Downloading Nancy

Nancy (Maria Bello) verlässt eines Tages ihren Mann Albert (Rufus Sewell), kommt nicht mehr nach Hause zurück. Im Internet hat sie Louis (Jason Patric) kennen gelernt. Der will ihr helfen, zu sterben.

Downloading Nancy

Der Plot erinnert nicht nur an Rohtenburg (2006), er basiert auch ebenfalls auf einer wahren Begebenheit. Dennoch könnten beide Filme unterschiedlicher nicht sein. Regisseur Johan Renck, der bislang vor allem im Musikvideo-Bereich aufgefallen ist, beschränkt sich technisch auf das Nötigste. Ähnlich wie in Jan Bonnys Gegenüber (2007) passt sich der Stil dem Setting und der Atmosphäre des Stoffes an, tritt die Form scheinbar zugunsten des Inhalts in den Hintergrund. So ist Downloading Nancy alles andere als eine stilistische Filmübung, mit der sich Renck für größere Projekte empfiehlt. Ganz im Gegenteil, sein sperriger, düsterer, ungeschliffener Film wird ihn eher auf die Giftliste der Studiobosse setzen. In den USA lief der mit minimalem Budget gedrehte Film nur mit einer Handvoll Kopien im Kino, hierzulande gar nicht. Jetzt gilt es, diesen Film, der einen nicht so schnell wieder loslässt, auf DVD zu entdecken.

Johan Renck ist es gelungen, für seinen straffen Drehplan drei herausragende Akteure zu gewinnen: Maria Bello für die Titelrolle, Rufus Sewell und Jason Patric für die sie so unterschiedlich behandelnden Männer. Vor allem die beiden letzteren geben ihren Figuren auf völlig unterschiedliche Weise etwas Beunruhigendes und Unangenehmes, ohne sie zu Genre-Stereotypen verkommen zu lassen. In Downloading Nancy gibt es kaum eindeutige Zuschreibungen, die Handlungen und Gefühle sind im Bild präsent und dennoch ist es ganz dem Zuschauer überlassen, sie einzuordnen.

Die Räume, in denen sich die Personen aufhalten, das Licht, mit dem sie ausgeleuchtet sind, die Farben, in denen sie gehalten sind – alles löst ein Unwohlsein beim Zuschauer aus, das den Effekt der Geschichte nur noch verstärkt. Die wiederum wird a-chronologisch erzählt, lebt von Andeutungen und Aussparungen, entwickelt sich, ohne dass zu offensichtlich Drehbuch-Schemata benutzt werden. Man folgt den Figuren in Downloading Nancy, deren extreme Gefühlswelten genauso wenig ausgestellt wie erklärt werden. Erzeugt wird ein Leiden, das sich im Dreieck Empathie-Sympathie-Distanz entwickelt und von dem man auch nach dem Film nicht wirklich loskommt.

Downloading Nancy (USA 2008)
Senator
DVD-Verleih ab: 18.12.2009

DVD-Verkauf ab: 15.01.2010

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