Hobby nachzugehen.
Mike Sweeney kommt aus Durham County und ist aus dubiosen Gründen mit seiner Frau, die gerade einen schweren Krebstumor besiegt hat, sowie den beiden Töchtern zurückgekehrt. Der Polizist sieht sich – logisch – nicht nur mit der Mordserie, sondern auch mit der eigenen Vergangenheit konfrontiert.
Zwischendurch hat man den Eindruck, Laurie Finstad-Knizhnik, die Schöpferin der Serie, hatte Lynchtown im Kopf, als sie sich ans Schreiben und Inszenieren machte. Da gibt es gleich mehrere Protagonisten, die Tote sehen, Kinder laufen mit Masken auf dem Kopf durch die Gegend, und die Kleinstadt trieft nur so vor Abgründen und Geheimnissen. Doch immer dann, wenn es skurril oder absurd werden könnte, gilt die volle Konzentration gleich wieder der Kriminalgeschichte und dem Familiendrama. So entpuppt sich Durham County – gerade angesichts der Quality-TV-Explosion vergangener Jahre – als beachtlich konventionell. Darüber hinaus überrascht die Serie mit ihrer Unterkomplexität. Während Formate wie 24 und Prison Break austariert haben, wie viel Handlung, Action und Twist man in kürzester Zeit verarbeiten kann und will, geschieht in Durham County herzlich wenig. Die Ausgangslage ist von der ersten Folge an klar, und erst im letzten Teil der ersten Staffel gibt es eine, dann recht überhastete, Zuspitzung.
Was insgesamt zu verschmerzen ist, da die Serie mit schlanken sechs Folgen daherkommt und somit auf DVD recht locker und schmerzfrei an einem oder zwei Abenden zu konsumieren ist. Das kann vor allem deshalb ganz unterhaltsam sein, weil die Besetzung geglückt ist. Hugh Dillon spielt seinen Mike Sweeney wie eine frühe Bruce-Willis-Figur, ohne bei aller Ähnlichkeit wie ein Abklatsch zu wirken. Auch seine Filmtochter Laurence Leboeuf, die mit Bryce Dallas Howard ebenfalls einer bekannten Schauspielerin ähnelt, sorgt für ansprechende Momente. Die vielleicht faszinierendste Figur allerdings spielt die Australierin Helene Joy. Sie schifft ihren Part der verunsicherten Frau, die ein zweites Leben beginnen will, an so manch heikler Drehbuchklippe vorbei. Man kann ihr dabei wahlweise auf Deutsch oder Englisch folgen, Untertitel gibt’s leider keine.

Durham County  (USA 2007)
Universum Film
DVD-Verkauf: ab 06.08.2010

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