Cell 211

Mit der Empfehlung von stolzen acht Goyas, unter anderem in den Kategorien bester Film und beste Regie, erscheint Cell 211 (Celda 211) in Deutschland als DVD-Premiere.

Cell 211

Der Gefangene aus Zelle 211 öffnet seine Pulsadern. Ruhig und bedächtig, fast stoisch lässt er das Blut aus seinen Adern in das mit Wasser gefüllte Becken laufen.

Juan (Alberto Ammann) ist etwas übereifrig. Schon einen Tag vor seinem offiziellen Arbeitsstart als Schließer will er seinen Arbeitsort und die neuen Kollegen kennenlernen. Dir Tür zu Zelle 211 steht sperrangelweit offen. Es dauert nicht lange, dann findet sich Juan selbst in dem Loch wieder. Um ihn herum ist ein Gefängnisaufstand ausgebrochen, er ist selbst zum Gefangenen geworden – und das im doppelten Sinn. Aus dem Sicherheitstrakt kommt er nicht raus, und um zu überleben, gibt er sich als Inhaftierter aus. Es dauert nicht lange, ehe er auf den Initiator der Revolte trifft. Und ebenso schnell geht es, da scheint ein Bund zwischen ihm und Malamadre (Luis Tosar) geknüpft.

Die Eingangssequenz und die Ausgangslage sind vielversprechend. Doch schon die einen Nebenplot katalysierenden Rückblenden wirken banal. Juans Freundin ist schwanger, und am Morgen, als er die verhängnisvolle Entscheidung trifft, einen Tag zu früh bei der Arbeit zu erscheinen, schwelgen die beiden im Glück. Das gibt es auch bei Terrence Malick, doch da ist das Sehnsuchtsbild immer schon ein Erinnerungsbild und gleichzeitig ein von der Wirklichkeit überformtes Trugbild. Hier dient es nur einem Zwecke: reichlich plumper Emotionalisierung.

Unabhängig von derlei unheilvollen dramaturgischen Bemühungen lässt sich Cell 211 auf einen seltsamen politischen Diskurs ein. Die Insassen – mit einer bedingten Ausnahme durchweg als Maniacs gezeichnet – wandeln sich in Windeseile zu den eigentlichen Opfern. Was uns wieder zum Ausgangspunkt führt: In der von Regisseur Daniel Monzón entworfenen Welt heißt Gefängnis zwangsläufig Pulsadern aufschneiden. Die Beamten sind allesamt sadistisch, inkompetent, korrupt oder zumindest verschlagen. Vor allem aber sind sie und ihre Vorgesetzten Mörder. Anfangs abstrakt, zum Ende hin immer konkreter.

So findet Juan zwangsläufig innerhalb der Gefängnismauern seine eigentliche Bestimmung. Oder aber, spricht man dem Film zumindest einen Hauch Ambivalenz zu, es ergeht ihm wie allen anderen: Erst im Knast wird man wirklich zum Verbrecher.

Was in Cell 211 gesetzt wirkt, hat Jacques Audiard parallel effektiv als System analysiert. Gerade im Vergleich mit seinem Meisterwerk Ein Prophet, aber auch mit anderen Gefängnisfilmen wie Blood in Blood Out (Bound by Honor, 1993), Ghosts oft the Civil Dead (1988) oder auch nur der Doppelfolge in Prison Break (2005), offenbart sich Cell 211 als Rohrkrepierer des Genres.

Was war da dieses Jahr nur in Spanien los?

Cell 211 (Celda 211, Spanien 2009)
Senator
DVD-Verkauf ab: 23.07.2010

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